1-2-3…Nein! oder: Vorsicht, Di.ebay.sgut?

Mein Macbook kommt in die Jahre, ich würde mir gerne ein aktuelleres Modell zulegen. Also schaue ich bei ebay rein. Da gibt es jede Menge recht neuer Macbook Pros. Seltsam ist aber: Immer wieder bieten irgendwelche Pappenheimer fabrikneue, originalverpackte, ja sogar noch eingeschweißte oder „versiegelte“ Geräte an – als Privatverkauf ohne Garantie.

Ab und an ist jemand dabei, dem ich abkaufe, dass er den Computer bei einem Preisausschreiben gewonnen hat. Normalerweise machen sich die Anbieter aber gar nicht die Mühe zu erklären, wieso sie sich ein Notebook der 1000-Euro-Klasse zulegen und es dann nicht einmal auspacken und ausprobieren, bevor sie beschließen, dass sie es doch nicht wollen. Dann erlaube ich mir, nach diesem Grund zu fragen. Ich bitte um Verzeihung für mein Misstrauen und erkläre, dass mir das Risiko zu hoch ist, im Reparaturfall in den Apple-Store zu marschieren und dann zu erfahren, dass mein Gerät in der Fahndungsliste steht. Das Thema Hehlerware ist mir halt vertraut, seit ich einst auf einen eifrigen „Privat“-Verkäufer eines Gigaset-Schnurlostelefon-Modells stieß, das Siemens ausschließlich an Geschäftskunden verkaufte. Es gab schlichtweg keinen legalen Vertriebsweg für Neugeräte, auf dem die Ware zu dieser Person gelangt sein konnte. Weiterlesen

Post aus Seattle, Washington

Aus aktuellem Anlass kleine Rückblende ins Archiv: ein zwölf Jahre altes Porträt über Jeff Bezos

„Kommt der Kühlschrank, der selbst bestellt?“

Nicht zu fassen: Die obige rhetorische Frage stellt das Zürcher Gottlieb-Duttweiler-Institut in seiner an die Presse gerichteten Einladung zur 63. Internationalen Handelstagung.

„Obst, Gemüse und Milchprodukte eignen sich … nicht gut für den Verkauf übers Internet,“ ist in dem Text zwar sehr richtig zu lesen, doch dann geht es so weiter: „Aber bleibt es dabei, wenn die Bestellung immer bequemer, die Lieferung immer flexibler und das Angebot immer grösser wird? Wenn Kühlschränke online sind und Bestellungen abschicken? Ist es nur eine Frage der Zeit und der Gewöhnung, bis wir im Internet unser Essen einkaufen?“

Hier die definitive und ultimative Antwort:

NEIN!

Ich erkläre seit 14 Jahren immer wieder, warum auch der intelligenteste Sensor-Kühlschrank nicht ahnen kann, was ich wann essen und trinken will, ja warum er nicht einmal seinen Inhalt kennen kann. Aber das ist gar nicht der große Knackpunkt. Man könnte ja auch Lieferdienste aufbauen, bei denen der Mensch selbst bestellt. Auch sie sind aber reihenweise gescheitert. Die Sache ist zu personalaufwendig, und die Logistik funktioniert nicht. Essen auf Rädern setzt voraus, dass die Empfänger zu Hause sind, wenn der Fahrer kommt. Oder jedes Haus bräuchte eine von beiden Seiten zu öffnende Kühl-Gefrierkombination, die in die Hauswand eingelassen ist. Sonst reißt die Kühlkette ab. Diskussion beendet? Ich fürchte nein. Das Thema ist eine Katze mit neun Leben. Die kriegste nicht tot.

Internet der Hirngespinste

Das Feuilleton der Süddeutschen widmet sich in seiner heutige Spalte „Nachrichten aus dem Netz“ der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, kurz M2M, auch unter dem Schlagwort „Internet der Dinge“ geläufig – und gibt damit ein schönes Beispiel für sinnlose Kommunikation:

„Laut einer IBM-Studie werden schon im Jahr 2015 mehr als eine Billion Objekte Informationen über ihren Status über das Internet senden: Autos sind ebenso online wie medizinische Gerätschaften, Thermostate oder Glühbirnen und natürlich auch der viel zitierte, automatisierte und ans Netz angeschlossene Kühlschrank, der merkt, wenn die Milch alle ist und der schon seit vielen Jahren als fester Bestandteil durch diese Zukunftsvision geistert.“

Eine Billion? Ich konnte es nicht glauben, aber tatsächlich gibt es einige Quellen, denen zufolge IBM-Angestellte tatsächlich schon von einer „trillion“ (Amerikanisch für Billion) Dingen gesprochen haben. Das wären bei grob geschätzt zweieinhalb Milliarden Internetzugängen 400 Produkte pro Anschluss, bei Early Adopters also mindestens 1000. Und das schon in zwei Jahren.

Das das absurder Killefitt ist, muss man zwar wohl niemandem erklären, der nicht auf der Feuilletonistenwolke schwebt, dafür aber einen Taschenrechner bedienen kann. Interessant ist aber, aus welcher Zeit die fantastilliardische Zahl stammt. Weiterlesen

Akkordcontent

Werden Studentenjobs auch heute noch in Papierform ans Schwarze Brett gepinnt? Scheint so. Und der Stundenlohn ist kaufkraftbereinigt auch bestenfalls frühe Achtziger: 8 Euro.

Moment mal: Stundenlohn? Stimmt gar nicht. Es ist ja ein Stücklohn für Leute, die es schaffen, Stunde für Stunde 300 Wörter rauszuwürgen. Mit Cut&Paste geht deutlich mehr, ohne Cut&Paste ist das unmöglich, jedenfalls wenn man selbst recherchieren und diesen Ausstoß kontinuierlich erbringen muss, um auf das avisierte studentische Zubrot von 400 Euro zu kommen.

Natürlich geht es nicht um Journalismus, nur um Content-Massenproduktion im Akkord. Leider verstopft der Infomüll, der bei so prekären Produktionsbedingungen zwangsläufig entsteht, die Suchmaschinen, und er verführt die Dumpfnasen, die auf solche Jobangebote hereinfallen, dazu, sich das Zeug im Web zusammenzuklauen, vielleicht bei Bloggern, womöglich auch bei Profi-Journalistinnen.

Das Gute ist: Man braucht den Jungunternehmer, der sich mit so einer antisozialen Geschäftsidee unter dem poststalinistischen Namen „Kombinat für digitale Medien UG“ selbständig gemacht hat… Weiterlesen