Spam Designed in Germany


Wer sich über deutschen Spam wundert, der scheinbar von englischen Briefkastenfirmen kommt, kann bei der Spurensuche durchaus bei großen Namen der einheimischen Werbebranche landen. In diesem Fall bei einem gewissen Dirk S. Hier das Werkstattprotokoll einer Recherche zu dem, was infamerweise als „Permission-based Marketing“ dargestellt wird.

Über den Ortsnamen Bad Sachsa könnte man billige Witze machen, aber erstens liegt das Nest gar nicht im eigentlichen, sondern in Nieder-Sachsen, und zweitens haben die meisten Kurorte die Aussprache „bäd“ eh nicht verdient. Pretty bad, my dear friends, sind aber die Aktivitäten eines in Bad Sachsa tätigen Unternehmers, der sich selbst der Digitalmarketingbranche zurechnet. Auf ihn stieß ich nämlich, als ich mir den Spam näher anschaute, der sich in letzter Zeit vermehrt durch den Filter meines GMX-Mailaccounts mogelte. Der Mann heißt Stefan Appenrodt und ist zunächst einmal Chef eines Unternehmens namens Adigma (Abkürzung für „Agentur für digitales Marketing“). Auf der Website desselben gibt es einen Menüpunkt „Adressgewinnung“, und dort erfährt das geneigte Publikum, wie Adigma früher selbst gearbeitet hat:

„Adressgenerierung durch intelligentes Gewinnspielsponsoring
Aufgrund der zunehmenden rechtlichen Problematik, wird diese Dienstleistung von uns nicht mehr angeboten!“

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Mordaufruf im Spamfilter

Jeden Tag schaufelt meine fleißige Antispam-Biene ganz viel Kommentarspam in ihren Honigtopf.

Heute fand ich darin etwas nicht Alltägliches – einen wahrhaft teuflischen Mordaufruf, hinter dem offenbar eine sich für christlich haltende Sekte gewaltbereiter Verschwörungstheoretiker steht. Um die Menschheit oder die Menschlichkeit zu retten, soll man die Kinder reicher Leute ermorden. Wenn man diesen angeblich von Journalisten verfassten Erguss liest, findet man fast noch die alten Stalinisten human.

„Forbidden News: We work for major news companies but our boss is preventing us from publishing this information on Tv. They are high ranking luciferians from the devil worshipers cult illuminati also known as the Bilderberg Group. Weiterlesen

Xing-Spam

Herr Lengsfeld hat wieder zugeschlagen. Diesmal bei Xing:

Sehr geehrter Herr Froitzheim,

Detlev Lengsfeld möchte Sie auf XING als Kontakt hinzufügen.

„Hallo, wollen wir schauen was wir zusammen tun können.
Wir bringen Dinge auf Seite 1 bei google.
Bitte mein „Über mich“ ansehen und ggf. reden!
LG“

Auf der nachfolgenden Seite können Sie Detlev Lengsfeld als Kontakt bestätigen:

Er scheint vergesslich zu sein – oder mich für vergesslich zu halten.

Plonk!

 

Führe uns nicht in Versuchung, falsche Schlange!


„Nicht mitmachen dürfen Seiten, die in folgende Kategorien einzuordnen sind: Erotik, Rassismus, Spam, Betrug usw. usf.“

Betrüger und Rassisten dürfen NICHT mitmachen? Ja, dann ist das ja bestimmt eine seriöse Anbieterin, diese „Maria Silbermann“, die mich rotzfrech duzt, als kennte sie mich, und mit bis zu 100 Euro bestechen will:

„Hallo, ich wollte nachfragen, ob Interesse besteht, auf deinem Blog Sponsored Posts bzw. Paid Articles zu veröffentlichen. Wir zahlen zwischen 40 und 100 Euro pro Beitrag, abhängig von Leserzahlen, Postfrequenz, Aktualität usw. usf. Auf unsere Homepage findest du noch ein paar Informationen zum Procedere. Bei Fragen einfach fragen 😉
Ich würde mich sehr über deine Rückmeldung freuen.
Liebe Grüße Maria“

Nein, keine Fragen. Das ist so unredlich, unseriös und dumm, das spricht für sich.

Frau Silbermann wohnt angeblich in Neusäß bei Augsburg, aber der Name ist vermutlich ein Fake. Sie steht weder im Telefonbuch noch bei Xing, auch Google kennt die feine Dame nicht näher.

Immer Ärger mit Horny Harry

Ein Freund hatte mir eine E-mail geschickt. Aus Italien. Kein echter Freund, nur „A.Friend@gefran.it“. Der Anonymus wollte mir nur einen guten Rat geben: Ich möge einen Blick auf die geile Website von „Horny Harry“ werfen. Ich wollte ein höfliches „Nein, Danke“ zurückmailen. Aber wohin? Dem voluminösen E-Briefkopf zufolge stammte die Mail „von: jimmycricket@cybernet.com“. Doch als „Authenticated sender“ nannte der Mail-Server einen „barry12@aol.com“. Kurz darauf kam eine identische Mail von Barrys drittem Ich „A.Friend@com.msu.edu“.

Da ich auf solche Friends gerne verzichte, freute ich mich über eine Nachricht meines Providers. „Bei vielen Online-Nutzern stapeln sich 20, 30 oder mehr Werbe-Mails täglich“, prahlte die Pressestelle, „Compuserve-Mitglieder bleiben davon verschont.“ Möglich sei dies durch einen Anti-Spam-Filter, „ein zuverlässiges System … um kommerzielle Massen-Mails zu blockieren“.

Gar so zuverlässig war der Schutz vor „Spam“, benannt nach dem von Monty Python bejubelten Büchsenfleisch, nicht. Bald gelang es „Kim & Ray“, in meiner Mailbox nach Singles und Paaren zu suchen, die Interesse haben an jenem „Zeug, das Erwachsene mögen“. Weiterlesen