Feuerfuchs, ick hör dir trapsen

Welch ein Pathos, welch großes Kino steckt in der heutigen Pressemitteilung der Mozilla-Stiftung:

„Die Non-Profit-Organisation Mozilla legt die Macht des Web zurück in die Hände der Benutzer und verkündet heute die Einführung von Firefox OS und Firefox Marketplace.“

Wie passt das aber zusammen mit folgenden Aussagen?

„Wir geben mit unseren Mobiltelefon-Produkten Mobilfunkbetreibern, Telefonherstellern und Entwicklern die Möglichkeit, die Beziehung zu ihren Kunden direkt zu verwalten, anzupassen und zu besitzen.“

„Stärken Sie Kundenbeziehungen

Schaffen Sie Ihre eigenen, einzigartigen, auf Marken angepasste Bereiche von Firefox für Android und Firefox-Marketplace für ein einnehmenderes Benutzererlebnis und um die Sichtbarkeit Ihrer Marke zu erhöhen.“

 

„Schaffen Sie neue Werte für sich und Ihre Anwender

Nutzen Sie Dienstangebote wie Firefox-Marketplace und WebRTC, um neue, plattformunabhängige Angebote zu erschaffen und direkte Abrechnung der Kunden einzurichten.“

Feuerfux-Telekom

Das heißt doch: Mozilla nimmt Apple und Google die Macht über den Kunden aus der Hand und gibt sie Telefonica und der Telekom zurück.

Handykosten höher als das Matterhorn

Kürzlich waren wir in der Ostschweiz. Ein österreichischer Interviewpartner rief netterweise zurück. Darum kostete mich das die EU-Grenze überschreitende Gespräch „nur“ 69 Cent pro Minute. Hätte ich ihn angerufen, hätte mir die Telefongesellschaft Simyo (eigentlich ein Discount-Anbieter) im Minutentakt 1,49 Euro abgeknöpft.

Wenn das Telefonat auch nur ein bisschen länger gedauert hätte, wäre es rentabel gewesen, sich ins Auto zu setzen und ein paar Kilometer nach Osten zu fahren, bis das österreichische Netz auf dem Display erscheint. Ich hätte nicht einmal ein Viertel der Handykosten gehabt.

Auch Google Maps, das ich aus Gewohnheit unbedacht nutzte, dürfte ein teures Vergnügen gewesen sein, denn das Megabyte kostet Weiterlesen

Nur 42 ct./min. aus dem Mobilnetz

Kaum vergehen ein paar Jahre, schon reagiert die Bundesschneckenpostnetzagentur auf die Realität. Seit heute heißen die so genannten "Geteilte-Kosten-Dienste", die unter 0180er-Vorwahlen angeboten werden, "Service-Dienste". Das ist zwar auch nicht unbedingt immer wahr, aber längst nicht mehr so verlogen wie der alte Name, so dass das immerhin ein Fortschritt ist. Weiterlesen

Congstar schützt meine Daten – vor mir

Congstar ist, wie vielleicht nicht jeder weiß, ein Ableger der Deutschen Telekom, die ja mit dem Schutz von Verbindungsdaten schon das eine oder andere Problem hatte. Die Tochter will sich wohl nichts vorwerfen lassen. Oder gilt inzwischen ein eigenes Datenschutzrecht für telekomische Bundespost-Erben, eine Lex telekom?

Wie ich darauf komme? Ich nutze eine Prepaid-Karte dieses Unternehmens für mobile Datenverbindungen – und stellte jetzt fest, dass das Guthaben überraschend niedrig ist. Was macht man in so einem Fall? Man schaut mal schnell im Internet nach, was da so alles abgerechnet worden ist. Jedenfalls geht das beim Konkurrenten Simyo so; der zeigt mir bereits an, was gestern war. Das ist praktisch, wenn das Handy mal verschwunden ist: Man bekommt schnell eine Ahnung, ob man es nur verlegt hat oder ob es gestohlen wurde.

Die letzte Verbindung, die Congstar anzeigt, ist aber schon vier Wochen alt. Wie bitte?

Tja, wer hätte das gedacht: Die Burschen schützen meine Daten – vor mir:

Wie kann ich meinen Einzelverbindungsnachweis (EVN) einsehen?

Bitte beachten Sie, dass eine Beauftragung des Einzelverbindungsnachweises für den laufenden Monat, aus datenschutzrechtlichen Gründen, nicht möglich ist.

Merke: Bis zum Monatsende stehen meine vorratsgespeicherten Daten exklusiv eventuellen Bedarfsträgern in den Sicherheitsbehörden zur Verfügung, erst dann darf ich sie sehen.

Und dann werde ich wieder einmal Daten sehen, die nur verwirren: Jede Datenverbindung taucht doppelt auf, einmal mit 0,00 €, einmal mit einem höheren Betrag. Nachvollziehbar sind die Beträge nicht, denn im Feld "Dauer/KB" wird die Dauer der Online-Verbindung in Minuten angegeben. Ich nutze aber einen Tarif, bei dem nach Datenmenge abgerechnet wird. Einfach genial. Genial daneben.

Datenhamster in der Servicewüste


Der Staat will alle Kommunikationsdaten speichern. Sein Pech ist, dass er dazu die Telefonfirmen braucht.

Die Vorratsdatenspeicherung (VDS) wird mehr informationelle Mosaiksteinehen anhäufen als das MfS dies je vermochte. Im Zeitalter der Petabyte-Plattencluster braucht kein Bürger mehr auffällig zu werden, um sich für vorsorgliche Überwachung zu qualifizieren. Es genügt, per Funk oder Draht Informationen und Meinungen auszutauschen, Tratsch und hohles Geschwätz. Bald dürfen wir uns im Zweifelsfall für jeden unbedachten Mausklick rechtfertigen, der uns vor einem halben Jahr unterlaufen ist, für jede SMS und E-Mail vom und an den falschen Adressaten, für jedes Telefonat. Wehe dem Angerufenen, wenn sich ein böser Bube verwählt: Da leider nicht alles abgehört werden kann, greift bis zum Beweis des Gegenteils die Schuldsvermutung.

So weit die Theorie. In Wahrheit ist die VDS kein Grund zu verzagen. Denn beim Datenhamstern ist die Staatsgewalt abhängig von Firmen, die Grandioses versprechen (wie das „Fernsehen der Zukunft“ per Telefonkabel), aber konsequent das Motto leben: „Wo wir sind, klappt nichts. Darum sind wir überall für Sie da.“ Droht ein Kunde etwa mit einem Auftrag für ein All-you-can-eat-Kommunikationspaket, bekommt er eindrücklich demonstriert, wie gut Geschäftsprozesse an Murphy’s Law ausgerichtet sein können. Die Bestellung via Web versickert ebenso im IT-Nirwana wie ein erneuter Auftrag per Telefon. Nervt er die outgesourcten Hotliner beharrlich mit Nachfragen, bringt ihm der Briefträger eines Tages Zugangsdaten, die das System nicht kennt, sowie eine Auftragsbestätigung für den falschen Tarif. Wählt der Kunde im Callcenter-Dialog „Beschwerde“, hört er 126 Minuten lang, der nächste Berater sei für ihn reserviert. Erreicht er anderntags die Störungsstelle, schalten die Experten nicht etwa um auf Web-TV-Speed, sondern auf das Ur-DSL-Tempo von 1999.

Wer schon als ausdrücklich „willkommen“ geheißener, zahlender Kunde solch systematischen Murks erlebt, bekommt eine Idee davon, welche Servicequalität erst staatliche „Bedarfsträger“ zu gewärtigen haben, die aufgezwungene Geheimdienstleistungen kostenlos verlangen. So erscheint der miserabelste Kundendienst plötzlich im mildesten Licht: Wahrhaft beängstigend sind die Telefonfirmen, bei denen alles klappt wie am Schnürchen. Aber gibt es die überhaupt?

Aus der Technology Review 2/2008, Kolumne FROITZELEIEN