SZ-Redakteur vergrößert Sony-Schaden

Wirtschaftsjournalisten sollten Taschenrechner und Excel-Tabellen beherrschen. Das allein genügt aber nicht. Sie sollten auch wissen, wann man welche Daten wie eintippt. Bei Sony haben Hacker Daten von 77 Millionen Kunden erbeutet. Ein IT-Sicherheitsexperte mit dem schönen Namen Larry Ponemon hatte kürzlich in anderem Zusammenhang gesagt, der durchschnittliche Schaden pro kompromittierten Nutzer-Account betrage 318 Dollar (also 220 Euro). In der SZ wendet der Redakteur daher einfach eine Grundrechenart an, die Plutimikation:

„Im schlimmsten Fall wären das fast 17 Milliarden Euro.“

Aus dem Seite-1-Beitrag über den Datendiebstahl bei Sony

Dieser schlimmste Fall ist schon deshalb ausgeschlossen, weil die Datenräuber logistisch gar nicht in der Lage wären, in der ihnen zur Verfügung stehenden Take-the-money-and-run-Phase auch nur annähernd eine solche Anzahl von Konten zu plündern. Im übrigen könnten es auch nur 20 Dollar statt 220 Euro sein.

„Wer aus Bequemlichkeit seine Kreditkartendaten einem Anbieter überlässt, statt sie bei jedem Kauf neu einzugeben, darf sich jetzt nicht wundern.“

aus dem Kommentar „Der Schatz im Netz“, SZ vom 28.4.2011, S.4

Auch damit fährt der Kollege heftig neben der Spur: Dass man die Daten nicht jedesmal eingeben muss, gehört zu den effektivsten Sicherheitsvorkehrungen, die es gibt. Je seltener Kreditkarten-Daten durchs Internet geschickt werden, um so weniger Gelegenheiten haben Diebe. Im übrigen lassen die meisten Unternehmen ihren Kunden gar nicht die Wahl, ob sie die Daten jedesmal einzeln oder einmal für immer eingeben. Nur um die dreistellige (Un-)Sicherheitszahl von der Kreditkarten-Rückseite bitten sie jedesmal aufs Neue.

Übrigens: Auch wo der Kunde sich nicht „registrieren“ muss, also seine Daten für einmaligen Gebrauch eingeben kann, muss er damit rechnen, dass diese Daten auf dem Server des Unternehmens gespeichert bleiben – und damit ein potenzielles Ziel für Hackerangriffe bilden Es geht also nur darum, wie die Unternehmen ihre Kundendaten sichern. Und nicht darum, was der Kunde tut.

Wenn man sich also schon in einem Kommentar entrüstet, dann bitte über Sony. Die Informationen des Konzerns zum Thema findet man leichter über Google als über die Sony-Homepage, und dass die Betroffenen auf eine 01805-Nummer verwiesen werden, ist mehr als dreist.

Sie sind der oder die 917. Leser/in dieses Beitrags.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.