Ehrenamt ist, wenn man’s trotzdem macht

Der vorige Samstag war einer dieser Tage, an denen man ins Grübeln kommt, warum man sich ein Ehrenamt ans Bein bindet, das aus der Perspektive eines Freiberuflers ein herbes Verlustgeschäft ist. Während meine Frau den wunderbaren Spätsommertag mit einer befreundeten Familie am Ammersee genoss, hockte ich im großen Saal des Münchner Hofbräukellers und ließ die außerordentliche Mitgliederversammlung der Verwertungsgesellschaft Wort über mich ergehen. Falls es jemand nicht wissen sollte: An solchen Sitzungen nehmen wir Mitglieder des Verwaltungsrats als ganz normale Vereinsmitglieder teil. Wir erhalten keinen Cent Sitzungsgeld und die Reisekosten erstattet uns die VG Wort auch nicht. An diesem 10. September hätten wir uns Schmerzensgeld verdient. Es war ein Treffen, auf dem sich einige Neumitglieder in einer Weise gebärdeten, dass sich Tischnachbarn von mir an Auftritte der K-Gruppen in politischen Seminaren in den Siebzigern erinnert fühlten. Am Ende war es ein vertaner Tag. Wir haben nichts Falsches beschlossen, sondern gar nichts. Der Verein ist gelähmt, er kann Millionen nicht eintreiben und nicht verteilen. Seinen Geschäftsführern wurden einstweilen die Hände gebunden.

Früher verliefen solche Treffen in einer kollegialen Atmosphäre. Sie waren eher ermüdend als strapaziös, weil bei solchen Vereinen viele Entscheidungen eines formellen Beschlusses durch den Souverän bedürfen, aber selten größeren Konfliktstoff bergen. Das hat sich bekanntlich geändert, seit der Jurist Martin Vogel vor nunmehr fünf Jahren die VG Wort auf Auszahlung des seiner Rechtsauffassung nach unrechtmäßig Weiterlesen

BJV 2014: „BJFrau“ und das eigentliche Problem dahinter

Der Bayerische Journalisten-Verband hat bereits einen sehr großen Landesvorstand. Der wird jetzt – trotz kräftig sinkender Mitgliederzahl – noch größer. Statt 26 sitzen künftig 27 Menschen im Konferenzsaal in der St.-Martin-Straße in Giesing beieinander. Damit haben wir nun drei Entscheider mehr als der DJV-Gesamtvorstand mit seinen 24 Stimmberechtigten und vier mehr als der Verwaltungsrat der VG Wort, der nicht über ein Budget von 2,4 Millionen Euro, sondern eines von mehr als 100 Millionen Euro wacht. Immerhin sind wir von Düsseldorfer Verhältnissen weit entfernt: In den vierteljährlichen Gesamtvorstandssitzungen unserer Kollegen in NRW haben 39 Funktionäre volle und weitere 22 beratende Stimme.

Gelegenheiten, aneinander vorbeizureden und sich über echte oder vermeintliche Partikularinteressen in die Wolle zu kriegen, gab es in München jedenfalls schon bisher mehr, als dem Verband gut tat. Was Unternehmen längst begriffen haben, ignorieren wir geflissentlich: Je mehr Interessenvertreter mit unterschiedlichen Agenden in einer Runde sitzen, desto mehr leidet die Produktivität der Vorstandsarbeit. Wir haben dennoch am Samstag die Erweiterung beschlossen – mit überwältigender Mehrheit, um des lieben Friedens willen. Wir schaffen aber nur deshalb neue Pöstchen, weil wir keinen echten Umbau hinkriegen. Man kann das für absurd halten, für masochistisch oder nachgerade schizophren… tja, so sind wir wohl.

Immerhin haben wir auch für einen trostpflaströsen Versuch gestimmt, wenn schon nicht die Effizienz, so doch wenigstens den Output der Gremienarbeit zu steigern. Ab nächstem Jahr muss der Vorstand uns Mitgliedern jeweils im Mai ein Arbeitsprogramm vorlegen, dessen Umsetzung wir dank unserer Eigenschaft als Oberster Souverän dann wiederum ebendiesen Vorstandsmitgliedern (als Vertreter der von ihnen geleiteten Untergremien) aufs Auge drücken dürfen. Weiterlesen

Von Vorstandswahlen, Bussen, Putschisten und der Demokratie

Der Bayerische Journalisten-Verband ist ein Verein, der nicht viel Routine darin hat, Führungspersonal zu wählen. „Wählen“ im Gegensatz zu „wiederwählen“. Wenn die CDU ein Kanzler(innen)wahlverein ist, sind wir ein notorischer Wiederwahlverein. Abgesehen vom Schönhuber Franz unseligen Angedenkens hatte der Job eines 1. Vorsitzenden immer etwas Helmutkohlhaftes. Der gute alte Ernstl Müller-Meiningen „junior“ hat es so lange gemacht, dass sich keiner daran erinnert, wer vor ihm war (1951 bis 1971). Nach dem Ich-war-dabei-Schönhuber amtierte der legendäre Erich Geiersberger 15 Jahre (1977 bis 1992), Wolfgang Stöckel hat demnächst die 21 Jahre voll (wenn man ein Anfangsjahr als co-kommissarischer Chef mitzählt, sonst wäre er mit MM jr. zeitlich pari). Jetzt geht Stöckel aufs Altenteil und ergo die Aufregung los. Insgesamt zehn Posten stehen zur Wahl an.

Es könnte Kampfkandidaturen geben, wird geraunt. Kampfkandidaturen gegen Amtsinhaber gehören aber nicht zu unserer Tradition, Weiterlesen

SZ Bayern ist der Zeit voraus

Die Bayern-Redaktion der Süddeutschen kann es wohl gar nicht mehr erwarten, dass der BJV nach 21 Jahren einen neuen Chef bekommt. Noch ist aber Wolfgang Stöckel Erster Vorsitzender. Die Wahl seines Nachfolgers findet erst am 11. Mai in Aschaffenburg statt. Da dem Vernehmen nach niemand sonst den Job will, kann die Wahl seines Vizes Buschs allerdings als sicher gelten.

Buschaufstieg

BJV vs. Staatskanzlei: Besser nie als so spät

Ja, natürlich ist es eine Instinktlosigkeit sondergleichen von Staatsminister Thomas Kreuzer, dass er einen „Runden Tisch mit Vertretern führender deutscher Medien- und Internetunternehmen sowie Vertretern der Netz- und der Medienpolitik aus Land und Bund“ einberufen hat, ohne dass Journalistenvertreter mit dabei saßen. Es wäre auch okay gewesen, wenn der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) die Stimme derer gewesen wäre, ohne deren Arbeit die beteiligten Unternehmen gar keine Inhalte hätten, über die sie mit Kreuzer palavern können.

Nicht okay ist, dass der BJV eine ganze Arbeitswoche braucht, um gegen diese Frechheit zu protestieren. Vorigen Montag ging die Pressemitteilung der Staatskanzlei raus, die BJV-Reaktion am Freitag. Allerdings erwarte ich vom Vorstand meines Berufsverbandes eigentlich, dass er sich gar nicht erst zu empören braucht, weil er gute Kontakte zum „Medienminister“ pflegt. Für Kreuzer müsste der BJV so relevant sein, dass er ihn gar nicht vergessen kann. Wenn aber passiert, was passiert ist, hält man wohl besser die Klappe – und nimmt sich den Büroleiter des Staatsministers so zur Brust, dass er einen kein zweites Mal vergisst.

Nicht okay ist aber wohl auch, dass der BJV nichts von den Vorbereitungen mitbekommen hat, obwohl der Entschluss, dieses Treffen abzuhalten, bereits auf den Medientagen 2012 gefallen war. Was ist das denn für eine Lobbyarbeit?