Urheberrechtsdebatte: von Gehlen klärt keine Fronten

Konflikt

Der Feuilleton-Aufmacher der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende ist nicht genial, nicht einmal genial daneben, sondern total daneben. Das fängt schon bei der Gestaltung an: „Der Konflikt“ lautet die Headline; darüber prangt ein riesiges rotes C in einem Kreis. Also das Emblem fürs Copyright, die angelsächsische Spielart des Immaterialgüterrechts, die gerade nicht verwechselt werden sollte mit dem deutschen Urheberrecht, um das es in dem Beitrag geht. Wenn das Schule macht, könnte die ARD den Tower of London zum neuen Wahrzeichen ihres „Berichts aus Berlin“ machen.

Der von Dirk von Gehlen (Autor des als Provokation gemeinten Buchs „Mashup – Lob der Kopie“) verfasste Text hält leider nicht mehr, als seine missratene Dekoration verspricht. Das fängt schon beim Vorspann an, der „ein ABC zur Klärung der Fronten“ verheißt. Weiterlesen

Google Maps holt auf

Man muss nur lange genug warten, dann tut Google was. Heute habe ich entdeckt, dass diese meine Kritik entweder gefruchtet hat oder zumindest nicht mehr nötig ist: Mein Wohnort Kaufering ist jetzt (fast) up to date. Das Anfang der Nullerjahre umgebaute Schwimmbad, die zehn Jahre alte Sporthalle, die Neubaugebiete und die vor zweieinhalb Jahren eingeweihte Umgehungsstraße sind drin. Nur von der vor eineinhalb Jahren eröffneten Realschule ist nicht mehr als das Fundament zu sehen.

Neuschwanstein habe ich nicht nachgesehen.

Lauffs Leviten lesen!

Es ist viiiieeelll Text, den Werner Lauff uns zum Jahreswechsel zumutet, aber jeder Medienmensch sollte sich die Zeit für seinen medienjährlichen Rück- und Ausblick nehmen – vor allem die Führungskräfte der Branche. Lauff hat buchstäblich alles, was in der Medienwelt derzeit abgeht, analysiert, sortiert, strukturiert, in den Zusammenhang gestellt. Die Einzelfakten kennt man, aber hier wird das große Bild sichtbar.

Pflichtlektüre! (bei Kress.de)

„Die Verantwortung spüren

…Ein Ereignis wird binnen Stunden zum dominierenden Thema. Danach bleibt es wochenlang in den Schlagzeilen, wobei jede Sekundärmeldung – eine These, eine Forderung, ein Gerücht – recht zu sein scheint. Von einem Tag auf den anderen verschwindet das Thema dann wieder in der Versenkung, als sei der Fortgang der Angelegenheit kein Wort mehr wert…

…Der Wettbewerb um Nachrichten ist so groß, dass zum Nachdenken kaum Zeit bleibt. Die meisten Redaktionen sind mit zu vielen Themen befasst und können weder Erfahrung noch Expertenwissen abrufen. … Journalisten werden permanent zum Verdichten animiert. Doch viele Hochrechnungen auf tiefere Absichten oder gar Strategien, die auf diesem Weg zustande kommen, liegen weit neben der Sache. Die häufigsten Probleme sind assoziative Fehlschlüsse, Fehlgewichtungen von Anlass oder Äußerungsmodus sowie elementare Unkenntnis über die Historie, die Zusammenhänge und die Interessen der handelnden Personen. …

Viele dieser oberflächlich zustande gekommenen Artikel in Nachricht-Kommentar-Feature-Mischform können fatale Auswirkungen haben. Sie können blutige Reaktionen hervorrufen. Sie können Wirtschaft und Währung in Gefahr bringen. …“

Eine Lanze für den Leserbriefredakteur

Wenn in einer großen Zeitungsredaktion jemand einen wirklich undankbaren Job hatte, war es der Leserbriefredakteur. Er fischte aus dem Eingangskorb die Texte heraus, die interessante Gedanken enthielten, und filterte Hassreden, Wichtigtuerei und dummes Zeug weg. Er kürzte bei Bedarf Redundantes und verdichtete die Pro- und Contra-Äußerungen auf verdauliche Länge. Dafür hassten ihn alle, die sich nicht 1:1 (oder gar nicht) im Blatt wiederfanden, und auch sein Sozialprestige innerhalb der Redaktion war meist eher bescheiden.

Wie wertvoll die Arbeit eines Gatekeepers bei Leserbriefen war/ist, erkennt man, wenn man den Fehler macht, im falschen Online-Forum seine Meinung abzugeben – etwa bei welt.de, einer Website, die für solche Zwecke den Dienst disqus nutzt.

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Dämpft Google alte Hüte?

Wenn eine Nachricht wichtig ist, findet sie zu mir? So heißt es doch manchmal bei den Technikgläubigen des Post-Newspaper-Zeitalters. Zu mir fand jetzt die Sensationsnachricht, dass Google an einer Reihe abgedrehter Forschungsprojekte arbeite. Sie stammt aus der New York Times, wo sie Golem.de fand, wo sich wiederum das Handelsblatt bediente.
Dann kam via Jeff Jarvis dieses nette Filmchen rein, das der 14 Jahre alten Story vom (gähn!) Kühlschrank, der ungefragt Lebensmittel bestellt (bei welchem Händler eigentlich?), angemessen ist: