Untiefen im Flach-TV


Selbst die faszinierendste 3D-Technik verpufft, wenn es den Inhalten an Tiefgang mangelt.

Sie haben ja so recht, die Medientheoretiker: Das Fernsehen manipuliert unsere Wahrnehmung der Welt, indem es nur Ausschnitte der Wirklichkeit zeigt. Darüber kann auch der Trend zum cinemascopischen Ultraquerformat nicht hinwegtäuschen. Dank 16:9 sehen wir links und rechts mehr Nebensächliches. Hinter die Dinge schauen wir aber auch damit nicht: Unsere Bildschirme werden immer flacher, die Tiefe des Raums lassen sie höchstens erahnen.

So kann das nicht bleiben. Von M. C. Escher – dem Erfinder der endlos aufsteigenden Treppe und des sich selbst speisenden Wasserfalls – haben wir ja gelernt, was herauskommt, wenn man die Interpretation zweidimensionaler Bilder dem Gehirn überlässt. Am liebsten würde man in seine Bilder einsteigen und die unglaublichen Bauwerke von allen Seiten inspizieren. Doch nimmt man für bare Münze, was derzeit alles so geschrieben wird, könnte eine andere Lösung des Problems nahe sein: Von der Sehnsucht nach tiefen Einsichten beflügelte Techniker propagieren die Dreidimensionalisierung der visuellen Kommunikation – man könnte direkt meinen, das Holodeck sei bald serienreif.

Ganz so umwerfend ist der Stand der Technik allerdings nicht: Virtual-Reality-Projektionen sind kaum lebensechter als Second Life in Stereo. Dennoch sollen Autokäufer den digitalen Prototypen ihres persönlichen Traumwagens bald selbst zusammenbasteln. Nur die 3D-Monsterbrille sollte tunlichst noch verschwinden. Dies könnte mit einer neuen Entwicklung gelingen, die dem Auge auf einem handelsüblichen Monitor Hologramme vorspiegelt. Leider funktioniert das nur aus einem engen Blickwinkel – und nur in Rot. Doch selbst wenn es 65536 Farbtöne wären: Würden Sie ein 40000-EuroProdukt aus dem Simulator kaufen?

Aus Oldenburg kommt derweil eine Meldung der Kategorie „Illusionistentricks für technophile Bestverdiener“: Ein TV-Spezialist liefert Kunden, die ihren Highend-Plasmafernseher noch mal um 8000 Euro verteuern wollen, eine „Master Unit“, die auf Grundlage des normalen PAL- Signals räumliche Tiefe vorgaukelt. Ein solchermaßen schöngerechnetes Bild allerdings macht das real existierende Kerner-Bohlen-Silbereisen-Niveau kein Jota erträglicher – wer Qualitätsfernsehen mit inhaltlicher Tiefe verlangt, überfordert eben selbst den besten Ingenieur.

Aus der Technology Review 8/2007, Kolumne FROITZELEIEN

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