Gesichts-Verkennung oder die toten Augen von London

Neulich war ich in London, wo an jeder Ecke diese CCTV-Kameras herumhängen. Wenn ich manchen Auskennern Glauben schenken will, ist die Gesichtserkennung inzwischen ja so toll, dass ich davon ausgehen muss, dass der MI 5 oder MI 6 jeden meiner Schritte in der City auf einer Festplatte festgehalten hat. Da kann einem schon der Orwell’sche Schauer den Rücken hinabkriechen.

Was mich dann wieder sehr gelassen gemacht hat, war diese Spitzenleistung hier, die Big Brother Google ablieferte, als ich wissen wollte, wer dieser Zuhörer bei einem Hearing des US-Senats sein könnte:

Auch mit Hilfestellung fand Google nur… tja, Gesichter. Und wo Frank Zappa selig plötzlich herkam, mit Datum vom Freitag, dem 13. April 2012, ist mir auch ein wenig schleierhaft. Das Hearing, in dem er auftrat, fand lange vor der Erfindung des Webs statt.


Vielleicht ist die Technik ja doch noch nicht so ausgereift, wie wir glauben sollen. Oder wird Google etwa von den Schlapphüten genau dafür subventioniert, damit wir Privacy-Fetischisten uns in falscher Sicherheit wiegen? 😉

Fernseher für Maulwürfe

Seniorenhandys haben Riesentasten und ein Display, das für die riesigen Ziffern viel zu klein ist. Auf der IFA zeigt Samsung jetzt einen Fernseher, dessen Zielgruppe vermutlich ebenfalls sehgestörte Senioren sind. Riesig an ihm sind neben dem Preis (7999 Euro – nein, da ist keine 9 zuviel!)  vor allem die Pixel: Der Bildschirm hat die fünffache Diagonale eines Macbooks mit Retina-Display, nämlich 1,89 Meter, füllt das Bild aber mit 60 Prozent weniger Bildpunkten als jenes: 1080 Punkte in der Höhe, 1920 in der Breite. Pro Zentimeter sind das etwa 12 Pixel. Die Punkte sind also fast einen Millimeter groß. Wer sich noch an die ersten Röhren-Farbfernseher von 1969 erinnert, weiß, was ich meine.

Um die Grobkörnigkeit eines solchen Bildes nicht wahrzunehmen, muss man schon eine Turnhalle als Wohnzimmer oder die Sehstärke eines Maulwurfs haben. (Wer so schlecht sieht, erkennt vielleicht auch nicht, dass im Preis tatsächlich drei Neunen hinter der Sieben stehen.)

Unfaire Datenretter

Ab und zu löscht irgendwer in der Familie versehentlich Fotos von der SD-Karte. Kein Problem, die Daten zu retten – mit der richtigen Software. Leider wird die Shareware, die ich vor Jahren auf meinem Mac installiert hatte, nicht mehr aktualisiert; sie hängt sich ständig auf. Also hielt ich Ausschau nach einer neuen und stieß auf Stellar Photo Recovery. Mich machte stutzig, dass man sie downloaden konnte, ohne dass ein Preis angezeigt wurde. Sollte das Freeware sein? Oder Freemium, also eine Software, die mit eingeschränktem Funktionsumfang gratis ist und nur in der Vollversion kostet?

Das Programm ließ sich installieren, zeigte alle gelöschten Dateien und bat nur noch um eine „Registrierung“. Dann kam’s: Wenn ich die Daten wiederherstellen will, spare ich $ 10.00! Statt 40,99 € kostet mich „Unfaire Datenretter“ weiterlesen

„Facebook-Party“: keine Lappalie

Am Samstag ging’s heiß her in unserer kleinen Marktgemeinde: 18.000 Facebooker hatten sich – wenn auch größtenteils aus „Jux“, nämlich um Bayerns Bereitschaftspolizisten  (BePo) das freie Wochenende zu versauen – in Kaufering angesagt, um am Baggersee mit einer 13-Jährigen Kindergeburtstag zu feiern. Nur um mal die Dimension zu verdeutlichen: Das wären fast doppelt so viele „Gäste“ wie Einwohner gewesen.

Manche Menschen, auch Leserbriefschreiber bei unserer örtlichen Tageszeitung, halten den Aufwand für übertrieben, mit dem Landrat, Bürgermeister und Polizei auf die Bedrohung des öffentlichen Friedens reagiert haben. Immerhin hätte sich von den paar Hundert Besuchern, die sich am Ende trotz strafbewehrten Open-Air-Partyverbots bei uns vergnügten, wohl jeder seinen persönlichen Polizeibeamten aussuchen können.

Wer die Abschreckung im Vorfeld und den Auftritt der zum Teil aus der Bamberger Gegend herbeorderten BePo-Einheiten zu drakonisch oder zu martialisch hält, der möge bedenken, dass Kauferings Bürgermeister Erich Püttner ein berechtigtes Interesse daran hatte, nicht mit Adolf Sauerland in einem Atemzug genannt zu werden – und auch wir Bürger nicht erleben wollten, was den Duisburgern vor zwei Jahren passiert ist. „„Facebook-Party“: keine Lappalie“ weiterlesen

Ich lerne nicht programmieren

„Wenn wir die Digitalisierung wirklich begreifen wollten, dann müssten wir Programmieren lernen. Das werde bald so wichtig sein wie Lesen, Schreiben und Rechnen.“

Niklas Hofmann zitiert in der Süddeutschen Markus Beckedahl

Um Auto zu fahren, brauche ich nicht in der Lage zu sein, selbst ein Auto zu konstruieren. Ich muss es nur sicher beherrschen und die Verkehrsregeln kennen. Der Irrglaube, man lerne das Richtige über IT, wenn man sich mit Programmiersprachen befasst, zieht sich auch durch die Curricula für den Informatikunterricht an Schulen. Der produziert reihenweise digital-na(t)ive Analphabeten.