Das hat das Revier nicht verdient

Wenn man wie ich an der Ruhr aufgewachsen ist, blättert man natürlich ein Heftchen durch, das den Titel „RUHR.2012“ trägt und einem aus der Zeitung entgegenpurzelt – auch wenn der Untertitel „Das Magazin der Metropole Ruhr“ das Schlimmste ahnen lässt. Ein Fluss kann ja keine Metropole sein.

Leider erfüllt der Inhalt die Ahnung. Betulich-zeilenschinderische Texte, die mit „Content“ noch liebevoll umschrieben sind, stehen neben platten Werbeparolen und Bildunterschriften aus der Mottenkiste. Pars pro toto möchte ich nur dieses Beispiel herausgreifen, das aus einem Beitrag über einen „Nostalgie-Trip mit dem Roten Brummer“ stammt – eine „Schienenkreuzfahrt“ mit dem Uerdinger Schienenbus, den ich aus meiner Kindheit kenne:

aus "Ruhr.2012"

Neu? Wo ist hier etwas neu?

Eine solche Bildzeile hat das Foto des Essener Fotografen Ralph Lueger wirklich nicht verdient. Die Lok auf dem Viadukt ist unverkennbar ein Exemplar der Diesel-Baureihe 218. Anno 1968, als die Bundesbahn diese Lokomotive einführte, hätte die Zeile gepasst, denn der Schienenbus VT 95 wurde bis 1958 gebaut. In der Jetztzeit eine zwischen 33 und 44 Jahre alte Lok als „neu“ zu bezeichnen, ist für den Stil dieses aus der Zeit SZ gefallenen Heftchens leider typisch.

Auftraggeber ist der „Regionalverband Ruhr“, ein kommunaler Zweckverband, der früher „Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk“ hieß. Die Essener Agentur, die sich für diese Papiervergeudung anschauen lassen muss, wirbt für sich so:

„Kennzeichnend für unsere Arbeitsweise ist das Zusammenspiel aus Kreativität, redaktionellem Know-how und strategischer Planung. Kurz: Wir bieten komplette Lösungen aus einer Hand, maßgeschneidert und nicht von der Stange. Dabei behalten wir die Bedürfnisse unserer Auftraggeber immer im Blick, denn: unser Ziel ist das bestmögliche Ergebnis für unsere Kunden.“

Wenn es wirklich nicht besser geht, steht es schlimm um meine frühere Heimat.

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Ein Gedanke zu „Das hat das Revier nicht verdient

  1. Was erwartest Du von einem Laden, der vor allem damit auffiel, Fritz Pleitgen mit noch mehr als 400.000 € im Jahr zu locken, damit der endlich den Intendantenposten aufgibt und dafür so tolle Ideen hat wie die, daß die Loveparade unbedingt ins Ruhrgebiet muß…

    Da laß die lieber ein paar dämliche Heftchen schreiben.

    Vielleicht zeigen sie ja auch wieder den Englischen Garten in München als „NRWs schönsten Biergarten“ 😀

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