Handykosten höher als das Matterhorn

Kürzlich waren wir in der Ostschweiz. Ein österreichischer Interviewpartner rief netterweise zurück. Darum kostete mich das die EU-Grenze überschreitende Gespräch „nur“ 69 Cent pro Minute. Hätte ich ihn angerufen, hätte mir die Telefongesellschaft Simyo (eigentlich ein Discount-Anbieter) im Minutentakt 1,49 Euro abgeknöpft.

Wenn das Telefonat auch nur ein bisschen länger gedauert hätte, wäre es rentabel gewesen, sich ins Auto zu setzen und ein paar Kilometer nach Osten zu fahren, bis das österreichische Netz auf dem Display erscheint. Ich hätte nicht einmal ein Viertel der Handykosten gehabt.

Auch Google Maps, das ich aus Gewohnheit unbedacht nutzte, dürfte ein teures Vergnügen gewesen sein, denn das Megabyte kostet bei Simyo in Deutschland 24 Cent, in EU-Staaten wie Österreich 1,90 Euro und in der Schweiz 4,80 Euro. Zudem werden pro Zugriff nicht mindestens 10, sondern 100 Kilobyte abgerechnet. Kostet eine winzige Datenaktualisierung in Deutschland deshalb gar nichts (0,24 Cent werden abgerundet), berappt man für diesen Knopfdruck, wenn er in der Schweiz stattfindet, 48 Cent: Wenn 10 Kilobyte jenseits der eidgenössischen Grenze genauso hoch zu Buche schlagen wie volle zwei Megabyte, also 2000 Kilobyte, diesseits, dann ist das meinen bescheidenen mathematischen Kenntnissen zufolge der 200-fache Preis.

Genau nachvollziehen kann ich die Schnitte in meinen Geldbeutel noch nicht. Seit dem 5. September hat es Simyo nicht mehr geschafft, meine Einzelverbindungsübersicht zu aktualisieren. Laut Meldung auf der „Mein Simyo“-Seite suchen die Techniker noch nach einer Lösung des Problems. Aber die Abrechnungen sollen selbstverfreilich korrekt sein:

Was eine Glaubensfrage ist: Woher wissen die Spezialisten das?

Das einzige, was es zur Ehrenrettung Simyos zu sagen gibt: Die anderen Discounter, deren Roaming-Tarife ich mir mittlerweile angesehen habe, sind auch nicht fairer. Ein einziger Konkurrent verlangt 1,29 statt der branchenüblichen 1,49 für abgehende Gespräche aus Nicht-EU-ropa nach Hause, berechnet aber die erste angefangene Minute voll, während andere Anbieter teilweise schon nach 30 Sekunden gnädig auf den Sekundentakt umschalten. Congstar, die Telekom-Tochter, langt noch kräftiger hin: Wer angerufen wird, muss 99 Cent für die angefangene Minute blechen. Das ist 43 Prozent teurer als die eh schon un-billigen Angebote der anderen. Allenfalls kann man auf das „Reiseversprechen“ des Netzbetreibers Vodafone vertrauen. Dieses für meine Zwecke mit Abstand günstigste Angebot, das ich finden konnte, erkauft man aber mit um zwei Drittel höheren Minutenpreisen für innerdeutsche Telefonate (15 gegenüber 9 Cent, nur Anrufe zu Vodafone-Kunden sind billiger).

Ich empfehle daher Schweiz-Reisenden (gilt auch für USA und Türkei) entweder eine zweite SIM-Card, deren Rufnummer man ja auf seinem Anrufbeantworter hinterlassen kann („Lieber Anrufer, vorübergehend erreichen Sie mich nur unter folgender Nummer…“) oder Ferienquartiere mit Festnetz-, noch besser DSL-Anschluss. Dann wird eben über Skype, Sipgate oder einen anderen Voice-over-IP-Anbieter telefoniert.

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