Energiewende kostet – na, was wohl? – Geld

Wenn es nur BILD wäre. Aber nein:

„Energiewende kostet Milliarden“

Süddeutsche Zeitung von heute, Aufmacher Seite 1

Bei dieser Schlagzeile musste ich an Karl Mekiska denken. Der war vor gut 30 Jahren Dozent an der Deutschen Journalistenschule – und Nachrichtenchef der SZ. Von ihm habe nicht nur ich, von ihm hat auch der heutige Chefredakteur der SZ gelernt, was eine gute Headline ist. Meki hätte uns seine Zeitung hingehalten und mit seinem bähmischen Akzent die rhetorische Frage gestellt: „Iiist das eine Nachricht?“ Um selbige dann, während wir noch zögerten, den Meister zu kritisieren, höchstpersönlich in der Luft zu zerreißen.

Also, mit Verlaub, lieber Kurt: Ich weiß ja nicht, wer bei Euch gestern Abend Dienst hatte. Habt Ihr wie einst die taz für einen Tag Kai Diekmann rangelassen?

Was bitte, soll die Energiewende sonst kosten, wenn nicht Milliarden? Pfennige? Hufnägel? Sägespäne? Das ist keine Nachricht, das hat den Informationswert Null.

Ihr verwendet „Milliarde“ nicht als schlichte sachliche Größenordnung, sondern als Reizwort für Lieschen und Fritzchen Dumm. Die Headline gehört in die Kategorie „Aufreger“. Bei Bild sind Aufreger Handwerk. Überschriften sind gut, wenn sich das Volk echauffiert, egal worüber.

Bei Euch handelt es sich um eine andere Sorte Aufreger. Ich rege mich als Abonnent darüber auf, dass Ihr Qualitätszeitungsmacher mich nicht mehr ernst nehmt. Wer Euer Blatt liest (nicht nur die Schlagzeilen überfliegt), ist bekanntlich anspruchsvoller. Und hat sogar bereits eine Vorstellung davon, was warum wie viel Geld kosten wird beim Umstieg auf Erneuerbare. Und er weiß, dass es sich dabei um Investitionen handelt, während der Rückbau der Atomruinen in spe und die Lagerung des Plutoniumdrecks nur Kosten macht – für die man an die Milliarden eines Tages wohl weitere Nullen wird dranhängen müssen.

 

 

 

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