Ungerührt remixed


Da die Kommentarfunktion bei Carta vorhin einen Schluckauf hatte, poste ich ein paar Gedanken zur aktuellen Remix-Diskussion einfach hier bei mir zu Hause.

Die Idee, grundsätzlich das „Remixen“ von Werkbestandteilen freizugeben, verleitet dazu, sie als Herabwürdigung derer zu sehen, die Werke schaffen – so wie die Werbung von Sendern wie Bayern 3, sie böten den besten „Musikmix“.

Es ist aber viel absurder und bösartiger.

1. Re-Mixen kann man nur etwas, das schon irgendwie gemixt (vermischt) worden ist. Schüttele ich etwas Durchgeschütteltes erneut durch, habe ich bestenfalls einen schaumigen Brei, ein Smoothie, aus dem man die Zutaten nicht mehr herausschmeckt. Insofern in das Wort genauso unpassend für künstlerische Leistungen wie „Content“ für journalistische Texte und Bilder. Eine kreative Leistung kann nur darin bestehen, bewusst Musikpassagen oder Tonspuren auf neue, kreative Weise abzumischen. Das ist das, worauf sich Andrew Noah Cap bezieht. Diese Tätigkeit, Kerngeschäft der DJs, ist quasi die moderne Form (oder Erweiterung) dessen, was früher ein Arrangeur gemacht hat. Man sollte also das Wort Remix meiden, wenn man von planvollem künstlerischem Umgang mit Werken spricht.

2. Sich von einer Idee inspirieren zu lassen, ist etwas anderes, als ein Zitat zu recyclen und sich anzueignen. Zitate kann man in den Mixer hauen, Ideen nicht.

3. Würde man „Remixe“ grundsätzlich freigeben, würden alle Dämme brechen, was die Arbeit von Journalisten und Fotografen betrifft. Als wäre es nicht schlimm genug, dass Bilder manipuliert und Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen werden, Weiterlesen

Was Kramm eigentlich meint

Der Musikpartisane hat sich ein Wahlk(r)ampfvideo des Piraten Bruno Kramm vergenommen. Bitte mit dem Cursor auf der Pausetaste anschauen: Man kann die Untertitel kaum verstehen/würdigen, wenn gleichzeitig der Große Selbstdarsteller auf einen einschwätzt.

Haarspaltende Pirokraten hassen „kostenlos“

Sebastian Heiser, Kollege bei der taz, hat sich unbeliebt gemacht, indem er das offizielle Wording der Piratenpartei vom „fahrscheinlosen Nahverkehr“ missachtet und statt dessen im Klartext „kostenlos“ geschrieben hat. Auf die Proteste reagierte er – wie der Freischreiber-Newsletter meldet – mit der Gegenüberstellung eines von ihm verfassten „falschen“ (also normalen) Textes mit einem „richtigen“, der von vorne bis hinten aus formal korrekten Juristizismen und offiziellen Lesarten zusammengesetzt ist.

Der Schuss ging allerdings nach hinten los. Die Kommentarspalte ist voll von Leserpostings, in denen das bürokratendeutsche Geschwalle als besser bezeichnet wird. (Das kann zweierlei heißen: Freunde des Amtsdeutschen sind in der Mehrheit – oder sie sind nur fleißigere Leserbriefschreiber.) Auffällig oft verteidigen die bürokratischen Besserwisser das Piratendeutsch. Weiterlesen

Ich möchte nie mehr lesen, Piraten seien nicht gegen das Urheberrecht

Die niedersächsischen Piraten haben nämlich im (bekanntlich gescheiterten) Wahlkampf zugegeben, dass nichts von Urheber- und Patentrecht halten:

Schranken2Schranken1

Damit ist jetzt auch geklärt, warum manche Leute Bruno Kramm für den „Urheberrechtschefclown“ seiner Partei halten.

Schadenfreude nach Havarie

Lesenswerter Beitrag von Thomas Elbel bei Carta zum Urheberrecht – vor dem Hintergrund des Wahldebakels der piratistischen Partei in Niedersachsen.