VG Wort: Verleger-Briefe verwirren Autoren


Aus gegebenem Anlass ein paar inoffizielle Anmerkungen von mir für Autoren, die derzeit Post von ihren Verlagen mit dem Betreff Verzicht auf Rückabwicklung zu Gunsten von Verlagen erhalten:

  1. Wenn Sie auf die Rückzahlung des Verlagsanteils aus den Jahren 2012 bis 2016, der laut BGH-Urteil Ihnen zugute kommen würde, verzichten möchten, senden Sie bitte die Erklärung, die der Verlag Ihnen geschickt hat, an die VG Wort – oder tragen Sie im TOM-Portal die Karteinummer des Verlags ein. Ihre Antwort sollte auf gar keinen Fall an den Verlag geschickt werden, weil dies die Anonymität des Verfahrens unterlaufen würde. Die VG Wort behält die Information für sich, welche Autoren auf die Rückzahlung verzichten und welche nicht. Dies soll diejenigen Autoren schützen, die Anspruch auf die volle Ausschüttung erheben.
  2. Einzelne Buch- und Fachzeitschriftenverlage senden diese Briefe der Einfachheit halber allen Autoren, auch solchen, die in der fraglichen Zeit (Ausschüttungen ab 2012) gar nichts bei ihnen veröffentlicht haben. In solchen Fällen werfen Sie das Schreiben bitte einfach ins Altpapier oder stecken Sie es in den Reißwolf.
  3. Wenn Sie in den Jahren, für die zwischen 2012 und 2016 Tantiemen fällig waren, im betreffenden Verlag etwas veröffentlicht haben bzw. wenn auf einer Website, deren Texte über Metis vergütet werden, etwas von Ihnen erschienen ist, das in dieser Zeit die erforderlichen Mindestzugriffe erzielt hat, nehmen Sie sich bitte ein bisschen Zeit für die Entscheidung. Es gibt kleine Verlage, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen, wenn ihre Autoren allesamt auf der Rückabwicklung bestehen (also auf das Schreiben nicht reagieren). Große Verlage wie Bertelsmann/Random House oder Holtzbrinck können das Vogel-Urteil verschmerzen; sie lösen dafür Rückstellungen auf (die die Kleinen natürlich auch gebildet haben müssten, aber…).
  4. Für die Zukunft der VG Wort als Verwertungsgesellschaft, die Rechte von Autoren und Verlagen gemeinsam wahrnimmt, ist Ihre aktuelle Entscheidung – Verzicht oder nicht für die vergangenen Jahre – von sekundärer Bedeutung. Wirklich entscheidend wird sein, was die Mitgliederversammlung am 20. Mai in München beschließt. Der Gesetzgeber hat in den Paragrafen 27 und 27a des Verwertungsgesellschaftengesetzes (VGG) geregelt, dass Verleger jetzt wieder beteiligt werden dürfen. Der Mitgliederversammlung obliegt die Entscheidung, in welcher Höhe sie in Zukunft in den Fällen nachträglich beteiligt werden, in denen der Autor sich damit einverstanden erklärt. Realistisch betrachtet werden sich Autoren- und Verlagsseite auf einen fairen Deal einigen müssen. Weder gibt es einen Weg zurück zum früheren Status quo, bei dem den Fachverlagen die Hälfte des Geldes zustand, noch lässt sich die VGG-Novelle ignorieren. Es ist ja Fakt, dass nicht nur uns, sondern auch unseren Auftraggebern beziehungsweise Geschäftspartnern durch das Kopieren unserer Werke Einnahmen entgehen. Aber die Verhältnismäßigkeit sollte gewahrt werden.

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Das Märchen vom Geldverdienen mit Online-Essen

Mehr als 15 Jahre ist es her, dass ich das erste Mal über den LEOH geschrieben habe, den Lebensmittel-Onlinehandel. Schon damals konnte man haltbare Spezialitäten – etwa Kaffee, Tee, Gewürze – im Internet bestellen. Was nie richtig ans Laufen kam, waren Vollsortiments-Angebote. Wer sich im LEH (Lebensmittel-Einzelhandel) auch nur ein bisschen auskennt, weiß: Im Netz lässt sich ein normaler Supermarkt nicht mit vertretbarem Aufwand 1:1 abbilden. Das Sortiment an industriell konfektionierten Markenartikeln mag zwar leicht zu handhaben sein, der USP jedes guten Ladens ist jedoch seine abwechslungsreiche Auswahl an frischen Produkten, die entweder nach Marktlage zu Tagespreisen eingekauft werden wie Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch, oder den regionalen Vorlieben angepasst sein müssen wie das Käsesortiment oder Brot und Kuchen von regionalen Bäckereien. Selbst wenn diese nur 20 Prozent des Umsatzes beisteuern, verursachen sie gewiss mehr als 80 Prozent des Aufwands für die Pflege der Produktdatenbank.

Vor allem ist bei Frischware Out-of-Stock keine Seltenheit: Wenn Kopfsalat aus ist oder nur noch ein paar welke Exemplare in der Kiste gammeln, kommt frühestens am nächsten Morgen Nachschub. Der Präsenzkunde greift in so einem Fall vielleicht zur Endivie oder zum Eisbergsalat, achtet aber auch dabei auf Frische, Größe und Preis. Der Onlinekunde kann nicht wissen, ob er überhaupt den Salat bekommt, den ihm der Markt mit einem perfekten Symbolfoto schmackhaft gemacht hat. Das Warenwirtschaftssystem, das zwischen ihm und der Ware vermittelt, kennt nun einmal nicht den Zustand der noch nicht abverkauften Salatköpfe und sieht nicht, ob die Bananen grasgrün, schön gelb oder braungesprenkelt sind. Kommt die Lieferung nicht aus einem Logistikzentrum, sondern aus einem normalen Supermarkt mit Publikumsverkehr, kann auch jedes abgepackte Frischprodukt vergriffen sein. Welche der acht Sorten Milch oder 30 Sorten Jogurt soll es dann sein?

Aus diesem Grund begnügen sich Supermärkte – auch dann, wenn sie so tun, als böten sie ein Vollsortiment an – im Netz grundsätzlich mit einer geringeren Sortimentsbreite und -tiefe als in ihren Filialen. Nur lagerfähige Schnelldreher, die das Kernsortiment bilden und deshalb ständig hinreichend bevorratet sind, dürfen in den Onlineshop.

Das erkläre man mal meinen Kollegen, die zwar über diese Thematik schreiben, sich ihr Branchenwissen aber nicht als mitdenkende Verbraucher oder mittels eigener Handelserfahrung angeeignet haben, sondern in Gesprächen mit Managern und Unternehmensberatern. Sprich: die wiedergeben, was jene sich am grünen Tisch ausgedacht haben, um den LEOH endlich aus der Nische zu holen.  Weiterlesen

Tichys Austick

Jens Twiehaus von Turi2 hat den Xing-Mitarbeiter und Vorstandsvorsitzenden der Ludwig-Erhard-StiftungRoland Tichy, videointerviewt und dabei auch auf die Aktion #keingeldfürrechts angesprochen. Tichy schimpft in dem Gespräch wie ein Rohrspatz über den angeblichen Boykottaufruf des Berliner Werbemanagers Gerald Hensel, der zum Jahresende bei der Agentur Scholz & Friends gekündigt hat. Zitat aus der ungeschnittenen Fassung (ab 13min 56sec):

„Sowohl das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen wie das Kartellgesetz wie auch das Medien…, wie die Presse…, wie das Presserecht untersagt Boykott.“

Das unsouveräne Gestotter wirft in doppelter Hinsicht ein seltsames Licht zurück auf Tichy, der sich mit seinem Projekt „Tichys Einblick“ heute alle Mühe gibt, Leser zu bespaßen, denen die CDU zu linkslastig geworden ist und die wohl allesamt entsetzt wären, wenn sie wüssten, dass ihr Leib-und-Magen-Polemiker in einem früheren Berufsleben die grandiose Wirtschaftswoche-Titelgeschichte „Ausländer rein!“ und ein gleichnamiges Buch geschrieben hatte. Weiterlesen

Wer verspottet hier eigentlich die Urheber?


Kaum hatte der Bundestag vorige Woche die Änderungen des Urhebervertragsrechts und der Verwertungsgesellschaftengesetzes beschlossen, war Martin Vogel bereits mit seiner Einschätzung auf dem Markt der Meinungen. Wer diese Schnelligkeit auch von mir erwartet, den muss ich leider enttäuschen.

Martin Vogel hat es gut. Er muss nicht vom Verkauf seiner Texte leben. Nach Jahrzehnten im Öffentlichen Dienst ist der Jurist prima versorgt und hat Zeit, zu schreiben, wann und was immer er mag. Der Münchner Unruheständler brauchte sich nicht einmal in IT-Kram wie WordPress einzuarbeiten, um seine Texte online zu verbreiten. Die Mühe nimmt ihm „Perlentaucher“-Betreiber Thierry Chervel ab. Die „Essays“, in denen sich Vogel unsere* Köpfe mal zerbricht, mal sie uns zu waschen versucht, mal sie fordert, könnte man auch anders nennen – nämlich „PR in eigener Sache“. Es kann als sicher gelten, dass der Rechtsgelehrte nicht schreibt, weil ihn der Perlentaucher mit üppigen Honoraren dazu überredet hätte. Auch von der VG Wort hat Vogel keine erwähnenswerte Ausschüttung zu erwarten, denn Chervels Website nimmt an der METIS-Zugriffszählung nicht teil.

„Verspottung der Urheber“ heißt die neueste Perle, nach der der eifrige Feuilleton-Webcrawler Chervel nicht zu tauchen brauchte; sie erschien am vorigen Samstag. Vogel nimmt darin das erst am Vor-Vorabend verabschiedete „Gesetz zur verbesserten Durchsetzung des Anspruchs der Urheber und ausübenden Künstler und zur Regelung von Fragen der Verlegerbeteiligung“ zum Anlass, wieder einmal Unterstellungen, Mutmaßungen und Behauptungen hinsichtlich der Rolle, des Einflusses oder gar der Macht der Autorenverbände in die Welt zu setzen. Weiterlesen

Vollidiot missbraucht Postboten zum Cyberstalking

Vorige Woche bekam ich Post von einem Dirk aus Vlotho – ein C4-Umschlag mit der Dezember-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Euro. Der Absender wünschte mir viel Spaß beim Lesen. Diese Woche bekam ich die gleiche Post, nur war der Absender ein Reinhard aus München.

Inzwischen ergab eine Rückfrage bei diesem Dirk (Namensvetter eines seriösen, im Südwesten der Republik tätigen Pressesprechers, was die anfängliche Verwirrung noch vergrößerte), dass er das Heft bei eBay versteigert und schon vor der Bezahlung abgeschickt hatte. Der Auktionssieger benutzte  meinen Namen und meine Adresse, nur der User Account hieß anders als mein echter. Es war ein furchtbar lustiges Wortspiel mit meinem Namen. Haha.

Ich hätte jetzt nichts dagegen, wenn irgendwer Dinge für mich ersteigert, die ich gebrauchen kann, sofern er sie auch bezahlt. Dummerweise brauche ich dieses Heft nicht, schon gar nicht doppelt, und das Bezahlen scheint mein selbst ernanntes Alter ego auch vergessen zu haben.

Keine Ahnung, was dieser geisteskranke Mensch im Schilde führt und was womöglich noch auf dem Postweg ist. Klar ist aber, dass er sich strafbar gemacht hat. Solche Fälle von Identitätsfälschung kommen immerhin so häufig vor, dass ebay für Betroffene eine fertige Anleitung bereithält, der zu entnehmen ist, dass es sich um Verstöße gegen § 269 StGB handelt.

Da der Vollidiot, der solche Aktionen für lustig hält, hier wahrscheinlich mitliest: Die Strafanzeige ist erstattet, die Rechtsabteilung von ebay eingeschaltet. Ich bin ich solchen Dingen humorlos. Unbeteiligte Dritte Leute zu schädigen, nur um mich zu ärgern, geht gar nicht – selbst wenn es nur um ein paar Euros geht.

Allen netten Leuten, die meinen, ich hätte bei ebay etwas ersteigert, das sie anbieten, sei gesagt: Ich zahle schnell – und möchte nicht, dass sie etwas zur Post geben, bevor sie das Geld haben. Seien Sie bitte bei jedem anderen vermeintlichen Käufer, dessen wahren ebay-Namen sie noch nicht kennen, ebenso vorsichtig, auch wenn die Person nachweislich existiert und genauso vertrauenswürdig erscheint wie ich.

Erst Geld, dann Ware, ohne Ausnahme!