Dirk von Gehlen über C3S – ein Mashup

Unter der Überschrift „Künstlerselbsthilfe“ gibt Dirk von Gehlen im heutigen SZ-Feuilleton wieder einmal eine Kostprobe seines mit Voreingenommenheit gewürzten Halbwissens in Fragen des Urheberrechts zum Besten. Es geht um die Idee einer zweiten Musik-Verwertungsgesellschaft neben der Gema.

Da Kollege Gehlen auf Angebote, sein schlagseitiges Weltbild durch Input von Informationen und nähere Erläuterung anderer Sichtweisen auszutarieren, bis dato äußerst zurückhaltend reagiert hat und das „Lob der Kopie“ als Mutter aller kreativen Dinge singt, bietet es sich an, seine Einlassungen in Form eines Mashups zu überarbeiten:

Vor etwas mehr als zehn Jahren machte der amerikanische Jurist Lawrence Lessig in Stanford eine Idee publik, die viele für unrealistisch hielten. Lessig hatte die Situation im Urheberrecht analysiert…

Falsch, mein Lieber, und das wissen Sie. Er hat mitnichten das Urheberrecht as we know it, sondern das in den USA geltende Copyright zerfieselt. Was Lessig störte, wäre in deutscher Terminologie am besten mit „Leistungsschutzrecht der Verleger“ umschrieben, wie sich anhand einer Rede aus dem August 2002 schön nachvollziehen lässt. Weiterlesen

Was Kramm eigentlich meint

Der Musikpartisane hat sich ein Wahlk(r)ampfvideo des Piraten Bruno Kramm vergenommen. Bitte mit dem Cursor auf der Pausetaste anschauen: Man kann die Untertitel kaum verstehen/würdigen, wenn gleichzeitig der Große Selbstdarsteller auf einen einschwätzt.

Wer Freunde hat wie die C3S, braucht keine Feinde

Mal schauen, ob Beckedahl das stehen lässt (in einem Kommentar zu einem Kommentar zu einem Pro-C3S-Anti-Gema-Agitationsfilm):

…Irgendwie scheint es langweilig zu sein, sachlich oder gar konstruktiv zu kritisieren (zum Beispiel sollten alle Radiosender maschinenlesbare Playlists an die Gema schicken müssen, damit auch seltener gespielte Stücke fair vergütet werden). Es muss aber offenbar immer eine Anstaltspackung Demagogie mit rein. Wer so pubertär polemisiert und die Wirklichkeit verzerrt wie die anonymen CC-Urheber dieses Videos, der zeigt nur, für wie blöd und manipulierbar er seine Fans hält.

Ich stelle jetzt nur mal eine einzige, wirklich ernst gemeinte Frage:
Wie will es die C3S als Sammelbecken kleiner, kommerziell eher minder erfolgreicher Indie-Musiker denn anstellen, für ihre Mitglieder (über die ZPÜ oder in direkten Verhandlungen) bei den Geräte- und Speichermedienherstellern auch nur einen Cent mehr herauszuschlagen als die Gema heute?
Wenn mir jemand das plausibel erklären kann, bin ich ja vielleicht auch dafür. Ich seh’s nur nicht. Die Gema mag unbeliebt sein, aber sie ist so groß, dass sie von der zahlungspflichtigen Industrie (und den Sendern) ernst genommen wird. Wenn die Bitkoms dieser Welt etwas von Anti-Gema hören, klirren bei denen die Sektgläser. Divide et impera – spalte die Urheber und spare dir die Abgaben. Künstler leben doch von Luft und Liebe.

Urheberrechtsdebatte: von Gehlen klärt keine Fronten

Konflikt

Der Feuilleton-Aufmacher der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende ist nicht genial, nicht einmal genial daneben, sondern total daneben. Das fängt schon bei der Gestaltung an: „Der Konflikt“ lautet die Headline; darüber prangt ein riesiges rotes C in einem Kreis. Also das Emblem fürs Copyright, die angelsächsische Spielart des Immaterialgüterrechts, die gerade nicht verwechselt werden sollte mit dem deutschen Urheberrecht, um das es in dem Beitrag geht. Wenn das Schule macht, könnte die ARD den Tower of London zum neuen Wahrzeichen ihres „Berichts aus Berlin“ machen.

Der von Dirk von Gehlen (Autor des als Provokation gemeinten Buchs „Mashup – Lob der Kopie“) verfasste Text hält leider nicht mehr, als seine missratene Dekoration verspricht. Das fängt schon beim Vorspann an, der „ein ABC zur Klärung der Fronten“ verheißt. Weiterlesen

Zahlt sich Merkels CDU dumm & dämlich?

Die Bundeskanzlerin hat sich auf einer CDU-Regionalkonferenz über Gema-Gebühren ausgelassen…

„Man kann ja fast kein kleines Fest mehr feiern, weil man sich dumm und dämlich bezahlt.“

 Angela Merkel gestern in Düsseldorf, zitiert nach SZ und Welt

…und damit den Eindruck erweckt, die Verwertungsgesellschaft schraube die Gebühren für Vereine und andere Kleinveranstalter (wie Parteien mit ihren Wahlpartys) immer weiter in die Höhe. Das ist natürlich barer Unsinn, denn es hat sich seit langem gar nichts geändert an den Tarifen. Im Gegenteil: Die Gema hat einen neuen Tarif für nächstes Jahr angekündigt, der gerade deshalb angegriffen worden ist, weil er die Last stärker als bisher gewerblichen Nutzern wie Clubs und Diskotheken auferlegt, also gerade nicht bei kleinen Festen ins Kontor schlagen soll. Zahlen? Bitte: Wenn beispielsweise ein CDU-Ortsverband feiern will, zahlt er 22 Euro je 100 Quadratmeter, eine Fläche, die nach Gema-Schlüssel für 150 Gäste reicht. Pro Gast wären das 15 Cent*.

Ob man dumm und dämlich davon wird, dass man diese Abgabe zahlt? Ich würde dies dann doch wagen zu bezweifeln.

* Teurer wird es, wenn Eintrittsgeld von mehr als zwei Euro pro Nase kassiert wird. Dann kann man aber auch das Eintrittsgeld um 50 Cent höher ansetzen, als man es täte, gäbe es die Gema nicht. Auch oder gerade Unionsmitgliedern dürfte das Schicksal der Gema-induzierten Dummheit oder Dämlichkeit also wohl erspart bleiben.