Wie ich in die Zeitung kam


Vor acht Tagen hatte ich mich hier und auf Facebook mit dem Landsberger Tagblatt angelegt. Heute lesen Sie mein Update – geschrieben nach einem längeren Gespräch, zu dem mich Lokalchefin Alexandra Lutzenberger vorige Woche in die Redaktion eingeladen hatte. Die Kollegen in Landsberg weisen zwar meinen Vorwurf zurück, sie drückten sich um ihre Aufgabe, kritisch zu berichten, und verpennten Themen. Sie geben aber zu, dass etwas gründlich schief gelaufen ist, sowohl mit dem Foto, das gerade nicht das zeigte, was das Thema ist (Warntafeln sind hinter Bäumen versteckt, Bürger wurden nicht informiert, bevor ihre Straßen über Nacht in ein weiträumiges Rechts-vor-links-Gebiet einbezogen wurden), als auch mit der Headline und der Unterzeile, die suggerierten, irgendwelche Querulanten gingen wieder mal gegen ganz normales Bürokratenhandeln auf die Barrikaden.

Kollegin Lutzenberger hat es nicht so ausgedrückt, aber ich sag’s mal in meinen Worten: Es war sehr viel los an dem Tag (sie selbst war nicht da), und die linke Hand wusste gerade nicht, was die rechte tut. Heute werde ich nun auf der ersten Lokalseite zitiert, sogar mit Foto unter dem Falz; ich durfte erklären, „warum die Tempo-30-Zonen in Kaufering bei Bürgern auf Kritik stoßen“. Mir ging es nicht darum, auch mal in der Zeitung zu stehen. Aber dass Bürger und nicht nur die Verwaltung oder der Bürgermeister zu Wort kommen, ist natürlich in meinem Sinne. Erfreulich auch: Der Redakteur hat einen Kommentar geschrieben, in dem er nicht um den heißen Brei herumredet.
Dennoch bin ich noch lange nicht zufrieden mit dem, was unsere örtliche Monopolzeitung ihren Lesern bietet: Die Redakteure haben ein solches Pensum zu bewältigen und ein so großes Einzugsgebiet abzudecken, dass sie zwangsläufig zuviel am Schreibtisch sitzen und zu wenig rauskommen. Bezeichnend für die Mentalität der Verlagsspitze ist der Umstand, dass die Redaktion nicht wieder aufgefüllt wurde, als der frühere Lokalchef voriges Jahr aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand ging. Sein Team hatte die Seiten ja auch vollgekriegt, als er krankgeschrieben war.
Es ist wahrscheinlich berufstypisch, dass unsereins in solchen Situationen den Ehrgeiz entwickelt, zu sagen: Wir schaffen das! Und wir uns nicht fragen: Welche qualitativen Abstriche müssen wir denn machen, um das quantitativ zu schaffen? Gehen diese Abstriche nicht zu weit? Zwingt uns das nicht zu faulen Kompromissen? Bleiben wir nicht unter unseren Möglichkeiten, wenn wir uns damit abfinden, dass wir nicht mehr die Ressourcen bekommen, die eigentlich nötig wären? Reden wir uns die Situation nicht schön?
Noch mal zurück zur Verwurzelung der Journalisten in der Bevölkerung, zur Lesernähe: Lokaljournalismus lebt von Reportern, die unter die Leute kommen. Der für Kaufering zuständige Redakteur wohnt leider nicht hier, also in der größten und urbansten Gemeinde des Landkreises Landsberg (nach der Kreisstadt natürlich).
Das wäre noch kein Problem, wenn freie Mitarbeiter diese Lücke schlössen. Nicht, dass hier keine freien Journalisten leben würden, die es drauf hätten. Es liegt am Geld. Man kann es sich nicht leisten, auf Honorarbasis für bayerische Lokalzeitungen zu schreiben. Wenn man davon leben müsste, könnte man seine Miete nicht bezahlen. Unser Tagblatt macht da keine Ausnahme, jedenfalls keine rühmliche. Als ich erfuhr, was die Redaktion für ein Foto zahlen darf (die Zahl war zu erschütternd, um sie hier zu nennen), habe ich nach den Texthonoraren erst gar nicht mehr gefragt.
Wenn ich faktisch ehrenamtlich arbeiten will, kann ich ja gleich bloggen.

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2 Antworten auf „Wie ich in die Zeitung kam“

  1. „ Bezeichnend für die Mentalität der Verlagsspitze ist der Umstand, dass die Redaktion nicht wieder aufgefüllt wurde, als der frühere Lokalchef voriges Jahr aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand ging. “

    Lieber Herr Froitzheim,
    Sie dürfen sich ja gerne darüber mokieren, dass Journalistenkollegen manchmal nicht oder nicht gut genug recherchieren. Toll wäre aber, wenn Sie Ihre hehren Maßstäbe auch an sich selbst anlegen würden.
    Zum obigen Zitat: Ich bin nicht aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand gegangen, sondern hatte bereits vor meiner Erkrankung eine (übrigens überaus großzügige, was Ihre Behauptung des pfennigfuchsenden Verlags Lügen straft) Altersteilzeitregelung meines Arbeitgebers in Anspruch genommen.
    Ja, so schnell kann man „alternative Fakten“ in die Welt setzen, wenn man glaubt, alles (besser) zu wissen…
    Nix für ungut, aber das musste jetzt sein. Und übrigens: Ich bin wieder kerngesund.

    1. Lieber Kollege Mitulla,
      zunächst mal: Es freut mich für Sie, dass Sie wieder kerngesund sind. Dass ich eine Kausalität angenommen habe, tut mir leid. Die bekannten Fakten waren, dass Sie krank waren und sich dann „in den Ruhestand verabschiedet haben“ (Zitat Dominic Wimmer). Dann war es eben das, was man heute Altersteilzeit nennt.
      Es freut mich weiterhin für Sie, dass der Verlag bei Ihnen nicht geknausert hat.
      Was mich nicht freuen kann, ist die Tatsache, dass die Redaktion so kurz gehalten wird, dass möglichst viel Papier mit Fotos bedruckt wird, die nix kosten (wie wird das doch so schön abgekürzt: „FKN“) und dass für Bilder freier Mitarbeiter, die man nicht für lau bekommt, gerade mal acht Euro im Budget vorgesehen sind.
      Jetzt habe ich die Zahl doch genannt – eine Zahl, die jede Einstufung des Verlags als „nicht pfennigfuchsend“ Lügen straft. (Pardon, aber diese Retourkutsche musste sein.)

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