Wider den Nutzerrechtsextremismus

Die Süddeutsche Zeitung stellt ihren Gastautor Leonard Dobusch (35) als Juniorprofessor für Organisationstheorie an der FU Berlin vor, der zur Urheberrechtsregulierung „forscht“ und bei netzpolitik.org bloggt. Nun ist das Urheberrecht wirklich nicht das natürliche Biotop von Organisationstheoretikern. Vielleicht erklärt das, warum Dobusch immer wieder durch Texte auffällt, die mehr mit dem Wunschdenken von erklärten Feinden des Urheberrechts zu tun haben als mit der Realität. Kürzlich polemisierte der Herr Professor anlässlich der Aufregung um das Thema Panoramafreiheit also nun „wider den Urheberrechts-Extremismus„*, den er zu erkennen glaubt, und dabei hobelte er mal wieder an den Fakten herum – frei nach dem Grundsatz „was nicht passt, wird passend gemacht“.
* Wie perfide die Wortschöpfung ist, erkennen Sie übrigens, wenn Sie den Urheber mal weglassen. Weiterlesen

Ungerührt remixed


Da die Kommentarfunktion bei Carta vorhin einen Schluckauf hatte, poste ich ein paar Gedanken zur aktuellen Remix-Diskussion einfach hier bei mir zu Hause.

Die Idee, grundsätzlich das „Remixen“ von Werkbestandteilen freizugeben, verleitet dazu, sie als Herabwürdigung derer zu sehen, die Werke schaffen – so wie die Werbung von Sendern wie Bayern 3, sie böten den besten „Musikmix“.

Es ist aber viel absurder und bösartiger.

1. Re-Mixen kann man nur etwas, das schon irgendwie gemixt (vermischt) worden ist. Schüttele ich etwas Durchgeschütteltes erneut durch, habe ich bestenfalls einen schaumigen Brei, ein Smoothie, aus dem man die Zutaten nicht mehr herausschmeckt. Insofern in das Wort genauso unpassend für künstlerische Leistungen wie „Content“ für journalistische Texte und Bilder. Eine kreative Leistung kann nur darin bestehen, bewusst Musikpassagen oder Tonspuren auf neue, kreative Weise abzumischen. Das ist das, worauf sich Andrew Noah Cap bezieht. Diese Tätigkeit, Kerngeschäft der DJs, ist quasi die moderne Form (oder Erweiterung) dessen, was früher ein Arrangeur gemacht hat. Man sollte also das Wort Remix meiden, wenn man von planvollem künstlerischem Umgang mit Werken spricht.

2. Sich von einer Idee inspirieren zu lassen, ist etwas anderes, als ein Zitat zu recyclen und sich anzueignen. Zitate kann man in den Mixer hauen, Ideen nicht.

3. Würde man „Remixe“ grundsätzlich freigeben, würden alle Dämme brechen, was die Arbeit von Journalisten und Fotografen betrifft. Als wäre es nicht schlimm genug, dass Bilder manipuliert und Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen werden, Weiterlesen

Namedropping aus der Blackbox


„Und ich wollte die wichtigsten Protagonisten dieser Debatte für den Band gewinnen. Nun, das ist mir gelungen…“

Also sprach Daniel Brockmeier, Berufseinsteiger in der Verlagsbranche und Herausgeber eines selbstverlegten E-Books zum Urheberrecht. 

Nein, es ist ihm definitiv nicht gelungen. Nicht, dass nicht etliche bekannte Namen unter den „Autoren und Interviewpartnern“ von „Blackbox Urheberrecht“ zu finden wären. Aber es fängt schon ganz oben in der Liste an: Alphabetisch auf Platz eins, vor der Kaffee-bei-mir-Opalkatze Bunse, Vera, steht dort „Anonymous“.

Seit wann hat dieses amorphe, anarchistische Gebilde einen Sprecher oder irgendeine Person, die befugt oder sonstwie kompetent wäre, im Namen all der anderen zu sprechen, die unter der gleichen Flagge segeln? Weiterlesen

UK: Künstlich verwaiste Werke schaffen?


„Is The UK Government Trying To Kill Off Photographers?“

…fragt der englische Fotograf Simon Crofts aus leider gegebenem Anlass. Und die Trolle und Unverständigen ziehen vom Leder. Einer von ihnen fragt:

How do you believe the law should threat orphaned works?
What should be the definition of orphaned works?

Hier mein Versuch, das auf Englisch zu beantworten.

 

Google, der Wert der Fotografie und der Fellow

Beim Computeraufräumen stieß ich gerade noch einmal auf einen nicht mehr ganz frischen Blogeintrag von Tobias Schwarz. Das ist dieser junge Typ, der sich mutwillig „Isarmatrose“ nennt, obwohl (1.) er an der Spree wohnt, (2.) es auf der Isar mangels Schiffbarkeit nur Flößer gibt und (3.) für ein gestandenes Münchner Mannsbild allenfalls „Eisbachsurfer“ ein satisfaktionsfähiger Web-Nick wäre.

Für alle, die ihn noch nicht kennen: Tobias Schwarz sieht aus wie ein Knallroter zur Zeit der Ostermärsche, diente mal (nomen erat omen) den Schwarzen, und während seine Gesinnung in auffälligen Orangetönen schillert, verdingt er sich heute bei den Grünen – als Kreisgeschäftsführer Berlin-Lichtenberg sowie Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Netzpolitik.Als Werkstudent hat er schon in der Öffentlichkeitsarbeit des scheingrünen Lobbyverbandes CO2ncept plus (dessen industrielle Mitglieder sehr froh waren, von der EEG-Umlage entlastet zu werden) sowie bei McKinsey gastiert, was allein wegen seines Äußeren jedes linke Vorurteil über die Mäckies ins Wanken bringt. Vielleicht wuchsen ihm Mähne und anachronistischer Zottelbart ja auch erst später, oder Mitarbeiter ohne Kundenkontakt dürfen das. Wie auch immer: Ein CV mit 18 Positionen binnen fünf Jahren zeigen außer ihm nicht viele im Netz (vielleicht auch deshalb, weil mehr manchmal weniger bedeutet).

Also sprach Tobias Schwarz:

„Fotografie existiert nicht deshalb, weil damit Geld verdient werden kann.“

Tja, liebe, arme Fotografen und Bildjournalisten, wie Ihr seht, zäumt hier ein Teilzeit-Urheber (Online-Fachautor und sogar stolzer Inhaber eines VG-Wort-Wahrnehmungsvertrags) gewaltsam den Pegasus vom Schwanz her auf. Und merkt es nicht in seiner Kurzsichtigkeit.

Es ist nur dummerweise so, liebe Netzgrüne: Hätte man mit Fotografie nie Geld verdienen können, gäbe es sie nicht. Louis Daguerre, George Eastman, Carl Zeiss, Weiterlesen