Neulich im Tragikomödienstadl

Es ist einfach nur traurig, was Hass aus Menschen macht: Die einen erfinden und streuen bösartige Gerüchte über ihre Feinde. Die anderen denken sich Verbalinjurien aus. Dritte entwickeln sich zu Prozesshanseln, die wegen jeder Petitesse vor Gericht ziehen — zum Beispiel um sich von dem Verdacht reinzuwaschen, sie hätten ihre Gedanken auf mädchenhaft roséfarbenem Papier ausgedruckt, obwohl nachweislich andere schuldig waren an dem für jeden aufrechten Macho unerträglichen Fauxpas. Manchen Typen reicht eines dieser drei Werkzeuge nicht: Sie wechseln nach gusto zwischen Ehrabschneiderei, Mobbing und Hanseltum. Andere niederzumachen, wird ihnen zum Lebensinhalt, das Internet zum Lebensraum, die Camouflage zur Lebensart. Gegen ihre so miesen wie billigen Tricks hilft kein Reputation Defender.

Völlig anderes Thema: die dehnbare Berufsbezeichnung „Journalist“. Wer heute alles mit Presseausweis-Derivaten herumläuft, ist durchaus bemerkenswert. Bekannte Fernsehschauspieler… 

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 …schnorren damit freien Eintritt; Unternehmer, Werbeheinis, diverse Mediziner sowie die gefühlte halbe Anwaltskammer einer deutschen Metropole tragen solche Plastikkärtchen mit sich herum, können sich also bei Bedarf als (Fach-) Journalisten ausgeben und die Bahncard First zum halben Preis beantragen (wer sagt, dass der von Intriganten aus dem Job gemobbte Große Korruptionsbekämpfer Hartmut Mehdorn für die Presse immer nur die Peitsche bereit hielt, übersieht wahrhaftig dieses Zuckerbrot). Was mich daran einzig wundert: Wissen diese Leute, die doch zumeist in ehrbaren Berufen ihr Brot verdienen, denn nicht, welch schlechtes Image wir Journalisten haben?

Ich kann mir selbst nicht recht erklären, weshalb mir gerade jetzt die beiden Kollegen Klausdieter Kohn-Endhardt und Hanswerner Hierlmüller (Namen geändert) einfallen. (Vielleicht sind diese ständigen Gedankensprünge eine Nebenwirkung des Bloggens?) Egal: Die beiden aus Süddeutschland stammenden Wahl-Preußen sind Journalisten, das haben sie mal nachgewiesen, sonst wären sie ja nie in den Journalistenverband aufgenommen worden. Zugegeben: Dort, wo unsereins gemeinhin auf sein Oeuvre aufmerksam zu machen pflegt, hinterlässt ihr Wirken schon lange keine Spuren mehr, und außer ihnen selbst weiß wohl auch niemand so genau, wo und wovon die Zwei heute leben. Es ist sogar richtig, dass man einen der beiden durchaus als alternden (Ex-) PR-Filmer, (Ex-) Radioschreck, (Ex-) Nebenerwerbsmimen oder passionierten Kläger titulieren könnte und den anderen als gescheiterten Marketingfachmann mit Ingenieursdiplom, fantasielosen Pseudonymen à la Peter Müller oder Klaus Maier sowie dem Tick, wie ein Westentaschen-Domaingrabber Dutzende Domains mit den absonderlichsten URLs anzumelden (sollten Sie im WWW mal über etwas wie „silvias-permanent-makeup .de“ stolpern, ist die Trefferwahrscheinlichkeit ziemlich hoch).  Aber unstreitig haben die Herren mindestens so sehr wie alle Schauspieler und Kaufleute und Anwälte das Recht, sich „Journalist“ zu nennen. Einmal Arzt, immer Arzt, einmal Journalist, immer Journalist. Das wird man nicht mehr los. (Über den verbesserungswürdigen Ruf unseres Berufsstandes habe ich mich ja bereits ausgelassen.)

Letzter Gedankensprung für heute: Beim Begriff „Stadl“ assoziiert der gemeine ARDeutsche immer Komödien. Die vulgärbairische Vokabel für „Scheune“ musste aber auch herhalten als Titel für ein rachsüchtelndes Machwerk, dessen un heimliche Urheber im ersten Absatz zur Genüge charakterisiert sind. Der Content dieses rufmörderischen Online-Pamphlets ist eine widerwärtige Melange aus Verunglimpfungen, böswilligen Verdrehungen, Zerrbildern und substanzlosen Sottisen, gewürzt mit einer Spur Fakten, die dem Gebräu einen Hauch von Plausibilität verleihen sollen. Dass das nicht kosher ist, wissen die Verfasser selbst, denn zumindest virtuell haben sie den Boden des Grundgesetzes vorsichtshalber verlassen. Staaten, in denen Feiglinge Webspace mieten können, ohne Verantwortung für den Inhalt übernehmen zu müssen, gibt es genug. Hat man dann noch einen Strohmann an der Hand, der sich ins „Whois“ schreiben lässt, diffamiert man ganz unbeschwert die Kritiker seines Anführers. So viel zum Thema „rechtsfreie Räume im Web“: Es gibt sie sehr wohl.

Tragikomisch daran ist, dass diese Saubande Schweinepriester Heckenschützen Herren sich offenbar dem Journalismus zugehörig fühlen, denn raison d`être des Stadls ist war die Beweihräucherung eines kleinen, an sich irrelevanten märkischen Journalistenclubs, dessen Oberhaupt das überdimensionale Ego eines Vorkämpfers der Meinungsfreiheit vor sich herträgt, durch namenlose Nahesteher. Man mag sich gar nicht vorstellen, der Mann sei stolz auf seine Lakaien, die ihn mit Lob behudel(te)n und seine Gegner schlechtmach(t)en. Leider lässt er nicht die geringste Anstrengung erkennen, dem niederträchtigen Treiben seines Fanclubs ein Ende zu setzen: Wenn er die suchmaschinenoptimierte Mobbing-Site schon nicht selbst vom Netz zu nehmen vermag, könnte er sich wenigstens von ihren Inhalten distanzieren.

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