„Facebook-Party“: keine Lappalie

Am Samstag ging’s heiß her in unserer kleinen Marktgemeinde: 18.000 Facebooker hatten sich – wenn auch größtenteils aus „Jux“, nämlich um Bayerns Bereitschaftspolizisten  (BePo) das freie Wochenende zu versauen – in Kaufering angesagt, um am Baggersee mit einer 13-Jährigen Kindergeburtstag zu feiern. Nur um mal die Dimension zu verdeutlichen: Das wären fast doppelt so viele „Gäste“ wie Einwohner gewesen.

Manche Menschen, auch Leserbriefschreiber bei unserer örtlichen Tageszeitung, halten den Aufwand für übertrieben, mit dem Landrat, Bürgermeister und Polizei auf die Bedrohung des öffentlichen Friedens reagiert haben. Immerhin hätte sich von den paar Hundert Besuchern, die sich am Ende trotz strafbewehrten Open-Air-Partyverbots bei uns vergnügten, wohl jeder seinen persönlichen Polizeibeamten aussuchen können.

Wer die Abschreckung im Vorfeld und den Auftritt der zum Teil aus der Bamberger Gegend herbeorderten BePo-Einheiten zu drakonisch oder zu martialisch hält, der möge bedenken, dass Kauferings Bürgermeister Erich Püttner ein berechtigtes Interesse daran hatte, nicht mit Adolf Sauerland in einem Atemzug genannt zu werden – und auch wir Bürger nicht erleben wollten, was den Duisburgern vor zwei Jahren passiert ist.

Eine „Party“ mit 18.000 überwiegend ange- bis be-trunkenen Jugendlichen an einem nicht zum Baden hergerichteten oder gar freigegebenen und deshalb vom Eigentümer umzäunten Baggersee wäre eine lebensgefährliche Veranstaltung geworden. Wenn 100 oder 200 Einheimische, die das Gelände kennen, dort unerlaubt Party machen, hält sich die Gefahr sehr in Grenzen. Selbst die Aussicht auf die Ausscheidungen von 18.000 Menschen, die am Ort der Party keinerlei sanitäre Einrichtung vorgefunden hätten, war noch vergleichsweise harmlos.

Wären aber Tausende über die Schranke geklettert oder hätten den Maschendrahtzaun eingerissen, oder hätten sie später im Dunkel der Nacht versucht, mit zwei Promille den Weg zurück zu finden, wäre es reine Glückssache gewesen, ob alle es überleben. Man kann sich zum Beispiel nicht nur tottrampeln lassen, man kann auch ertrinken. Ist für einen Besoffenen überhaupt keine Kunst. Einen Ertrinkenden im Schein von Lagerfeuern oder Taschenlampen zu retten, ist auch nicht trivial.

Die rigorose Taktik der Einsatzleitung war also nichts als eine Konsequenz aus der Love Parade. Niemand hielt die einzelnen Partygänger für gefährlich. Brisant war nur die Schwarmdummheit von Hunderten Jugendlichen, die grölend durch die Straßen zogen, zur Gaudi leere Bier- und Wodkaflaschen auf den Radwegen zertrümmerten und keine Sekunde darüber nachgedacht hatten, was für eine Infrastruktur sie bei einer nicht organisierten Party vorfinden würden. Wären von der Sorte wirklich ein paar Tausend an den Polizeisperren vorbeigekommen, wären jetzt zumindest unsere Krankenhäuser voll.

Und die naive Selina litte nicht nur an einem einfachen Nervenzusammenbruch, weil sie sich zum Gespött der Facebook-Community gemacht hat, sondern hätte sich durch ihr falsch gesetztes Häkchen bei der Facebook-Einladung auf Dauer unglücklich gemacht.

Sie sind der oder die 1730. Leser/in dieses Beitrags.

3 Gedanken zu „„Facebook-Party“: keine Lappalie

  1. Vernünftige Gedanken.

    Allerdings passierte Duisburg nicht wegen unvernünftiger, besoffener oder unter Drogen stehender Jugendlicher, sondern weil machtgeile Nixwisser (und dami meine ich nicht die Polizei, die Katastrophe wäre ohne deren Panne eine Stunde später auch passiert) avisierte Millionen durch einen Tunnel und über eine Rampe ins umzäunte KZ äh Festivalgelände getrieben hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.