Wenn Journalisten blindlings unterschreiben

Es ist ein Kreuz mit den Kollegen. Man sollte meinen, dass Kommunikationsprofis – sprich: Journalisten und Schriftsteller – eine kritische Grundhaltung gegenüber Online-Petitionen haben, wie sie im Zeitalter organisierter Massenempörung so beliebt sind. Man denkt doch ein paar Sekunden nach, bevor man seinen Namen auf eine virtuelle Unterschriftenliste setzt, oder?

Offenbar kann man das nicht voraussetzen. So signierten bis dato weit über 1000 Autoren einen aufgeregten Brandbrief an Justizminister Heiko Maas, der mit „Urheberpauschale für Autoren“ überschrieben ist. Es geht darin um die Durchsetzung der Rechtsauffassung, dass Verlegern „kein Cent“ aus den Einnahmen der VG Wort zustehe.UrhPau1

Darüber, inwieweit das mit der Realität in Einklang zu bringen ist, könnte man kontrovers, aber sachlich diskutieren. Der nicht datierte Brief ist jedoch aus einer Perspektive geschrieben, die Autoren als jammernde Opfer erscheinen lässt…UrhPau2

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Da kriegt man doch nen (Doktor) Vogel

(Text vom 3. Mai, leicht aktualisiert am 19. Mai)

Zu der Zeit, als die Entscheidung fiel, sollte ich mich auf ärztliches Anraten eigentlich schonen und Stress vermeiden. Als Verwaltungsratsmitglied der VG Wort konnte ich aber leider auch im Krankenstand nicht vermeiden, mitzubekommen, was der BGH in unserem Rechtsstreit mit Martin Vogel entschieden hat, und vor allem, wie jetzt viele Kollegen im Netz auf uns Autorenvertreter verbal eindreschen. Von Leuten, die sich nie auch nur auf einer Versammlung der Wahrnehmungsberechtigten (da darf jeder Autor hin, der sich angemeldet hat) haben blicken lassen, als „Verräter“ gemobbt zu werden, ist Stress der ganz fiesen Art und meiner Genesung gewiss nicht zuträglich. Aber ich will nicht jammern.

Damit die Beschimpfungen künftig vielleicht ein wenig fairer ausfallen, möchte ich heute deshalb einen um Sachlichkeit bemühten Blogbeitrag von Jan Drees mit dem Titel „Warum verbünden sich Schriftsteller mit Verlagen?“ zum Anlass nehmen, ein paar Hintergründe zu erklären und Missverständnisse gerade zu rücken. Das erste Missverständnis vorab: Wir verbünden uns nicht mit Verlagen und Verleger sind auch nicht per se unsere Gegner, denn die VG Wort ist ein Verein, in dem beide Seiten schon immer (also seit 1958) gleichberechtigt waren; die gewählten Vertreter beider Lager begegnen sich in dieser Arbeitsgemeinschaft auf Augenhöhe. Das Gegenteil der als Frage formulierten Feststellung ist vielmehr richtig: Viele Vogel-Fans bemühen sich derzeit darum, einen Keil zwischen uns und die Verleger zu treiben und ausgerechnet an der Stelle eine Front zu eröffnen, wo wir zumeist konstruktiv und produktiv miteinander reden können. Also dort, wo die Gemeinsamkeiten größer sind als die unleugbaren Interessengegensätze, die es überall dort gibt, wo wirtschaftlich Stärkere und Schwächere miteinander Geschäfte machen.

Jan Drees behauptet nun also: 

„Das (Urteil) freut alle freien Journalisten, alle Wissenschaftler.“

Das ist nicht wahr. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man diesen Eindruck bekommen, doch die apodiktisch daherkommende Verallgemeinerung ist falsch, so dass der ganze Dreessche Blogtext auf einer falschen Prämisse beruht.

Wissenschaftler haben es heute mehr denn je selbst in der Hand, ob sie in den traditionellen Fachverlagen wie Elsevier publizieren, weil sie sich davon mehr Prestige oder eine steilere Karriere versprechen, oder ob sie es online im „Open“-Lager probieren, das noch mit gewissen Vorbehalten kämpft, aber doch wohl viel Zulauf hat und immer mehr Reputation gewinnt. Wie dem auch sei: Keiner schreibt seinen Fachzeitschriftenaufsatz oder sein naturwissenschaftliches Fachbuch wegen der VG Wort-Tantiemen, Weiter…

Endlich ein gescheiter Akkulader

Hinterher ist man immer schlauer – nämlich wenn man einiges an Lehrgeld zum Fenster rausgeschmissen hat. Was habe ich schon an Akkus gekauft, die bei weitem nicht so lange hielten, wie sie sollten? Und was für Mistdinger an Ladegeräten vom Discounter oder aus der Metro habe ich über die Jahre verschlissen und verschrottet? Ich habe aufgehört, zu zählen und nachzurechnen. Es war ein Dauerkampf gegen eingebaute Obsoleszenz.

Durch Zufall stieß ich vor ein paar Monaten auf Fritz Mössinger, einen netten Techniker im Ruhestand, der ganz hier in der Nähe lebt, in Landsberg. Im Gegensatz zu mir weiß er ganz genau, was elektrisch in Akkus abgeht, was sie aushalten und was ihnen nicht gut tut, sprich: was ihre Lebensdauer verkürzt.

Dieses Know-how hat er gemeinsam mit dem Software-Tüftler Markus Pollak genutzt, um ein Profi-Ladegerät des österreichischen Herstellers MEC hardware- und softwaretechnisch so zu tunen, dass man am Computer den Zustand und das Ladeverhalten jedes einzelnen Akkus auslesen kann. Weiter…

brand eins

Auf dieser Seite finden Sie Links zu meinen Texten im Wirtschaftsmagazin brand eins. Ein Klick auf die Überschrift führt Sie – sofern diese grün ist – direkt zum Artikel im PDF- oder HTML-Format. (So lange die Überschrift schwarz ist, ist sie noch nicht verlinkt. Beiträge aus dem aktuellen Heft sind in der Regel nicht freigeschaltet.)

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68. brand eins 11/2015 Gute Frage Zukunft der Sozialversicherung

Was wollen hoch qualifizierte Freiberufler?

Selbstständige Wissensarbeiter haben Konjunktur, vor allem in der IT. Nur fügen sich ihre Tätigkeiten nicht ins Raster der klassischen Sozialpartnerschaft.


67. brand eins 10/2015 Gute Frage 30 Jahre Waldsterben

Wie geht es dem deutschen Wald?

Auf den ersten Blick: nicht schlecht. Auf den zweiten: Steht im Text…


66. brand eins 8/2015 Gute Frage Arbeitnehmer-Erfinder

Stärkt das Patentrecht den Erfindungsdrang?

Beobachten, lernen, angreifen

Lenovo ist Chinas erster echter multinationaler Konzern. Er setzt auf kulturelle Vielfalt. Sie hilft ihm, die Konkurrenz zu verstehen – und auszustechen.


64. brand eins 6/2015 Gute Frage Gesundheit

Was bringt ein Chefarzt-Tarif?

Patienten zahlen Premium-Prämien für den Zugang zu Koryphäen. Dass die tatsächlich Zeit für sie haben, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

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Multiplikatoren des Blödsinns

Kürzlich stolperte ich bei einer Recherche über ein Interview aus Österreich, das insofern bemerkenswert war, als ein Manager eines namhaften Handelskonzerns ziemlichen Unfug erzählte und die Interviewerin aus dem Wirtschaftsressort der „Kleinen Zeitung“ aus Graz ihm das durchgehen ließ. Schon die Überschrift zog mir fast die Schuhe aus: „Wenn die Waschmaschine die Socken bestellt.“

Wenn solche Aussagen in der Welt sind, gibt es immer wieder Kollegen, die sie – wegen der scheinbar sachkundigen Quelle – als Ausgangspunkt für ihre Arbeit nehmen und sich damit zu Multiplikatoren des Blödsinns machen. Deshalb erlaube ich mir, das krauseste Zeug zu zitieren und glattzuziehen. Es ging um eine Prognose zum Handel in zehn Jahren.

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