Der Troll von der Bundesbank

Soll ich zum Umgang der Medien mit Thilo S. was posten? Diese Frage habe ich mir schon vor ein paar Tagen gestellt — und erst mal nix getan. Dann kam im Jonet, einer Mailingliste meiner Zunft, die Debatte auf, ich gab meinen Senf dazu, und eine Kollegin meinte, ich solle das doch auch öffentlich machen. Die Frage war: Was ist von der Diskussion im Leserforum der taz zu halten? Und: Ist das rassistisch, was der Mann schreibt?

Hier also mein Senf:

Mir fällt es schwer, mich überhaupt mit jemandem auseinanderzusetzen, der die These vertritt, dass Menschen aus überwiegend islamisch geprägten Ländern wie der Türkei grundsätzlich, nun ja, ökonomisch nutzlos für Deutschland seien, christliche Südeuropäer aber natürlich wertvoll. Abgesehen davon, dass nun wirklich nicht alle Türken fromme Muslime sind, atmet solch eine Pauschaleinschätzung den gleichen “Geist”, der auch rassistische Äußerungen prägt.
Mir ist es ehrlich gesagt wurscht, ob jemand ein rassistisches Scheusal ist oder ein pseudoreligiös motiviertes.

Für mich ist das, was dieser Herr von der Bundesbank mit breiter Unterstützung der Medien Weiterlesen

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Öko-Billig-Label

Mensch, bin ich naiv. Ich habe immer geglaubt, das Öko-Test-Magazin des SPD-Verlags DDVG befasse sich mit der ökologischen Korrektheit von Waren.

Nein, Öko steht ganz offensichtlich für Ökonomie. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich mal diese Werbung an. Sie stammt aus dem hauseigenen Anzeigenblatt “Tip der Woche” vom Kaufland, einem Unternehmen des Lidl-Konzerns Schwarz. Die roten Tester testen Billigwaren darauf, ob man sich an ihnen den Magen verdirbt. Sind sie gut genug, dass das Gewerbeaufsichtsamt keinen Grund hätte einzuschreiten, gibt es eine tolle Note, mit der das Unternehmen irreführend werben darf.

Na gut, das “irreführend” nehme ich lieber zurück. Nicht mal der allerdümmste Konsument kann annehmen, dass frisches Hackfleisch für 2,58 Euro pro Kilo wirklich von einem umwelt- und tierschutzgerecht geführten Hof kommt. Dafür gäbe es ja nur eine Erklärung: Der Bauer arbeitet ehrenamtlich und schießt noch Geld zu. Oder verkaufen die Lidls jetzt etwa unter Einkaufspreis, damit sich die armen Verbraucher mit gesundem, umweltfreundlichem Fleisch verantwortungsvoll den Wanst vollschlagen können?

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Frau Bernau bitte ins Computermuseum!

“Wie ein Retter brachte Jobs ein Jahr später (1998) den iMac auf den Markt, der erste Computer, dessen Rechner im Bildschirmgehäuse steckte, ein buntes Ei.”

Varinia Bernau, Süddeutsche Zeitung, 16. August 2010, Wirtschaft, Seitenfüller-Rubrik “Starke Marken”

Ohne auf sprachliche Holprigkeiten eingehen zu wollen (das möge bitte der geschätzte Kollege Hermann Unterstöger im Sprachlabor erledigen):

Kann es sein, dass jemand zwar weiß, dass Steve Jobs 1985 gegen John Sculley den Kürzeren zog, aber nicht mitbekommen hat, dass es damals einen Computer gab, der Macintosh hieß und zwar kein Ei war, aber den “Rechner” im Bildschirmgehäuse hatte? So wie die etwas unförmigere Lisa zuvor?

Und hat die SZ (wenn sie schon ahnungslose Jungkräfte mit Beiträgen betraut, die noch lebende Zeitzeugen der Grufti-Generation jenseits der 49 aus dem Ärmel schütteln würden) denn kein Archiv mehr? Oder wenigstens einen Webanschluss, den die Schreiber zum Recherchieren nutzen dürfen, etwa in einem der vielen virtuellen Computermuseen? Das wäre vielleicht hilfreich für all jene KollegInnen, die ohne jede Spezialisierung ressortübergreifend alle Themen wegschreiben müssen, die so anfallen bei der Zeitung.

Ach nee, sich vor dem Schreiben schlau zu machen kostet Zeit, ist also zu teuer für die arme SWMH. Newsrooms mit Redakteuren in Massenhaltung wurden ja nicht eingeführt, um die Zeitung besser zu machen, sondern deren Produktion billiger.

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Vom Mendelweg in Düsseldorf…

…gibt es jetzt schon eine Streetview ohne Google, weil die Anwohner kein Google Streetview dulden wollen. Auch Thomas Knüwer wundert sich.

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Flacher Abbruch

Was das ist, ein flacher Abbruch? Na, ist doch klar: die deutsche Übersetzung von “plane crash”. So etwas kommt heraus, wenn man der Weichware von World Lingo das Oversetting overlets. Flugzeugabsturz heißt nämlich für die Programmierer dieses Scherzartikels nicht “plane crash”, sondern “aircraft crash”. (Never ever read or heard that stilted expression!)

Hier eine Kostprobe der Fähigkeiten maschineller Dolmetscher anhand eines wikipädischen Artikels über den früh verstorbenen, ähem, “Evangelium- und Felsen „n“ – rollen Sie Sänger Keith Grün”. Weiterlesen

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Presserat: Warum denn gleich rügen?

Die Initiative “Qualität im Journalismus” meldet, der Deutsche Presserat setze auf Mediation, also auf Vermittlungsgespräche zwischen Redaktion/en und Leser/inne/n, die sich beschweren. Genau: Wenn schon nicht der wirklichen, so doch der gefühlten Qualität der Zeitungen wird es bestimmt gut tun, wenn die Chefredakteure sich hinter den Kulissen bei den Beschwerdeführern entschuldigen, statt in unbarmherziger Selbstkasteiung jene Rügen abzudrucken, die auszusprechen insbesondere die Verlegervertreter ohnehin eher selten übers Herz bringen.

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Laienreporter langweilen

Da schau her: Der Nachwuchs an meiner Alma mater hat den Bild-Leserreporter erforscht. Alles halb so wild. Vielleicht braucht’s ja doch Profis.

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Weltrevolution aus Wolfratshausen

Was kommt aus der Springer-Druckerei, brüllt reißerische Schlagzeilen in die Welt und ist zu erkennen an einem weißen Vier-Buchstaben-Wort auf einem roten Quadrat? Richtig, die Bild.

Was kommt aus der Bertelsmannschen Akzidenzdruckerei Vogel, brüllt reißerische Schlagzeilen in die Welt, für die sich vermutlich sogar Kai Diekmann genieren würde, und ist zu erkennen an zwei weißen Vier-Buchstaben-Worten auf einem roten Quadrat? Die raum & zeit.

Das von der Wolfratshauser Verlegerin und Chefredakteurin Käthe Ehlers zu verantwortende Heft verspricht in der aktuellen Ausgabe, die ich heute als Wartezimmer-Lektüre entdeckt und spontan konfisziert habe, nichts weniger als die Lösung des größten Problems der Menschheit.

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