Eine Frage der Zeit, bis es kracht


Der Schilderwald von Kaufering ist legendär, vor allem wegen der unkonventionellen Stellen, an denen die Marktgemeinde die Pfosten in den Boden rammt. Jetzt wird er gelichtet – aber Wie…

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Tempo-30-Schilder stehen in unserer Gemeinde, Verzeihung: Marktgemeinde, traditionell unmittelbar vor Kreuzungen und Einmündungen, damit Fahrer einbiegender Autos sie nicht sehen. Man fand sie bevorzugt an übersichtlichen Durchgangsstraßen, während in schmalen, gehsteiglosen Nebenstraßen oft Tempo 50 zulässig war – sogar in meiner Straße, die in den Achtzigern eigentlich als Spielstraße geplant worden war.

Kauferinger 30-ZoneVorfahrtzeichen werden bei uns gerne dezent ins Blattwerk des prächtigen Straßenbegleitgrüns eingeflochten oder hinter Stämmen postiert, sprich: Man sieht vor lauter Hecken, Sträuchern, Ahörnern, Kastanien und Kirschbäumen den Schilderwald nicht. In manch ruhigem Wohnviertel konnte man um ganze Häuserblöcke brettern, ohne von einem 30-Schild gemäßigt zu werden, obwohl wenige Meter weiter vorn und hinten in den jeweiligen Straßen durchaus der Wille des Rates Ausdruck fand, den gemeinen Kraftfahrer mittels des Streckenverbotszeichens 274 zum Entlasten seines Bleifußes anzuhalten. Damit war Kaufering ein Lehrbuchbeispiel für die unmotivierte Anwendung einer Gesetzeslücke, die Fahrlehrer so beschreiben: Weiterlesen

Der gemeine Wähler ist ein Sado-Masochist

Die Wahl ist gelaufen, und das Ergebnis ist nah dran am Worst Case Scenario, das sich kundige Pessimisten vorgestellt haben. Die Kauferinger haben sich mehrheitlich gegen frischen Wind und gegen ein konstruktives Miteinander entschieden – also für einen Gemeinderat, in dem die Fetzen fliegen werden. Wie zu erwarten war, hat die Kauferinger Mitte (KM) der UBV kräftig Stimmen abgejagt. Beide Gruppierungen sind mit je vier Mandaten gleich stark, wenn auch jeweils schwächer als CSU (sechs) und Grüne (fünf). Die SPD hat drei Leute durchgebracht, die Freien Wähler zwei.

Erststimme

 

Obwohl die Kauferinger Mitte durchaus Persönlichkeiten auf der Liste stehen hatte, mit denen man gut in der Sache diskutieren kann, haben die Gewohnheitstiere unter den Wählern (darunter insbesondere unsere Senioren*) für Polarisierung gesorgt. So sind die beiden alten Herren Bühler und Sepp gewählt, wenn auch mit vergleichsweise bescheidenen 1662 und 1373 Stimmen. Weiterlesen

Gegendarstellung per Hauswurfsendung

Meine junge Kollegin Janina Reich, die für den Kreisboten über Kauferinger Lokalpolitik berichtet, hat mit ihrem Bericht von voriger Woche (siehe Bild) die Kauferinger Mitte wohl noch mehr in Unruhe versetzt als der Meinungsaustausch hier im Blog.

Gemeindeübernimmt

Heute fand ich im Briefkasten die (vermutlich) letzte Hauswurfsendung der Kauferinger Mitte zu der morgigen Wahl. Auf der Rückseite des von Helmut Kraus verantworteten Flyers äußert sich Klaus Bühler „in eigener Sache“ zu dem angeblich „reißerisch“ aufgemachten Artikel. Er wolle „die Rolle der örtlichen Presse im Wahlkampf andeuten“. Nun, wer erwartet, dass Bühler irgendwelche publizistischen Missetaten aufdecken würde, wird enttäuscht: Die Fakten bestreitet er nicht. Hätte in dem Text irgendeine auch nur vermeintlich falsche Tatsachenbehauptung gestanden, so hätte Bühler vom Kreisboten ja auch eine Gegendarstellung verlangen können. Diese hätte sogar noch in dieser Woche, also vor der Wahl erscheinen können. Im Blatt war aber keine solche. Amüsant ist, dass Bühler selbst den Begriff „reißerisch“ in Gänsefüßchen setzt, Weiterlesen

Verwählen Sie sich nicht!

Endspurt: Am Sonntag wird in Bayern kommunalgewählt. Falls Sie nicht schon gebriefwählt haben, noch ein Hinweis zu einem verbreiteten Missverständnis: Häufeln ist nur ratsam, wenn man damit leben kann, dass die Stimmen für einen schlecht gelisteten Wunschkandidaten (weibliche Version bitte mitdenken) am Ende doch einem nicht so genehmen Frontmann zufallen. Wie auch mir erst durch die Diskussionen in den Kommentarspalten richtig klar wurde, besteht die einzige Methode, einen vermutlich chancenreichen Bewerber, den man nicht will, nicht doch noch zu unterstützen, darin, dass man überhaupt niemanden auf seiner Liste wählt.

Gebe ich beispielsweise dem netten Kandidaten Josef drei Stimmen und dem Kandidaten Norbert keine, weil ich den auf keinen Fall im Gemeinderat sehen will, werden zunächst der Liste, auf der beide stehen, drei Stimmen gutgeschrieben. Aus dem Verhältnis der addierten Stimmen aller Kandidaten dieser Liste zu den Gesamtstimmen sämtlicher Listen ergibt sich dann, Weiterlesen

Nur zwei Wiederwahlen

Weil es so schön passt, eine kleine Presseschau zum Tage. Kassian Stroh, Bayern-Redakteur der Süddeutschen Zeitung, schreibt auf der Meinungsseite der Donnerstagsausgabe des Blattes über bayerische Bürgermeister (wobei er zwar in erster Linie, aber nicht allein Christian Ude im Blick hat):

„Demokratie braucht Wechsel. Sie lebt vom Wettstreit der Ideen. Und dafür braucht es gelegentlich neue, dafür braucht es einen anderen Blick und frischen Wind. Eine Altersgrenze bewirkt das nicht. Aber die Zahl der möglichen Wiederwahlen müsste auf zwei begrenzt werden, damit nach spätestens 18 Jahren Schluss ist – auch mit unvermeidlichen Verfilzungen und Verkrustungen. In München, das einen neuen Oberbürgermeister bekommen wird, haben sich die aussichtsreichsten Kandidaten schon festgelegt: Im Falle eines Erfolgs, versichern sie alle, wollten sie höchstens zwölf Jahre amtieren.“