ebay lässt Ortsschwindel zu

Wenn ich bei ebay ein Produkt suche, klicke ich normalerweise an, dass ich Ware aus Deutschland haben möchte, gegebenenfalls auch aus Europa. Nur hilft das nichts. Unser aller globaler Marktplatz ist nämlich in dieser Hinsicht alles andere als verlässlich. Als Artikelstandort ist dann zum Beispiel „Hannover“ angegeben, doch wenn man nachschaut, wo die Firma Europa-Brands (!) sitzt, stellt sich heraus: in Malaysia. Ganz ehrlich: Wenn die Ware nicht kommt oder ich eine Reklamation habe, möchte ich meine Verbraucherrechte nicht gerade in Kuala Lumpur geltend machen müssen.

 

Ein mindestens so schönes Beispiel ist „Tobydeals Polland“ beziehungsweise tobydeals-pl. Wer denkt da nicht an Polen, trotz der falschen englischen Schreibweise des Landes? Stutzig wird man, wenn der Standort des Artikels mit „Niederlande“ angegeben wird. Wo sitzt Freund Zbigniew van der Murks oder Frans-Pieter Lewandowski, oder wie der Polderpole auch heißen mag, denn wirklich? Siehe da: in Hong Kong. Wieder nichts mit EU-Recht und Verbraucherschutz.

Leider sieht der Dialog, mit dem man bei ebay Angebote mit falschen und irreführende Angaben melden kann, derartige Verstöße nicht vor. Sie sind aber alltäglich. Deshalb genau aufpassen – und immer die grauen und roten Bewertungen lesen. Die grünen sind uninteressant.

Kaufering: Rinks vor lechts und kein Ende

Beschimpfen Sie nie diesen Mann. Er fährt zwar wie der Henker, hat aber ein empfindsames Gemüt.

Das Erlebnis, in Kaufering Rad zu fahren, kann man inzwischen so auf den Punkt bringen: Wer geradeaus radelt, muss an jeder Kreuzung und Einmündung auf Schritttempo abbremsen, um dem von links kommenden Fahrer eines Autos mit eingebauter Vorfahrt nicht die schöne Motorhaube zu verbeulen oder von einem eiligen Kurierfahrer schwungvoll ins Jenseits befördert zu werden.

Autofahren in Kaufering kann man ähnlich beschreiben: Wer geradeaus fährt, sollte an jeder Kreuzung und Einmündung auf Schritttempo abbremsen, um nicht mit dem von links kommenden Traumtänzer zu kollidieren.

Das ist – wie auch immer die Mitglieder unseres zerstrittenen „Marktgemeinderats“ (also Gemeinderats) es sehen – der Status quo. Und zwar nicht nur in der Riesen-Tempo-30-Zone, die voriges Jahr in einem kollektiven Anfall von Gutmeinerei westlich der alten Bundesstraße 17 eingeführt wurde, sondern auch östlich derselben, wo es schon ein paar Jahre so geht.

Denn:

  1. Viele Menschen wissen spontan nicht, wo rechts ist und wo links. Für sie ist der Straßenverkehr die reinste Querfront. 
  2. Viele Menschen haben die Rechts-vor-links-Regel nach Verlassen der Fahrschule gleich wieder vergessen. „Rechts vor links“ ist in der öffentlichen Wahrnehmung lediglich eine Schikane, die sich Fahrprüfer ausgedacht haben, um Leute durch die theoretische Prüfung rasseln zu lassen. 
  3. Viele Menschen fahren unterbewusst so weiter, wie sie auf der jeweiligen Straße schon immer gefahren sind.
  4. Viele Menschen beachten weder Verkehrsschilder noch das Fehlen derselben, sondern lassen sich davon leiten, dass eine Straße aussieht, als sei sie eine Vorfahrtsstraße. Dass manche Straßen so aussehen, kommt wiederum daher, dass sie vor Jahr und Tag tatsächlich als Vorfahrtsstraßen geplant und angelegt wurden. Man nennt den Effekt „gefühlte Vorfahrt“. Er verschärft sich natürlich bei Benutzung eines Kraftfahrzeugs mit eingebauter Vorfahrt; das nennt man dann „faktische Vorfahrt“. Deren normative Kraft lässt sich durch Beschlüsse von Markt- und sonstigen Gemeinderäten leider nicht schmälern. 

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CSU-Landrat sagt: Wir sind keine Familie mehr

Bis heute war ich der festen Überzeugung, ich sei ein Familienvater. Immerhin haben meine Frau und ich zwei Kinder großgezogen, und wir sind entgegen allgemeinem Brauch auch nach 28 gemeinsamen Jahren immer noch zusammen. Da die Kinder aber aus dem Haus und zudem volljährig sind, bilden wir keine Familie mehr. Keine Familie im Sinne des Gesetzes – oder besser: keine Familie im Sinne der Familienpolitik unseres vorgeblich christlich-sozialen Landrats Thomas Eichinger. 

Von wem ich das weiß? Von der Kassiererin des Lechtalbades, unseres schnuckeligen landkreiseigenen Naturfreibads mit angegliedertem Hallenbad. Wir wollten ihr eigentlich eine Saisonkarte abkaufen, was immer eine Wette auf gutes Wetter ist. Die Preisgestaltung dieses an die Freibadsaison gekoppelten Angebots ist leider etwas seltsam: Ein Single (oder eine Person, deren Angehörige sich nichts aus Freibädern machen) muss mindestens 30 mal für eine Stunde schwimmen gehen oder an 17 Tagen länger als eine Stunde auf dem Gelände verbringen, damit es sich lohnt. Wer nur nach Feierabend seine Bahnen im chlorfreien Wasser ziehen will, braucht also an mindestens 30 Tagen schönes Wetter samt kommoden Wassertemperaturen plus die Zeit, just dann schwimmen zu gehen.

Kenner des hiesigen Mikroklimas wissen, dass man in manchen Jahren den ganzen Juni vergessen kann. Fast jeden Abend duscht oder gewittert es, die Wassertemperatur kommt kaum über die 20-Grad-Marke. Im Juli ist es wechselhaft, und ab der zweiten Augustwoche fällt oft erstaunlich kalter Regen, begleitet von ziemlich frischen Brisen. Es 30 mal nach der Arbeit ins Freibad zu schaffen, ergo minimal zwei Mal pro Woche, ist aber bereits bei optimalem Wetter ein höchst sportliches Ansinnen.

Zum Glück, dachte ich, gibt es diese Familien-Saisonkarte, die wir hatten, als die Kinder noch klein waren und mit Mama und Papa schwimmen gingen. Sie lohnt sich bereits, wenn die Elternteile der Freiluft-Badeanstalt 44 einstündige oder 25 längere Besuche abstatten und die Kinder sich nie blicken lassen, weil sie keinen Bock auf ein Nicht-Spaß-sondern-Schwimm-Bad haben. Die Karte kostet immerhin 160 Euro – mithin genug, um sich zu ärgern, falls der Sommer wieder kein traumhafter wird, aber wenig genug, um das Risiko einzugehen und seinem internen Sauköter zu signalisieren, dass unsportliches Kläffen und Grunzen sinnlos ist. Wenn ich soviel Geld hinlege, habe ich nun mal den Ansporn und Ehrgeiz, damit am Ende einen guten Deal gemacht zu haben.

Tja, ist nicht. Für die Kassiererin sind Eltern, deren Kinder erwachsen sind, qua Dienstanweisung keine Familie mehr. Dass Sohn und Tochter noch in der Ausbildung sind und sich die Gesamt-Lebenshaltungskosten dessen, was ich bisher als „Familie Froitzheim“ bezeichnete, durch den Auszug der beiden erhöht haben (nicht nur, weil sie jetzt in andere Schwimmbäder gehen und dort vollen Eintritt bezahlen müssen), zählt nicht. Der Landkreis verlangt von uns beiden jetzt 60 Euro mehr als von einem Ehepaar, das ein, zwei oder drei minderjährige Kinder hat. Richtig: Wir werden behandelt, als hätten wir uns scheiden lassen. Jeder von uns zweien muss eine Single-Saisonkarte zu 110 Euro nehmen oder mit Einzelkarten vorlieb nehmen.

Ich meine mich zu entsinnen, dass es Herrn Eichingers Partei ist, die CSU, die all ihren Funktionären einen Textbausteinkasten für Sonntagsreden an die Hand gibt, dessen wichtigste Floskel der „Schutz von Ehe und Familie“ ist. Da lebt man genau das familiäre Ideal, das dieser Partei so wichtig ist, und zum Dank wird man aus der privilegierten Gemeinschaft der Begünstigten ausgestoßen, bevor auch nur die Unterhaltspflicht für die Kinder geendet hat.

Wir hätten ja noch Verständnis dafür, wenn die Preistafel so aussähe: Eine Person 110 Euro, Ehepartner 50 Euro, Kinder gratis. Oder: Alle Kinder einer Familie 160 Euro, Eltern gratis. Dass man einen Strafzuschlag dafür aufgebrummt bekommt, dass die Kinder groß sind, kann nicht sein. Ergo ist es umgekehrt: Die anderen Steuer- und Eintritt-Zahler subventionieren zum einen freien Eintritt für Kinder, zum anderen schenken sie aber auch jedem Schwimmer-Paar, das seine Kinder unter 18 Jahren anmeldet, 60 Euro – selbst dann, wenn ausschließlich die Eltern schwimmen gehen.

Man könnte viele Worte darüber verlieren, was für eine Frechheit und Respektlosigkeit das gegenüber älter werdenden Eltern ist, aber geschenkt. Es ist vor allem kaufmännisch strunzdumm: Ein Freibad-Betreiber müsste ein Interesse daran haben, möglichst viele Saisonkarten zu verkaufen – so wie Zeitungsverleger am liebsten Abonnements und Mobilfunkfirmen am liebsten Flatrates verkaufen. Die Einnahmen sind sicher, niemand kann das Eintrittsgeld wegen schlechten Wetters zurückfordern. Das Landratsamt könnte sein wetterbedingtes finanzielles Risiko wunderbar auf die Kartenkäufer abwälzen, wenn es dabei nicht so maßlos wäre. Wer Saisonkarten so kalkuliert, dass sie sich für einen Normalnutzer gerade noch mit Ach, Krach, Müh und Not halbwegs rentieren, schreckt zahlungsbereite Kunden ab. Wenn ich an jedem freibad-tauglichen Abend erneut entscheiden muss, nein, kann, wofür ich ein paar Euro ausgebe, fallen mir immer noch einige andere schöne Dinge ein.

Aber das kapieren Eichinger und seine Leute nicht. „Kundenbindung“ ist für Amtspersonen ein Fremdwort. Schade.

 

Kauferinger Grüne: Mit Tempo 30 auf den Holzweg

Wer mich kennt, weiß, dass mir die Grünen – zumindest die Realos – trotz mancher Verirrung immer recht sympathisch waren, verglichen jedenfalls mit dramatypischen Parteifiguren à la Andy Scheuer, Sigmar Gabriel oder Rainer Brüderle.

Unsere lokalen Grün-Alternativen jedoch geben sich gerade wieder einmal größte Mühe, sich meine letzten Rest-Sympathien zu verscherzen. In ihrem aktuellen Faltblättle „Kauferinger Express“ reiten sie erneut auf ihrem Lieblingsthema „Tempo 30“ herum. Dabei vermischen sie dieses ideologisch-populistische Dogma mit anderen verkehrspolitischen Zielen zu einem ungenießbaren Brei, indem sie die „Leitlinie Verkehr“ unserer Gemeinde vorschieben. In dieser geht es insbesondere um Folgendes: Weiterlesen

Kleiner Backup-Guide für Mac-Nutzer

Aus gegebenem Anlass habe ich in den letzten einiges zum Thema Backup gelesen. Da viele Menschen darüber schreiben, ohne wirklich verstanden zu haben, was beim Anlegen von Sicherungskopien passiert, möchte ich hier kurz erklären, weshalb es für Mac-Nutzer kein Entweder-Oder geben sollte: TimeMachine, das serienmäßige Backup-Programm, ersetzt kein per SuperDuper erzeugtes 1:1-Abbild der Mac-Volumes, und auch umgekehrt nicht. Ich verwende beides – und zwar jeweils doppelt.

  1. TimeMachine ist praktisch, um stündlich den jeweiligen Zwischenstand für Datei-Wiederherstellungen zu sichern. Um ein komplett abgemurkstes System zu rekonstruieren, ist es allenfalls die Ultima ratio. Weshalb? Ganz einfach: Die Software baut mitnichten exakt das neu auf, was man vorher hatte, sondern setzt bestimmte Programme unabhängig voneinander neu auf. Dabei kann nicht nur Apple Mail mit kleineren Überraschungen irritieren. Gravierender ist, dass kapriziöse, aber teuer gekaufte Software wie eine alte Adobe Creative Suite, wenn man Pech hat, ihren Lizenzschlüssel nicht wiederfindet.
  2. Externe Festplatten gehen kaputt. Bei mir war es so, dass die interne HDD sich als deutlich langlebiger erwies als die angestöpselte, obwohl die eigentlich viel weniger bewegt wird. Deshalb bin ich dazu übergegangen, zwei eigenständige TimeMachines – also keine logischen Laufwerke, sondern wirklich zwei getrennte physische Festplatten – abwechselnd zu nutzen. MacOS kann damit umgehen: Jede Platte wird nur alle zwei Stunden aufgerufen; sie bilden aber zusammen dennoch eine einzige virtuelle Zeitmaschine. Dass beide Geräte gleichzeitig den Geist aufgeben, ist nicht anzunehmen, vor allem wenn man zwei unterschiedliche Fabrikate nimmt (ich habe eine Seagate und eine WD). Geht eine kaputt, hat man immer noch eine höchstens zwei Stunden alte Kopie des Datenbestandes der internen Platte.
  3. SuperDuper ist ein Klassiker, der zwar nicht die Fähigkeit besitzt, stündliche Backups automatisch anzulegen, dafür Smart Updates beherrscht: Bei jedem Durchlauf wird das aktualisiert (hinzugefügt, gelöscht, überschrieben), was sich seit dem letzten Sicherungslauf geändert hat. Das über USB angeschlossene Backup des Startvolumes ist bootfähig und kann wiederum 1:1 auf eine frisch formatierte interne Platte kopiert werden, die dann ihrerseits auch wieder vom Fleck weg bootfähig ist. Egal ob die innere HDD oder SSD crasht, durch Ungeschicklichkeit neu aufgebaut oder gegen eine größere ersetzt werden muss, man ist immer so schnell und mühelos wie möglich wieder auf dem alten Stand. Bei TimeMachine ist das nicht in jedem Fall gewährleistet.
  4. Auch diese Rückfallebene kommt nicht ohne Netz und doppelten Boden aus. Es ist zweitrangig, ob man mit SuperDuper täglich, an bestimmten Wochentagen oder wöchentlich das Backup aktualisiert, aber man sollte es ebenfalls mit zwei physisch getrennten Platten machen. Eine davon hat man im Arbeitszimmer, die andere in einem anderen Gebäude. Schließlich kann es ja sein, dass ein Hausratschaden eintritt, wie man ihn aus dem Kleingedruckten der Police kennt – Einbruch, Überspannung, Wasserrohrbruch in der darüberliegenden Wohnung oder gar Feuer (von Malware reden wir jetzt mal besser nicht). Die beiden Exemplare wechselt man am besten im Wochenrhythmus aus. Dann hat man im allerschlimmsten Notfall nur eine Woche für den Papierkorb gearbeitet. Wenn überhaupt: Die aktuellen Projekte, an denen man arbeitet, kann man zusätzlich auf einer SD-Karte oder in der Cloud sichern.

Wer mich jetzt für einen paranoiden Sicherheitsfanatiker hält, dem sei gesagt, dass die heutigen Festplatten zwar gigantische Datenmengen aufnehmen, wenig Strom fressen, außerdem leise und billig sind, aber leider nicht so robust, wie wir das gerne hätten. Bei mir haben sich neulich innerhalb von acht Tagen zwei Stück verabschiedet, obwohl ich sie nicht einmal grob angeschaut, geschweige denn angefasst hätte.

P.S.: Verschlüsseln der externen Platten nicht vergessen!