Leif-Berichterstattung: Der Pate der Netzwerker geht

Die SZ widmet der Jahrestagung des Nettzwergs Netzwerks Recherche (NR) großen Raum. Festredner Günter Grass bekam die ganze erste Feuilleton-Seite, die Medienseite wird beherrscht von einem Bericht über den Abgang des Vorsitzenden Thomas Leif aufgrund eines Eklats um ungerechtfertigt beantragte Subventionen der Bundeszentrale für Polititsche Bildung. An diesem Text verblüffete mich ein erschütternd naiver Satz:

„Bis Freitag schien auch Thomas Leif über jeden Zweifel erhaben.“

„Ein Vorbild in Erklärungsnot“, SZ vom 4. Juli 2011 (Medienseite)

Erschütternd deshalb, weil es explizit um Recherche geht – also auch darum, wie sehr sich der Reporter in die Materie eingearbeitet hat. Bei einer (zumindest in Journalistenkreisen) derart exponierten Figur wie Leif nicht zu wissen, wie umstritten dieser berühmte Kollege vom SWR-Fernsehen seit mindestens fünf Jahren ist, „Leif-Berichterstattung: Der Pate der Netzwerker geht“ weiterlesen

Schreiben für den Insolvenzverwalter

Meine Ex-Kollegin Katja Kullmann – sie war sehr jung damals, anno 2001 bei BIZZ – hat ein Buch über die prekäre wirtschaftliche Lage unserer Zunft geschrieben. Das Werk ist Rezensenten von FAZ bis SZ lange Riemen in prominenter Platzierung wert. Wenn jetzt viele Menschen das Buch kaufen, wenn es womöglich ein Bestseller wird, was hat Katja davon? Finanziell erst mal Null Komma gar nix, denn der Verlag heißt Eichborn – ist also, wie man weiß, selbst in prekärer Lage, nämlich insolvent.

Wenn der Inso-Verwalter eines Verlags durch Bestseller Geld in die Kasse kriegt, dann mag das schön sein für die Gläubiger. Aber ungleich schöner als für die Bestsellerautoren „Schreiben für den Insolvenzverwalter“ weiterlesen

Aus meinem Archiv: DAB

Die Süddeutsche widmet heute ihre komplette Medienseite dem verkorksten Versuch, das Digitalradio DAB mit dem Zusatz „Plus“ doch noch durchzusetzen („Das große Wellenbrechen“).

Eine schöne, kritische Aufarbeitung eines Projekts, das bei mir ein déja vu auslöst. Dass DAB ohne realistischen „Business Case“ aufgesetzt wurde, ist so gar nicht neu.

Wikio: „Experten“, die für 5 Euro schreiben?

Der Zynismus der modernen Ausbeuter kennt keine Schamgrenzen. Die neueste Dreistigkeit kommt aus Frankreich (bzw. Luxemburg) und nennt sich „Wikio Experts“. Der Ableger der Firma Wikio baut eigenen Content auf und sucht gerade Dumme, die für Honorärchen schreiben, für die sich selbst die für ihre Sparsamkeit bekannte Verlegerfamilie des Straubinger Tagblatts in Grund und Boden genieren würde.

Jedes Wort, das sich der schreibende „Experte“ abringt, wird – „je nach Thema und Arbeitsaufwand“, ergo nach Gutdünken des Auftraggebers – mit 0,0125 bis 0,075 € vergütet. „Wikio: „Experten“, die für 5 Euro schreiben?“ weiterlesen

Nix Hurra, Herr Lengsfeld!

Detlev Lengsfeld ist ein Narr. Er scheint nämlich zu glauben, dass es Journalisten gibt, die sich durch solch eine Spam-Mail (ganzer Text unten) angesprochen fühlen und umsonst für ihn arbeiten. Der Mann betreibt „Internet Marketing / Web Design und Entwicklung“ sowie nebenher eine Website namens „ngo-online.de“, ganz so, als spreche er für Deutschlands Non-Governmental Organizations. Er ist sein eigener Partner, hetzt gegen „korrupte Betriebsräte“, „unfähige Gewerkschafter“ und „kriminelle Manager“ bei seinem Ex-Arbeitgeber VW und verfasst ansonsten manches wirre Zeug.

Hier das Spam-Traktat in voller Länge:

Hallo — Hurra! -Wir haben SIE gefunden!
„Nix Hurra, Herr Lengsfeld!“ weiterlesen