Tichys Austick

Jens Twiehaus von Turi2 hat den Xing-Mitarbeiter und Vorstandsvorsitzenden der Ludwig-Erhard-StiftungRoland Tichy, videointerviewt und dabei auch auf die Aktion #keingeldfürrechts angesprochen. Tichy schimpft in dem Gespräch wie ein Rohrspatz über den angeblichen Boykottaufruf des Berliner Werbemanagers Gerald Hensel, der zum Jahresende bei der Agentur Scholz & Friends gekündigt hat. Zitat aus der ungeschnittenen Fassung (ab 13min 56sec):

„Sowohl das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen wie das Kartellgesetz wie auch das Medien…, wie die Presse…, wie das Presserecht untersagt Boykott.“

Das unsouveräne Gestotter wirft in doppelter Hinsicht ein seltsames Licht zurück auf Tichy, der sich mit seinem Projekt „Tichys Einblick“ heute alle Mühe gibt, Leser zu bespaßen, denen die CDU zu linkslastig geworden ist und die wohl allesamt entsetzt wären, wenn sie wüssten, dass ihr Leib-und-Magen-Polemiker in einem früheren Berufsleben die grandiose Wirtschaftswoche-Titelgeschichte „Ausländer rein!“ und ein gleichnamiges Buch geschrieben hatte. Weiterlesen

Vollidiot missbraucht Postboten zum Cyberstalking

Vorige Woche bekam ich Post von einem Dirk aus Vlotho – ein C4-Umschlag mit der Dezember-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Euro. Der Absender wünschte mir viel Spaß beim Lesen. Diese Woche bekam ich die gleiche Post, nur war der Absender ein Reinhard aus München.

Inzwischen ergab eine Rückfrage bei diesem Dirk (Namensvetter eines seriösen, im Südwesten der Republik tätigen Pressesprechers, was die anfängliche Verwirrung noch vergrößerte), dass er das Heft bei eBay versteigert und schon vor der Bezahlung abgeschickt hatte. Der Auktionssieger benutzte  meinen Namen und meine Adresse, nur der User Account hieß anders als mein echter. Es war ein furchtbar lustiges Wortspiel mit meinem Namen. Haha.

Ich hätte jetzt nichts dagegen, wenn irgendwer Dinge für mich ersteigert, die ich gebrauchen kann, sofern er sie auch bezahlt. Dummerweise brauche ich dieses Heft nicht, schon gar nicht doppelt, und das Bezahlen scheint mein selbst ernanntes Alter ego auch vergessen zu haben.

Keine Ahnung, was dieser geisteskranke Mensch im Schilde führt und was womöglich noch auf dem Postweg ist. Klar ist aber, dass er sich strafbar gemacht hat. Solche Fälle von Identitätsfälschung kommen immerhin so häufig vor, dass ebay für Betroffene eine fertige Anleitung bereithält, der zu entnehmen ist, dass es sich um Verstöße gegen § 269 StGB handelt.

Da der Vollidiot, der solche Aktionen für lustig hält, hier wahrscheinlich mitliest: Die Strafanzeige ist erstattet, die Rechtsabteilung von ebay eingeschaltet. Ich bin ich solchen Dingen humorlos. Unbeteiligte Dritte Leute zu schädigen, nur um mich zu ärgern, geht gar nicht – selbst wenn es nur um ein paar Euros geht.

Allen netten Leuten, die meinen, ich hätte bei ebay etwas ersteigert, das sie anbieten, sei gesagt: Ich zahle schnell – und möchte nicht, dass sie etwas zur Post geben, bevor sie das Geld haben. Seien Sie bitte bei jedem anderen vermeintlichen Käufer, dessen wahren ebay-Namen sie noch nicht kennen, ebenso vorsichtig, auch wenn die Person nachweislich existiert und genauso vertrauenswürdig erscheint wie ich.

Erst Geld, dann Ware, ohne Ausnahme!

Spam Designed in Germany


Wer sich über deutschen Spam wundert, der scheinbar von englischen Briefkastenfirmen kommt, kann bei der Spurensuche durchaus bei großen Namen der einheimischen Werbebranche landen. In diesem Fall bei einem gewissen Dirk S. Hier das Werkstattprotokoll einer Recherche zu dem, was infamerweise als „Permission-based Marketing“ dargestellt wird.

Über den Ortsnamen Bad Sachsa könnte man billige Witze machen, aber erstens liegt das Nest gar nicht im eigentlichen, sondern in Nieder-Sachsen, und zweitens haben die meisten Kurorte die Aussprache „bäd“ eh nicht verdient. Pretty bad, my dear friends, sind aber die Aktivitäten eines in Bad Sachsa tätigen Unternehmers, der sich selbst der Digitalmarketingbranche zurechnet. Auf ihn stieß ich nämlich, als ich mir den Spam näher anschaute, der sich in letzter Zeit vermehrt durch den Filter meines GMX-Mailaccounts mogelte. Der Mann heißt Stefan Appenrodt und ist zunächst einmal Chef eines Unternehmens namens Adigma (Abkürzung für „Agentur für digitales Marketing“). Auf der Website desselben gibt es einen Menüpunkt „Adressgewinnung“, und dort erfährt das geneigte Publikum, wie Adigma früher selbst gearbeitet hat:

„Adressgenerierung durch intelligentes Gewinnspielsponsoring
Aufgrund der zunehmenden rechtlichen Problematik, wird diese Dienstleistung von uns nicht mehr angeboten!“

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Nu mal langsam, Herr Steingart!

Gestern abend saß Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart noch bei Sigmund Gottlieb in der Münchner Runde und gab den Amerika-Experten, der die Amerikaner besser versteht als sein verzweifelt um Gehör kämpfender Nachbar Ron Williams. Heute morgen ließ Steingart – quasi zum Nachlesen – sein Morgen-Briefing verschicken, in dem er folgende Analyse feilbietet:

Die großen Heilsversprechen der Moderne – Globalisierung, Digitalisierung und die Bildung multikultureller Gesellschaften – überfordern eine Mehrheit der Bürger, überall im Westen.

Der Welthandel schafft Wohlstand, aber nicht für alle. Der Börsenkapitalismus lässt die einen zu den Sternen aufsteigen, derweil andere den sozialen Absturz erleben. Die Digitalisierung gibt jedem eine Stimme, aber zugleich entwertet sie die menschliche Arbeitskraft. Man muss kein Marxist sein, um zu verstehen, dass ökonomische Prozesse dieser Wucht Folgen für den politischen Überbau haben. Disruption ist für die Wirtschaftselite ein Modewort und für den Rest der Menschheit eine Bedrohung. Albert Camus: „Was ist ein Mensch in der Revolte? Ein Mensch, der Nein sagt.“

Halt mal. Langsam. Globalisierung, Digitalisierung und Multikulti-Gesellschaften in einem Atemzug, und diese drei „Heilsversprechen“, so es denn welche sind, überfordern überall im gesamten Westen die Mehrheit der Bürger? Der Gedankengang überfordert jetzt mich.

Globalisierung dürfte in der öffentlichen Wahrnehmung noch nie ein Heilsversprechen gewesen sein. Oder warum sonst assoziiert das Gehirn spontan das Suffix -skritiker, wenn es die ersten Silben wahrnimmt?  Weiterlesen

Stop and go in Kaufering

Ich wohne ja sehr gerne in Kaufering. Noch nie habe ich irgendwo länger gewohnt, nicht einmal in München. Die Gemeinde Marktgemeinde bietet eine Lebensqualität, um die uns viele Menschen beneiden würden. Bis vielleicht auf das lahme Internet – unser Ortsnetz soll jetzt immerhin bis Ende 2017 per Telekom-Remonopolisierung (Vectoring) auf das Bandbreitenniveau gehoben werden, das Großstädter und Bewohner umliegender Kuhdörfer landwirtschaftlich geprägter Gemeinden im Umland schon lange genießen – und die Verkehrsregelung.Kauferinger 30-Zone Weiterlesen