Bullshit Bingo mit dem DFJV

Die Zeit rennt. Fünf Jahre ist es schon wieder her, dass der Pseudo-Berufsverband „Deutscher Fachjournalisten-Verband e.V.“ platt gemacht und durch eine straff geführte Aktiengesellschaft ersetzt wurde. Aus Anlass dieses Bonsai-Jubiläums haben die Gremien besagter Firma, der DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband AG, kürzlich eine „Gemeinsame Erklärung“ veröffentlicht – ein Blendwerk, das nicht unkommentiert bleiben sollte, mit dem amüsanten Titel…

„Rechtsform, Strukturen und Prozesse der DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband AG“

Im Vorwort heißt es:

„Die Ausrichtung der Organisation auf die Erbringung von Dienstleistungen für inzwischen mehr als 11.000 Fachjournalisten und die Trennung von Aufsicht und berufspolitischer Außenvertretung durch das Präsidium haben insgesamt einen Verband geschaffen, der auch künftig seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen wird.“

Was heißt „Trennung von Aufsicht und berufspolitischer Außenvertretung“ auf Klardeutsch? Es heißt, dass Journalisten, die sich als Kunden dieses Ladens eine berufspolitische Vertretung erhoffen, bei der Unternehmensführung nichts mitzureden haben. Weiterlesen

Fachjournalistin Koch-Mehrin

Die böse Panorama-Redaktion hat etwas gegen die sympathische fotogene FDP-Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin. Die Dame  habe in Brüssel…

„Zwei Jahre lang Ausschusssitzungen geschwänzt“

…klagt die NDR-Sendung. Aber vielleicht hatte die Gescholtene just zu den Sitzungszeiten immer Redaktionsschluss. Jedenfalls stand sie anno 2009 im „Mitglieder“-Verzeichnis der DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband AG als Fachjournalistin der Fachrichtung Politik. Die DFJV AG ist nicht das, was man sich gemeinhin unter einem Journalistenverband vorstellt, sondern eine Aktiengesellschaft. Aber einen Presseausweis bekommt man da auch, als Kundin.

Fachjournalistin ist sie (oder war sie) auch

STATIONEN EINER KARRIERE


Thomas G. Müller – der junge Kopf hinter der DFJV AG

Er ist Alleingeschäftsführer der Alleinaktionärin sowie Alleinvorstand des stillen Trägervereins. Diese Konstruktion macht den 33-jährigen Thomas G. Müller zur personifizierten Hauptversammlung der AG – zur wichtigsten Figur des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes AG (DFJV).

Noch vor seinem Abitur 1997 versucht sich Müller als Verleger des Jugendmagazins Esprit, bekommt aber Ärger wegen der Namensrechte. Als Mitschüler von ihm den DFJV-Vorläufer AJM gründen, ist sein Kleinverlag ist als Mitglied dabei. 1998 gründet Müller die Agentur MKM. Als Partner mit an Bord ist sein Mentor Torsten Witt, Gründer der Schüler-Verbindung Borussia, Mitglied der Landsmannschaft Thuringia und Mitarbeiter der Jungen Freiheit. Als Firmensitz der MKM dient Weiterlesen

DIE GELDMASCHINE


Die Deutscher Fachjournalisten-Verband AG betreibt ein florierendes Geschäft. Die Firma im Gewand eines Berufsverbands erwirtschaftet unter anderem mit Presseausweisen ordentlich Rendite. Dabei ist die AG ein undurchsichtiges Gebilde. Selbst die Gründung des Unternehmens, das aus einem Verein hervorging, ist ominös. Zentrale Figur in dem komplizierten Firmengeflecht ist Thomas G. Müller. Der versucht mit dem Deutschen Medienverband jetzt noch eine zweite Marke im Presseausweisgeschäft zu etablieren.

Ob digital oder analog – der erste Eindruck ist blendend. Der Webauftritt ist elegant, die Broschüren beweisen Geschmack, das Signet Deutscher Fachjournalisten Verband wirkt seriös. Jedes Jahr im Herbst erfährt die Selbstdarstellung der Berliner „Berufsorganisation für Journalisten“ ihren Höhepunkt mit dem Deutschen Fachjournalisten-Kongress (diese Information ist überholt; seit 2011 gibt es den Kongress nicht mehr). Prominente Medienmenschen und Professoren treten hier auf, Chefredakteure und Kommunikationswissenschaftler fühlen sich meist geehrt, wenn sie auf ein Podium gebeten werden. Mancher fragt nicht einmal nach einem Honorar. Wer würde schon einem Fachverband die Vereinskasse plündern wollen?

In Wahrheit gibt es für Zurückhaltung keinen Grund. Selbst für satte Gagenforderungen wäre genug Geld da. Weiterlesen

DFJV: Verbandsimitat aus der Retorte


aus: BJVreport 4/2009

Aktiengesellschaft baut perfekte Kulisse im Look eines Journalistenverbandes

 

Als es vor drei Jahren darum ging, wer künftig offiziell Presseausweise ausgeben darf, riefen zwei Außenseiter-Vereine, deren Chefs niemand kannte, lauthals „wir!“: der Deutsche Presseverband (DPV) und der Deutsche Fachjournalisten-Verband (DFJV). Die Folge war zwar keine amtliche Weihe ihrer Plastikkärtchen, sondern die komplette Deregulierung des „Markts“ für Presseausweise. Geschadet hat diese Abwertung des einstmals exklusiven Dokuments den ins Geschäft drängenden Kaufleuten nicht, die Nachfrage nach den vermeintlichen Türöffnern und Rabatthelfern floriert. 

Über den Hamburger DPV berichtete der BJVreport in Heft 3/2009. Hier folgt die nicht minder irritierende Erfolgsgeschichte seiner Berliner Rivalin, einer Aktiengesellschaft.

So kann man sich irren. Axel Milberg ein Schauspieler? Der Krimimann hat als Kultur-Fachjournalist einen „deutschen Presseausweis“, begehrt damit freien Eintritt in Wien und weint sich in Thorsten Ottos Mikro aus, weil sein Geschnorre nicht auf Gegenliebe stößt. 

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Die Euro-Liberale Silvana Koch-Mehrin und die Hausfrauenrevolutionärin Marie-Theres Kroetz-Relin entpuppen sich als Politik-Fachjournalistinnen, Ex-Pfanni-Konsul Otto „Otec“ Eckart als Wirtschafts-Fachjournalist. Ballermann-Vermarkterin Annette Engelhardt kapriziert sich im Fachjournalisten-Textportal auf Justiz-, Kultur- und IT-Themen.

Fachjournalismus, Fachrichtung Tourismus-PR

Schlagerproduzentin Claudia Kohde-Kilsch offeriert dort Centrecourt-Memoiren; dafür hat sie sogar eine Fachjournalisten-Fernschule absolviert. Weiterlesen