ebay lässt Ortsschwindel zu

Wenn ich bei ebay ein Produkt suche, klicke ich normalerweise an, dass ich Ware aus Deutschland haben möchte, gegebenenfalls auch aus Europa. Nur hilft das nichts. Unser aller globaler Marktplatz ist nämlich in dieser Hinsicht alles andere als verlässlich. Als Artikelstandort ist dann zum Beispiel „Hannover“ angegeben, doch wenn man nachschaut, wo die Firma Europa-Brands (!) sitzt, stellt sich heraus: in Malaysia. Ganz ehrlich: Wenn die Ware nicht kommt oder ich eine Reklamation habe, möchte ich meine Verbraucherrechte nicht gerade in Kuala Lumpur geltend machen müssen.

 

Ein mindestens so schönes Beispiel ist „Tobydeals Polland“ beziehungsweise tobydeals-pl. Wer denkt da nicht an Polen, trotz der falschen englischen Schreibweise des Landes? Stutzig wird man, wenn der Standort des Artikels mit „Niederlande“ angegeben wird. Wo sitzt Freund Zbigniew van der Murks oder Frans-Pieter Lewandowski, oder wie der Polderpole auch heißen mag, denn wirklich? Siehe da: in Hong Kong. Wieder nichts mit EU-Recht und Verbraucherschutz.

Leider sieht der Dialog, mit dem man bei ebay Angebote mit falschen und irreführende Angaben melden kann, derartige Verstöße nicht vor. Sie sind aber alltäglich. Deshalb genau aufpassen – und immer die grauen und roten Bewertungen lesen. Die grünen sind uninteressant.

Multiplikatoren des Blödsinns

Kürzlich stolperte ich bei einer Recherche über ein Interview aus Österreich, das insofern bemerkenswert war, als ein Manager eines namhaften Handelskonzerns ziemlichen Unfug erzählte und die Interviewerin aus dem Wirtschaftsressort der „Kleinen Zeitung“ aus Graz ihm das durchgehen ließ. Schon die Überschrift zog mir fast die Schuhe aus: „Wenn die Waschmaschine die Socken bestellt.“

Wenn solche Aussagen in der Welt sind, gibt es immer wieder Kollegen, die sie – wegen der scheinbar sachkundigen Quelle – als Ausgangspunkt für ihre Arbeit nehmen und sich damit zu Multiplikatoren des Blödsinns machen. Deshalb erlaube ich mir, das krauseste Zeug zu zitieren und glattzuziehen. Es ging um eine Prognose zum Handel in zehn Jahren.

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Bruno Banani, Otto, ebay und das schwarze Schaf

Wussten Sie, dass nicht nur Unterhosen und Parfüm (hier bitte lieber nicht weiterdenken über die denkbaren Duftnoten) unter dem Namen Bruno Banani verkauft werden, sondern sogar Schnurlostelefone? Es gibt eines, das sieht besser aus als manches von bekannten Original-Marken und ist sehr billig – 19,95 Euro bei Ebay.

Aber bestellen Sie das Ding lieber nicht. Erstens: Es wird zwar als DECT-konform verscherbelt, das Mobilteil lässt sich aber nicht an beliebige DECT-Basisstationen anschließen. Zum Beispiel erkennt es den DECT-Sender von Fritzboxen nicht. Zweitens hat sich der Lieferant gerade als Musterbeispiel für Kundendesorientierung geoutet. Sprich: Der Kunde steht bei dieser Firma im Mittelpunkt, also allen mitten im Weg und soll sich gefälligst trollen.

Banani

Die besagte Firma, die das vermeintliche Schnäppchen in der Bucht verhökert, tritt als „Favorio“ auf, heißt aber Hatraco (für Hamburg Trading Company) und arbeitet leider nicht so, wie man das von seriösen Firmen kennt. Bei Ebay wurde (und wird) das Telefon als „NEU“ beworben. Geht man aber auf die Hatraco-Website und wählt den Shop „Favario“ aus, liest man verblüfft, dass es sich um einen Vertriebskanal für B-Ware handelt. Sprich: Die Ware befindet sich zwar im Originalkarton, aber darf zum Beispiel aus einer Retoure stammen. Das Telefon wurde also mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schon von einem anderen Kunden ausprobiert und – vermutlich nicht grundlos – zurückgeschickt.  Weiterlesen

ZDF verrechnet sich gewaltig

Warum macht das ZDF den Händler Amazon größer und mächtiger, als er ist? Die Sendung „Die Macht von Amazon“ (Mittwoch abend) wird heute so beworben:

„Schon heute organisiert der US-amerikanische Online-Versandhändler mit Sitz in Seattle etwa ein Viertel des gesamten deutschen Handels. …

2014 hat der US-Konzern in Deutschland einen Umsatz von 11,9 Milliarden Dollar erzielt – 1,5 Milliarden mehr als im Vorjahr.“

Zur Einordnung: Der deutsche Einzelhandel setzt mehr als 450 Milliarden Euro pro Jahr um. Anders gesagt: 2,6 Prozent sind kein Viertel. Da ist wohl das Komma um eine Stelle verrutscht.

 

 

Sack FMCG im asiatischen Netz umgefallen

HB-FMCG

Eine bemerkenswert absurde Überschrift hat sich soeben die Handelsblatt-Online-Redaktion aus den Fingern gesogen: „Asien hängt Europa beim Lebensmittel-Onlinekauf ab“. Das liest sich erstens so, als sei es in irgendeiner Weise ein sinnvolles Ziel für eine Volkswirtschaft, dass die Menschen nicht mehr einkaufen gehen, sondern sich alles vom Postboten liefern lassen, und zweitens so, als gebe es ein Wettrennen europäischer und asiatischer Handelsunternehmen um die Weltmarktführerschaft in der Mini-Mini-Nische des Online-Lebensmittelvertriebs.

Bei genauerem Lesen kommt man dann dahinter, dass in Wirklichkeit gar nicht von Lebensmitteln die Rede ist, sondern von den FMCG, den Fast Moving Consumer Goods, auf gut Altmodisch-Deutsch auch „Güter des täglichen Bedarfs“ genannt (nicht „Dinge“, wie das HB meint). Dazu gehören auch Drogerieartikel wie Seife, Windeln, Waschmittel und Kosmetik, die sich im Gegensatz zu verderblicher und auf eine durchgängige Kühlkette angewiesener Frischware sehr gut im Paket verschicken lassen. Es werden also nicht Äpfel und Birnen in einen Topf geworfen – das ginge ja noch – sondern ungenießbarerweise Äpfel und Nagellackentferner.

Dass in Asien 37 Prozent der Onliner zumindest gelegentlich FMCG im Netz ordern, ist in dieser Oberflächlichkeit – man verzeihe mir die Platitüde, hier passt sie wirklich – so interessant für die Handelsblatt-Leser wie der Sack Reis, der im Befragungsgebiet umfällt.