Wolframs Enttäuschung (Alphatest)

Dieser Tage lockte mich jemand auf eine Seite, die Wolfram Alpha preist, eine „semantische“ Suchmaschine. Ich glaube, ich warte auf die Beta-Version. Wolfram enttäuscht – und kennt nicht einmal das Wort. (Zugegeben, die Frage war gemein, hatte aber ihre Berechtigung.)

Gesichts-Verkennung oder die toten Augen von London

Neulich war ich in London, wo an jeder Ecke diese CCTV-Kameras herumhängen. Wenn ich manchen Auskennern Glauben schenken will, ist die Gesichtserkennung inzwischen ja so toll, dass ich davon ausgehen muss, dass der MI 5 oder MI 6 jeden meiner Schritte in der City auf einer Festplatte festgehalten hat. Da kann einem schon der Orwell’sche Schauer den Rücken hinabkriechen.

Was mich dann wieder sehr gelassen gemacht hat, war diese Spitzenleistung hier, die Big Brother Google ablieferte, als ich wissen wollte, wer dieser Zuhörer bei einem Hearing des US-Senats sein könnte:

Auch mit Hilfestellung fand Google nur… tja, Gesichter. Und wo Frank Zappa selig plötzlich herkam, mit Datum vom Freitag, dem 13. April 2012, ist mir auch ein wenig schleierhaft. Das Hearing, in dem er auftrat, fand lange vor der Erfindung des Webs statt.


Vielleicht ist die Technik ja doch noch nicht so ausgereift, wie wir glauben sollen. Oder wird Google etwa von den Schlapphüten genau dafür subventioniert, damit wir Privacy-Fetischisten uns in falscher Sicherheit wiegen? 😉

SZ: Kollegin B. schließt mal wieder von sich auf andere

Ist die gute alte E-Mail „vom Aussterben bedroht“? Mit dieser steilen These erschreckte die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen am Donnerstag ihre Leser. Es ging eigentlich um Microsoft und die Ablösung des – freundlich gesagt – für seine Nutzer peinlichen Webmail-Dienstes Hotmail durch das seriöser wirkende Cloud-Produkt „Outlook.com“. Kollegin B., wie gewohnt eher meinungsfreudig denn treffsicher, verstieg sich dabei zu der Behauptung, dass „ohnehin niemand mehr Mails braucht“.

Muss ich wirklich erläutern, wieso das bodenloser Unsinn ist? Nein, ich glaube, die Arbeit kann ich mir sparen. Auf jeden Fall war das Kompetenzgefälle von sueddeutsche.de 🙂 zur Printausgabe 🙁 vergleichbar mit einer Kamikaze-Rutsche.

 

Gibt es immobile Reporter?

Journalisten sollten mit der Sprache umgehen können, in der sie schreiben. Ja, das ist natürlich viel verlangt, aber eine große süddeutsche Zeitung, die ich abonniert habe, hat mir ja jahrelang gepredigt: „Seien Sie anspruchsvoll.“

Ein Journalist, der in deutschen Texten mit Begriffen wie „Mobile Journalism“ oder gar „Mobile Reporting“ um sich wirft, offenbart Schwierigkeiten im Umgang mit seiner Sprache; zumindest fehlen ihm deutsche Worte für diese schon im Englischen höchst missverständlichen termini technici.

Jeder Reporter ist ein mobiler Journalist, ein immobiler Journalist kann kein Reporter sein. „Mobile Reporting“ ist also ein Pleonasmus, sofern man „mobile“ als Adjektiv versteht (und das tun schätzungsweise 99 Prozent der unbefangenen Leser). Dabei ist „Mobile“ hier das amerikanische Kurzwort für „mobile phone“. Weiterlesen

1 Gigabyte für 62 Cent – und die Leute jammern


GEMA nachrechnen!

Als wir Anfang der Achtziger Tonbandkassetten im Zehnerpack kauften, BASF CrO2 Maxima C90 oder TDK-SA 90, wusste niemand, wieviel vom Kaufpreis an die GEMA ging. Es interessierte auch niemanden. Hauptsache, die Kassetten waren nicht so teuer. Damals kostete eine Kassette 6,50 Mark, ein 10er-Pack 59,50 Mark.

Ich gestehe, dass ich 1985 nicht einmal mitbekommen habe, dass eine Leerkassettenabgabe eingeführt wurde. Bis dahin war nämlich nur für den Kassettenrekorder selbst eine Abgabe fällig gewesen, nicht aber für die Tonträger. Weiterlesen