E.T. in der Warteschleife


500 Millionen Erden rotieren im All, doch die USA knausern bei der Alien-Forschung.

Unser Mitgefühl gilt diesen Monat Professor Jill Tarter, der Frau, die Vorbild war für Ellie Arroway, Hauptfigur von Carl Sagans Science-Fiction-Epos „Contact“. Anders als ihrer literarisch-fiktiven Schwester war der echten Professorin bis heute kein Kontakt mit unbekannten Lebensformen vergönnt. Zeit ihres Berufslebens konnte die 67-jährige „Alien-Forscherin“ am kalifornischen SETI-Institut nichts tun, als in einem Gewirr hochfrequenter Wellen zu stöbern. Dummerweise war alles unbelebtes Rauschen, keine Spur einer noch so schüchternen Botschaft (Hallo?) außerirdischer Intelligenzen. Dabei kann doch jeder Erdling im Internet nachlesen, dass es am Himmel über Amerika nur so wimmelt von UFOs. Telefonieren die denn nie nach Hause?

Wenn es nach ein paar herzlosen amerikanischen Politikern geht, werden wir das nie erfahren, denn sie halten die Subventionen für Tarters SETI-Team für rausgeschmissenes Geld. Haben sie sich denn nie gefragt, warum die SEARCH-FOR-EXTRATERRESTRIAL-INTELLIGENCE- Truppe außerhalb der Erde nach Intelligenz suchen muss? Auch Microsoft-Gründer Paul Allen kümmert es anscheinend wenig, was aus dem Allen Telescope Array (ATA) wird, dem Horchposten, den er 2004 dem SETI gestiftet hatte. In seiner Not hat SETI-Geschäftsführer Tom Pierson deshalb die 42 Antennen am Hat Creek erst mal in den „Winterschlaf“-Modus versetzt, ein Rudel Forscher heimgeschickt und einen Bettelbrief an die SETI-Fangemeinde geschrieben.

Sicher, man könnte statt dessen ein kleines Moratorium einlegen, bis sich die Bonität der USA wieder erholt hat. Ob Funksprüche von zigtausend Lichtjahre entfernten Planeten nun 100 Jahre früher oder später entschlüsselt werden, ist egal. Und natürlich würde unser Gewissen es uns danken, wenn wir beim Spenden erst mal an hungernde Kinder dächten. Aber andererseits: Jill Tarter wird ja nicht jünger, und wer würde ausgerechnet jetzt aufgeben, da die Wissenschaft endlich weiß, wo sie suchen muss: Anfang des Jahres verkündete die Nasa, ihr 2009 gestartetes Weltraumteleskop „Kepler“ habe bereits Hinweise auf 1200 Exoplaneten gefunden – dreimal so viele, wie zuvor bekannt waren. 54 Stück davon sind denkbare Heimatbasen für irgendetwas Lebendes. Sie kreisen nämlich in einer so angenehmen Distanz um ihre Sonne, dass mögliche Bewohner weder kochend heiße Dämpfe inhalieren noch Eiswürfel knabbern müssten, um ihren Durst zu löschen.

Von den 50 Milliarden Planeten, die sich im Dunkel des Alls verstecken, meint Professor Tarter, müsste jeder Hunderste bewohnbar sein. Okay, für uns verwöhnte Wohlstandswesen vielleicht nicht. Aber wie wir einst von Jedi-Meister Yoda gelernt haben, hat ja nicht jede intelligente Lebensform unsere Ansprüche ans Ambiente.

Die Forscherin stimmt jedenfalls der Gedanke optimistisch, dass Mutter Erde da draußen 500 Millionen Schwestern hat: Wenn wir definitiv wüssten, dass wir nicht allein sind im Weltall, sagt Tarter, würden wir uns bestimmt besser benehmen. Wenn sie sich da mal nicht irrt.

ULF J. FROITZHEIM, freier Journalist, ist enttäuscht von seinen USA-Reisen: Nie hat er ein einziges UFO gesichtet.

TECHNOLOGY REVIEW | JUNI 2011

Sie sind der oder die 1235. Leser/in dieses Beitrags.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.