Eigentlich höre ich ja den Matuschke ganz gern. Nicht nur weil er sich traut, auf Bayern 3 den guten alten Hugo Strasser (91) zu spielen, sondern auch wegen seines konsequent bekloppten Moderationsstils.
Aber das nehme ich ihm doch krumm:
Eigentlich höre ich ja den Matuschke ganz gern. Nicht nur weil er sich traut, auf Bayern 3 den guten alten Hugo Strasser (91) zu spielen, sondern auch wegen seines konsequent bekloppten Moderationsstils.
Aber das nehme ich ihm doch krumm:
Oh wei oh wei, wer hat bloß DEN Text…
“Anders als Rossmanns GmbH oder die „GmbH & Co. KG“ von dm besaß der Marktführer keine Publikationspflicht.”
…im Handelsblatt redigiert, der sich um Anton Schlecker dreht?
Inhaltlich: Nur weil Schlecker die meisten Läden angemietet hat, ist er noch lange nicht Marktführer. (Außerdem findet man im Elektronischen Bundesanzeiger durchaus eine Menge Zahlen von Schlecker-Firmen, nur halt keine Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung.)
Sprachlich (und das ist noch viel schmerzhafter): Eine Pflicht besitzt man nicht. Besitz erwirbt man, und man kann ihn auch wieder verkaufen. Einer Pflicht unterliegt man, oder man wird ihr unterworfen. Anders gesagt: Hier bringt die Redaktion Aktiva und Passiva durcheinander.
”Laut „FAZ“ soll der nächste Termin für eine ähnliche Zahlung an die Einkaufsgemeinschaft Markant, der auch andere Firmen wie Edeka angehören, dem Vernehmen nach schon in der nächsten Woche anstehen.”
Seit wann gehört bitte Edeka zu Markant?
Vom Handelsblatt darf man erwarten, dass es dpa-Wirtschaftsmeldungen nicht unbesehen übernimmt. Es ist aber passiert:
“Die Fitness First Germany GmbH … gehört mit McFit und Health City zu den drei großen Anbietern im Land.”
Tja, das stimmt nicht. McFit ist der Größte von der Mitgliederzahl her, aber Injoy und Kieser haben die meisten Studios. Fitness First (um die es in der Meldung geht) liegt nur auf Rang 4, Health City kommt mit 22 Standorten unter “ferner liefen”.
Das Handelsblatt hat im Moment ein großes Thema: Apples vermuteten Einstieg ins Fernsehgeschäft. Eigentlich ist es erstaunlich, dass das alles noch Zukunftsmusik ist und nicht längst Gegenwart. Den folgenden Beitrag habe ich vor fünf Jahren geschrieben – im BJVreport anlässlich der Münchner Medientage 2006. Die Illustration mit der Apple-Front-Row-Fernbedienung sollte symbolisieren, dass TV-Fernbedienungen, die wie Computertastaturen anmuten, eigentlich ausgedient haben.

Ob Computer und Fernseher zusammenwachsen, ist auch eine Frage der Ergonomie. Computertastaturen sind wenigstens genormt und beschriftet. Mit einer „Universal-Fernbedienung“ bewältigt der Zuschauer indes nur die Grundfunktionen von Fernseher und Recorder. Am radikalsten ist der Ansatz, gleich alle Funktionen in die Software zu verlagern: Die knopfarme Fernbedienung links gehört zu einem Multimedia-Computer.
Es ist viiiieeelll Text, den Werner Lauff uns zum Jahreswechsel zumutet, aber jeder Medienmensch sollte sich die Zeit für seinen medienjährlichen Rück- und Ausblick nehmen – vor allem die Führungskräfte der Branche. Lauff hat buchstäblich alles, was in der Medienwelt derzeit abgeht, analysiert, sortiert, strukturiert, in den Zusammenhang gestellt. Die Einzelfakten kennt man, aber hier wird das große Bild sichtbar.
Pflichtlektüre! (bei Kress.de)
“Die Verantwortung spüren
…Ein Ereignis wird binnen Stunden zum dominierenden Thema. Danach bleibt es wochenlang in den Schlagzeilen, wobei jede Sekundärmeldung – eine These, eine Forderung, ein Gerücht – recht zu sein scheint. Von einem Tag auf den anderen verschwindet das Thema dann wieder in der Versenkung, als sei der Fortgang der Angelegenheit kein Wort mehr wert…
…Der Wettbewerb um Nachrichten ist so groß, dass zum Nachdenken kaum Zeit bleibt. Die meisten Redaktionen sind mit zu vielen Themen befasst und können weder Erfahrung noch Expertenwissen abrufen. … Journalisten werden permanent zum Verdichten animiert. Doch viele Hochrechnungen auf tiefere Absichten oder gar Strategien, die auf diesem Weg zustande kommen, liegen weit neben der Sache. Die häufigsten Probleme sind assoziative Fehlschlüsse, Fehlgewichtungen von Anlass oder Äußerungsmodus sowie elementare Unkenntnis über die Historie, die Zusammenhänge und die Interessen der handelnden Personen. …
Viele dieser oberflächlich zustande gekommenen Artikel in Nachricht-Kommentar-Feature-Mischform können fatale Auswirkungen haben. Sie können blutige Reaktionen hervorrufen. Sie können Wirtschaft und Währung in Gefahr bringen. …”
Redakteuren der Süddeutschen, aber wohl auch der dpa und etlicher anderer Redaktionen ist es bei Prügelstrafe nicht unter zehn Schlägen aufs Gesäß verboten, das Wort “gleichzeitig” zu verwenden. Damit sie das verpönte Tabuwort gar nicht erst verwenden und die Planstelle des hauseigenen Folterknechts eingespart werden kann, ist die Autokorrektur der führenden Redaktionssysteme inzwischen so eingestellt, dass “gleichzeitig” schon während des Tippens durch das Modewort “zeitgleich” ersetzt wird. Weiterlesen
“Tonnenweise” sind laut einer Überschrift auf der “Panorama”-Seite der Süddeutschen gefälschte Bio-Futtermittel aus Italien nach Deutschland importiert worden. Ja sicher, denn den Nachrichtenwert eines grammweise oder kilogrammweise begangenen Agrarbetrugs müsste man in Milligramm messen. Weiterlesen