Simyo, der Kundenschreck. Eine endliche Geschichte.


AKtueller Nachtrag, 2.11.2016:

Simyo ist jetzt Blau. Dazu passend hat der Stern etwas geschrieben.

Aktueller Nachtrag, 12.7.2014:
Das Handelsblatt erklärt, „warum Meckernde Kunden gut sind“. Pflichtlektüre für meine speziellen Freunde, um die es hier geht.

Vor fast sechs Jahren, im Februar 2007, habe ich ein Schnäppchen gemacht: Für nur 20 statt 39,95 Euro überließ mir der Mobilfunk-Newcomer Simyo eine SIMcard mitsamt einer „Top-Nummer“, die auf drei Nullen endete und sonst nur aus Ziffern meiner Festnetznummer bestand. 10 Euro Gesprächsguthaben waren inklusive. Telefonieren und Surfen waren günstig.

Ich hätte trotzdem die Finger davon lassen sollen. Bis ich mich neulich äääännnnnd-lich zur Kündigung durchgerungen habe, hat es gedauert. Aber es war richtig. Man hat es bei der E-Plus-Tochterfirma nämlich nur mit Dilettanten zu tun, die nicht nur keine Ahnung haben, worauf es den Kunden ankommt, sondern es nicht einmal wissen wollen. Und das ist nicht etwa ein spontaner Eindruck, sondern immer wieder aufs Neue bestätigte Erfahrung.

Der Gipfel: Wenn ich die schöne Top-Nummer ohne Zahlung einer zusätzlichen Strafgebühr behalten will, soll meine Tochter ihren Account und ihre TelefonSMS-Nummer aufgeben. Im Klartext: Weil ich ins Vodafone-Netz wechseln will, vergrault Simyo eine junge, demnächst volljährige Kundin, die bisher noch gar nicht unzufrieden war. Dass die Firma riskiert, von mir verklagt zu werden, kommt noch dazu.

Bitte nehmen Sie sich etwas Zeit und lesen (oder überfliegen) Sie die ganze Geschichte…

Weiterlesen

Gibt es immobile Reporter?

Journalisten sollten mit der Sprache umgehen können, in der sie schreiben. Ja, das ist natürlich viel verlangt, aber eine große süddeutsche Zeitung, die ich abonniert habe, hat mir ja jahrelang gepredigt: „Seien Sie anspruchsvoll.“

Ein Journalist, der in deutschen Texten mit Begriffen wie „Mobile Journalism“ oder gar „Mobile Reporting“ um sich wirft, offenbart Schwierigkeiten im Umgang mit seiner Sprache; zumindest fehlen ihm deutsche Worte für diese schon im Englischen höchst missverständlichen termini technici.

Jeder Reporter ist ein mobiler Journalist, ein immobiler Journalist kann kein Reporter sein. „Mobile Reporting“ ist also ein Pleonasmus, sofern man „mobile“ als Adjektiv versteht (und das tun schätzungsweise 99 Prozent der unbefangenen Leser). Dabei ist „Mobile“ hier das amerikanische Kurzwort für „mobile phone“. Weiterlesen

2006: Das große Fernseh-Spiel

Das Handelsblatt hat im Moment ein großes Thema: Apples vermuteten Einstieg ins Fernsehgeschäft. Eigentlich ist es erstaunlich, dass das alles noch Zukunftsmusik ist und nicht längst Gegenwart. Den folgenden Beitrag habe ich vor fünf Jahren geschrieben – im BJVreport anlässlich der Münchner Medientage 2006. Die Illustration mit der Apple-Front-Row-Fernbedienung sollte symbolisieren, dass TV-Fernbedienungen, die wie Computertastaturen anmuten, eigentlich ausgedient haben.

Ob Computer und Fernseher zusammenwachsen, ist auch eine Frage der Ergonomie. Computertastaturen sind wenigstens genormt und beschriftet. Mit einer „Universal-Fernbedienung“ bewältigt der Zuschauer indes nur die Grundfunktionen von Fernseher und Recorder. Am radikalsten ist der Ansatz, gleich alle Funktionen in die Software zu verlagern: Die knopfarme Fernbedienung links gehört zu einem Multimedia-Computer.

Weiterlesen

Privilegierte Betrüger

Wer alte Leute übers Ohr haut, wer ihnen ein Abo für eine Dienstleistung andreht, die sie weder brauchen noch wollen, ist ein gewerbsmäßiger Betrüger. Wer diese Taten mittels Telefonspamming und Callcenter begeht, erhält in Deutschland jedoch extrem mildernde Umstände: Die Bundesnetzagentur hebt den Zeigefinger, schimpft ein bisschen, schützt aber die Persönlichkeitsrechte der Täter und „bestraft“ sie dadurch, dass sie die Beute nicht mehr per Inkassodienst eintreiben dürfen. In diesem Fall sitzt die Firma in Wien (mit Briefkastenadresse bei Regus Office Service in München), der Chef in Bratislava.

Das wäre ein Fall für Interpol – berufsmäßige grenzüberschreitende Kriminalität. Und die schärfste Waffe des zahnlosen Aufsichtstigers ist ein „Du, Du! … Du musst Dir eine neue Rufnummer holen“.

Hat eigentlich schon mal jemand einen der Dienstleister, die von solchen Schwindlern leben, indem sie sie mit Tarnadressen und dazu passenden Telefonnummern versorgen, erfolgreich wegen Beihilfe verklagt?

„Soziale“ Blackberrynetze


„Die Londoner Polizei beklagte, dass die Lage auch deshalb außer Kontrolle geraten sei, weil sich viele Randalierer in sozialen Netzwerken abgesprochen hätten, vor allem mit Hilfe des sogenannten Black Berry Messengers.“

Süddeutsche Zeitung, 10.8.2011, Seite 1

Wie war das noch? Journalisten sind Leute, die anderen einleuchtend Dinge erklären, die sie selber nicht verstanden haben? Zum Glück gibt es die zweite Seite, und dort wurde dann zumindest halbwegs klar, was wirklich los war: Der „Messenger“ alias BBM ist keine Zugangsplattform für Facebook, Myspace oder Google Plus. Der Kurznachrichtenservice BBM ist das „soziale Netzwerk“, das hier gemeint ist. Tatsächlich sind die Blackberry-Smartphones, die bei uns als Manager-Spielzeuge gelten, bei britischen Jugendlichen äußerst populär, weil der BBM günstiger ist als SMS und ganze Gruppen von Empfängern auf einmal erreicht.

Der britische Mobilfunkmarkt unterscheidet sich also erheblich vom deutschen. Wenn man das nicht richtig erklärt, führt man insbesondere die Leser, die sich unter einem „Blackberry“ etwas vorstellen können, in die Irre.