„Der totalitäre Rechtsstaat“…

…lautete schon 2006 die Überschrift eines nie veröffentlichten Essays, das ich gegenlesen durfte. Der Autor war ein hochrangiger Beamter und traute sich dann leider nicht, den Text zu publizieren. Das kürzlich verabschiedete Gesetz zur Bestandsdatenabfrage passt genau in das damals skizzierte Bild eines Staates, dessen Exekutive und Legislative der Versuchung nicht widerstehen können, die heutigen technischen Überwachungsmöglichkeiten auszuschöpfen.

Wir sind aber bis heute nicht an einem Punkt angekommen, an dem die „Mainstream“-Medien diese Tendenzen durch Wegschauen billigen würden, wie es einige Leserbriefschreiber und Forendiskutanten gerne unterstellen. Hier sind einige Links, die das Gegenteil belegen:

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Schäuble 2.0

Wer das ist? Na, klar: Innenminister Hans-Peter Friedrich. Wurde soeben zum Bundesüberwachungsminister gemacht (siehe unten). Die Domain ist auf diesen Herrn registriert. Mal gespannt, ob er’s war und wie lange das online bleibt. Ich habe einige Seiten mal gesichert.

(via Gunnar Sohn bei Google+)

Achtung: Spionage am Arbeitsplatz!


10gebotetomorrowInternet-Surfen, Chatten oder private e-Mails am Arbeitsplatz sind riskant: Wenn man nicht aufpaßt, können Chef oder Kollegen alles mitlesen. Ein Report über Betriebs-Schnüffler – und wie man ihnen das Leben schwerer macht

Was hätte Sonderermittler Kenneth Starr bloß gemacht, wenn Monica Lewinsky sich zu Zeiten ihres Oval-Office-Techtelmechtels schon besser mit dem Internet ausgekannt hätte? Als der Clinton-Inquisitor kürzlich via World Wide Web sämtliche Details der Affäre des US-Präsidenten mit der Praktikantin an die globale Glocke hängte, belegte er seine Behauptungen mit 43 Zitaten aus elektronischen Briefen, die Lewinsky ganz unbefangen mit Freundinnen und Bekannten ausgetauscht hatte. Die pikanten und brisanten Informationen lagerten, für Computer-Laien zum großen Teil gar nicht mehr erkennbar, auf den Festplatten verschiedener PCs im Weißen Haus, im Pentagon und in Privatwohnungen.

Um solche unsichtbaren Texte zu rekonstruieren, bedarf es nicht einmal kriminalistischer Fähigkeiten. Jeder gute Webmaster verfügt über die dazu nötigen Werkzeuge. Wie ein hausinterner Geheimdienstmann kann der Internet-Spezialist sogar jedes Wort mitlesen, das auf elektronischem Weg das Büro verläßt – ganz egal, ob es sich um e-Mails handelt, um die Teilnahme an Newsgroups oder ums Chatten, also das Online-Debattieren an einem virtuellen Stammtisch. Wehe dem, der da böse Worte über seinen Vorgesetzten oder Kunden verliert und nicht ahnt, wer noch alles mitliest. „Eine e-Mail“, warnt Klaus Volkmar Seidel von der Sicherheitsberatungsfirma KDM in Frankfurt am Main, „ist so geheim wie eine Postkarte.“

Sicherheitsbewußte Chefs sehen das genauso. Sie setzen zwar auf Electronic Commerce, möchten aber am liebsten alles mitlesen, weil sie ihren eigenen Angestellten nicht trauen. In den USA filzen einer Umfrage zufolge bereits 35 Prozent der großen und mittleren Firmen die e-Mails und Computer-Dateien ihrer Mitarbeiter, hören Telefongespräche und Anrufbeantworter ab oder filmen die Menschen mit Videokameras bei der Arbeit. Die Society for Human Resource Management (SHRM), eine Vereinigung von Personalchefs, fand heraus, daß sich über 75 Prozent der Chefs für prinzipiell berechtigt halten, sämtliche Firmen-e-Mails zu lesen – auch wenn viele dieses Recht (noch) nicht in Anspruch nehmen.

„Es gibt einen wachsenden Trend zur Überwachung, weil jetzt die Werkzeuge verfügbar sind“, klagt David Banisar, stellvertretender Direktor der Organisation Privacy International in Washington. Weiterlesen