Die Post im Online-Takt


Strategie – Die E-Business-Holding der Deutschen Post beschleunigt den Wandel der trägen Behörde zur modernen Dienstleister-AG. 

Als der fortschrittsgläubige CDU-Minister Christian Schwarz-Schilling anno 1989 stolz verkündete, die äußerst träge Behörde Deutsche Bundespost werde nun in drei privatwirtschaftlich geführte Unternehmen aufgespalten, galt die profitable Telekom mit ISDN und Kabel-TV als Perle.

Die Postbank hatte immerhin den Ruf, solide zu ein. Die behäbige „gelbe Post“ war das Sorgenkind, das durch ein möglichst langfristiges Briefmonopol vor der rauen Wirklichkeit des Wettbewerbs geschützt werden müsse.

Folgen der Postreform

Die Realität heute: Das Postministerium ist wegrationalisiert, der Reformer Schwarz-Schilling berät heute als Consulter den Telekom-Konkurrenten Telegate; die Postbank war alleine nicht lebensfähig und wurde von ihrer großen Schwester adoptiert; Telekom-Chef Ron Sommer zählt trotz Fax-, Handy- und Internet-Boom täglich seine Sorgen. Dafür steht Post-Sanierer Klaus Zumwinkel – ein ehemaliger McKinsey-Mann – weitaus besser da, als es zu Zeiten der Postreform irgendwer für möglich gehalten hätte. Weiterlesen

Mehr Click und weniger Mörtel


INTERVIEW MARTIN RAAB, LEITENDER E-BUSINESS-STRATEGE DER DEUTSCHEN POST, WILL DIE KUNDEN STÄRKER ONLINE BEDIENEN.

Der 40·jährige Ludwigsburger leitete vom August 1997 an die Konzernentwicklung der Deutschen Post AG. Seit Juni 2000 führt er die Geschäfte der Deutsche Post E-Business GmbH. Von 1991 bis 1997 arbeitete der promovierte Volkswirt als Berater bei McKinsey. Dort konzentrierte er sich auf die Bereiche Finanzdienstleistungen, Konsumgüterindustrie und Logistik. Weiterlesen

Die virtuelle Fotogalerie


Fotoagenturen – Der digitale Bildervertrieb ist auf dem Vormarsch, hat aber Kinderkrankheiten.

Adressen sagen manchmal einiges aus. Das 30-köpfige Team des Startups Vividia, einer Internet-Bildagentur, sitzt im Gewerbegebiet des nicht gerade angeagten Münchner Vororts Puchheim. Ein Standort Marke No-Name. Ganz ander die Prinzregentenstraße 89 in München: eine Premium-Anschrift mit hohem Markenwert. Selbst Nordlichter assoziieren die Nachbarschaft zum „Käfer“ und dem „Prinzregententheater“. Hier residiert Joachim Soyka, der in Ehren ergraute deutsche Repräsentant des Dia-Großverleihers „The Image Bank“.

Gemessen an der minimalästhetischen Behausung von Vividia wirkt das Hochparterre in Downtown wie eine Fotogalerie, in die jemand Schreibtische hineingezwängt hat. Der größte Fremdkörper in dem gründerzeitlichen Gemäuer ist der Arbeitsplatz von IT-Administrator Tim Pidun: ein Technik-Leitstand voller Computer, wuchtiger Monitore, Scanner, CD-Rom-Jukeboxen und Kommunikationsequipment. Weiterlesen

Könige ohne Land


Bertelsmann – Wie ein virtuelles Unternehmen geht der Gütersloher Medienriese den E-Commerce an – ohne Befehle von oben.

Multimedia ist in Gütersloh kein Thema mehr. Online, offline: Das ist nach der neuen Philosophie von Thoma Middelhoff einerlei. Der einstige New-Economy-Propagandist auf dem Chefsessel der Bertelsmann AG will Profite sehen. Wie Manageridol Jack Welch von General Electric wünscht er sich einen Konzern, der mit allen seinen Aktivitäten die Nummer eins oder zwei auf dem Markt ist. Hat eine Tochter keine Chance, eine führende Position in ihrem Metier zu ergattern, bläst der Boss zum Zapfenstreich.

Soeben kam das nicht gerade von (An-)Bietern überrannte Auktionshaus Andsold selbst unter den Hammer – wenn es auch eher eine Reverse Auction wurde: Die Versteigerungsexperten von Ebay drückten das Mindestgebot für den Bertelsmann-Anteil immer weiter abwärts. Weiterlesen

Viele Davids gegen Goliath


Food. Versandriese Otto verschickt jetzt auch Lebensmittel. Lokale Anbieter haben jedoch Vorteile.

 

Feierabend irgendwo in der deutschen Provinz, kurz vor Beginn der Tagesschau: Ein hellblauer Kleinlaster fährt vor – der Otto-Bote Hermes. Aber er bringt keine Klamotten, sondern Speis und Trank: Ölsardinen, Cornflakes, Rotkäppchen-Sekt, Apfelsaft, alle bequem bestellt über Internet.

Neu ist die Idee nicht, die Versandhauschef Michael Otto kürzlich als „Supermarkt-Service“ in die Tat umgesetzt hat. Im vergangenen Jahr hatte das Augsburger Startup Direktkauf mit einem ähnlichen Sortiment aus haltbaren, abgepackten Markenprodukten versucht, das Lebensmittel-Homeshopping auf dem flachen Land populär zu machen. Inzwischen sind von dem Unternehmen nur noch Myriaden toter Links in Suchmaschinen übrig: Homepage-Adressen unbedarfter Nebenerwerbs-Online-Händler, die auf das dubiose Strukturvertriebsmodell von Direktkauf-Gründer Thomas Reichart hereingefallen waren. Weiterlesen