Grüne PR auf dem ICE-Trittbrett

Die Grünen waren auch schon mal kritischer gegenüber der Deutschen Bahn. Heute fand ich in meiner Mailbox eine Presseinfo, in der Valerie Wilms, Sprecherin für Bahnpolitik der Bundestagsfraktion, die neuen „Ökostrom-Tarife“ der DB, die ab April in Kraft treten, hochjubelt:

„Jetzt endlich bietet die Deutsche Bahn etwas, was sich viele wünschen. Alle können endlich ohne Mehrkosten mit 100 Prozent erneuerbaren Energien fahren. Darüber freuen wir uns und dafür hat die DB auch ein Lob verdient.“

Sorry, aber das ist PR-Gewäsch. Wenn ich bei Flaute durch die abendliche Finsternis reise, kommt der Strom für „meinen“ ICE nach wie vor nicht aus Akkus, Pump- oder Druckluftspeichern. Es ist der klassische Mix, erzeugt von fossil befeuerten Kraftwerken, Atommeilern und Laufwasserturbinen, die im Dauerbetrieb laufen. Mein Regionalzug, der mich von München hierher in die Provinz bringt, fährt immer noch mit Diesel, weil die Strecke nach Lindau bis heute nicht elektrifiziert ist. Die Aussage der Bahn bezieht sich ausschließlich auf den innerdeutschen Fernverkehr.

Die DB verpflichtet sich mir gegenüber lediglich, soviel Ökostrom einzukaufen, wie rechnerisch auf meine Fahrten entfällt. Um das aber seriös zu machen, müsste sie schon genau erfassen, wann ich mit welchem Zug fahre und wie voll dieser besetzt ist. Wieviel Strom der einzelne Fahrgast verbraucht, mag annäherungsweise zu schätzen sein, zu 100 Prozent ist das aber mit der vorhandenen Technik gar nicht zu erfassen. Außerdem bleibt das alte Problem der Verlagerung: Wenn die Bahn für diesen Greenwashing-Tarif Strom von Laufwasserkraftwerken aus dem Markt kauft, enthält der Energiemix bei den Normalverbrauchern, die in der Grundversorgung geblieben sind oder einen billigen Mir-Wurscht-Tarif gebucht haben, fortan entsprechend weniger Wasserkraft und mehr Fossilstrom. Das gilt natürlich auch für Fahrgäste ohne Bahncard. Es handelt sich also um ein Nullsummenspiel, eine virtuelle Verschiebung  von Strommengen unter den verschiedenen Bahnkunden.

Kurzum: Das ist und bleibt Augenwischerei, solange nicht eigens für die Bahn neue Regenerativkraftwerke und Stromspeicher gebaut werden.

Wilms weiter:

„…Wichtig wäre vor allem eine Mobilitätskarte, mit der problemlos auf andere Verkehrsträger umgestiegen werden kann. Die Bahn hat dazu gute Voraussetzungen mit ihren Car-Sharing-Angeboten, Leihrädern oder dem mobilen Ticket-System, das leider selbst für die Bahn noch nicht flächendeckend funktioniert.“

Es wäre völlig unwirtschaftlich, das flächendeckend anzubieten. Hier in der Kleinstadt wäre dafür gar nicht die Nachfrage da. Es wäre schon ein Fortschritt, wenn es das wenigstens in jeder Stadt mit IC/ICE-Bahnhof gäbe.

„Aber es wäre auch wichtig, den Nahverkehr mit einzubeziehen, damit man auch problemlos vor Ort in den Bus umsteigen kann ohne erneut ein Ticket lösen zu müssen.“

Daran arbeitet die Bahn ja. In den großen Verkehrsverbünden kann ich als Bahncard-Kunde einfach mit dem ÖPNV weiterfahren. Es gehören aber immer zwei dazu. Die DB muss mit sehr vielen Verkehrsbetrieben verhandeln, und da ist schon logisch, dass sie sich zunächst auf die großen Verbünde konzentriert hat.

 

Sie sind der oder die 1031. Leser/in dieses Beitrags.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.