Münchner Richter empfiehlt „freundliche Berichterstattung“

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über einen Rechtsstreit, der offenbart, wie tief manche Medien gesunken sind (falls sie im speziellen Fall nicht schon länger dort unten waren, wo man sie jetzt sieht) – und welche Ahnung manche Richter von Presserecht und -kodex haben. Nämlich so gut wie keine.

Es geht um einen gealterten Münchner Stenz namens Roberto B., der seit Jahrzehnten in Symbiose mit der Tratschpresse lebt. Weiterlesen

DLD dumm didel-di

Hubert Burda ist ein Fuchs. Er weiß, wie man in andere Medien kommt. Man gibt der Avantgarde der digitalen Parallelwelt eine Bühne für den großen Auftritt, und schon kommen wir Trittbrettfahrer von der Analogpresse angelaufen. (Nun gut, wir stimmt nicht ganz, denn ich habe mir die DLD-„Konferenz“ dieses Jahr verkniffen.)

Die Berichterstattung treibt dann schon mal Blüten wie diese (über Google-Chairman-in-spe Eric Schmidt)…

Eigentlich sagt schon der Name MICROsystems, dass Sun das Gegenteil von Großrechnern baute.

oder jene:

Bei Ray Charles sollte sich Jack auf die Straße (Road) schlagen, nicht auf die Reihe.

Digital-naiver Maoismus

Es ist doch immer wieder schön, wenn man sich eine nicht ganz mehrheitsfähige Meinung gebildet hat, diese so bescheiden wie beharrlich vertritt –  und plötzlich ganz überraschend ein Prominenter auf den Plan tritt, der viel weiter geht, der viel radikaler denkt, der viel stärker pointiert und polarisiert.

Deshalb bin ich Jörg Häntzschel und der Süddeutschen Zeitung dankbar, dass sie im Feuilleton der Printausgabe (wenn auch leider nicht auf der Aufmacherseite) einen Fünfspalter mit der Headline „Google ist das Äquivalent zur Kommunistischen Partei“ publiziert haben: ein Interview mit Jaron Lanier, einem amerikanischen Intellektuellen, Künstler und Unternehmer, der schon im Cyberspace unterwegs war, als die so genannten Digital Na(t)ives unserer Tage noch nicht mal am analogen Schnuller genuckelt haben. Den ersten Text über ihn bekam ich vor 20 Jahren Weiterlesen

Hasenbeck weck

So ganz spannungsfrei war das Verhältnis von Manfred Hasenbeck zu seinem Kompagnon Burda ja schon länger nicht mehr. Jetzt ist Mr. Yukom draußen. Die 75-Prozent-Corporate-Publishing-Tochter Burda Yukom ist nur noch Burda.

Mal gespannt, was mein Ex-Chef und Ex-Auftraggeber Manni H. als nächstes macht. Bären jagen in Russland, Schlittenhunde einspannen im alaskischen Yukon Territory? Wäre dem Dynamiker zuzutrauen, aber ganz bestimmt nicht auf Dauer. Für die Rente ist er mit 58 noch um einiges zu jung – und zu sehr Unternehmer.

Über ihn ist viel und nicht immer grundlos gelästert worden, aber da der Mann vom Steinhuder Meer selbst zu der Sorte Mensch gehört, die für eine gute Pointe die eigene Schwiegermutter verkauft, nimmt er es für gewöhnlich mit Humor. Trotz seines Wechsels ins Lager der Auftragskommunikations-Verleger hat der Erfinder der Anweisung "machen Sie aus dem Ochsen einen Brühwürfel!" und der Parole "selbst Goethe wird durch Kürzen besser" sein Faible für einen leser-orientierten Journalismus nie verleugnet.

Ich denke, man sieht sich.

Neuartige Yellowpress-Anzeigegeräte

Eine witzige Idee zum Thema Paid Content entwickelt Perlentaucher-Leser(in)  klinkhart in einem Kommentar zu Anja Seeligers Meinungsstück „Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz“ :

„Vielleicht erklären wir ja demnächst Computer zu „neumodischen Yellowpress Anzeigegeräten“ die wir einer Presse-GEZ zu melden haben. Mein Vorschlag: Jeder Seitenbetreiber stellt Herrn Burda und den öffentlich rechtlichen für jeden eigenen Beitrag eine Rechnung, da sie ja theorethisch in der Lage sind den Artikel zu lesen. Bitte Mahnung und Mahnbescheid nicht vergessen.“