Medizin-Websites: Quacksalber online

Im Internet machen sich selbst ernannte Gesundheitshelfer mit ihren medizinischen Weisheiten breit. Nur ein Bruchteil der Angebote hilft wirklich weiter. Belangloses,  Pharmawerbung und pure Scharlatanerie dominieren das Netz.

Elektromagnete killen Malaria-Erreger. Impotente Männer fordern Viagra auf Kassenrezept und bei Grillfesten droht die Salmonellenplage. Abstruse Ratschläge, obskure Heilmethoden, Wunderpillen zum Supersonderschmugglerpreis frei Haus. Willkommen im Internet, dem fröhlich-chaotischen Medizinmarkt.

Die Produktion von Health Content floriert weltweit. Weit über eine halbe Million deutschsprachige Internet-Seiten, so schätzen Marktforscher, drehen sich um das Thema Gesundheit – von der Vorbeugung über die Erkennung bis zur Behandlung und Nachsorge von Krankheiten, von hochkarätiger Fachinformation bis zu verantwortungslosem Humbug. In den USA gibt es schon fast so viele Gesundheits-Web-Seiten wie Menschen, die sie regelmäßig nutzen: mehr als 20 Millionen. Hinzu kommt die Beratung per E-Mail: Internet-Freaks beschreiben ihre Wehwehchen auf einer elektronischen Postkarte und erwarten, dass ihr Hausarzt mausklickend seine Ferndiagnose übermittelt. „To see a doctor“, einst durchaus wörtlich gemeint, empfinden sie als lästig – jedenfalls solange die Beschwerden nicht zu arg sind. „Medizin-Websites: Quacksalber online“ weiterlesen

Digital Video: Fernsehstudio im Handgepäck

Digitale Videotechnik macht aus Hobbyfilmern professionelle Kameraleute, Cutter und Regisseure. Noch nie war es für Laien einfacher, einen perfekten Film zu drehen.

 

Urlaubsvideo – dieses Wort kommt auf der deutschen Langeweileskala gleich nach Diaabend. Massenweise belanglose Szenen, unscharfe Zoom-Fahrten, verwackelte Panoramaschwenks, von Dramaturgiedilettanten ohne Sinn und Verstand hintereinander kopiert. Der Video-Boom der 80er und 90er mit seinem spottbilligen Aufnahmematerial war der Tod des planvoll gedrehten Amateurfilms der Super-8-Ära.

Ausgerechnet der Preisverfall bei Chips und Computern macht jetzt das Filmen als Hobby wieder attraktiv. Volldigitalisierte Videokameras erleichtern es, in Symbiose mit leistungsfähigen Multimedia-Heimcomputern, passable Filme zu drehen, zu schneiden und zu vertonen. Laien gebieten plötzlich über Technik, die vor wenigen Jahren nicht einmal den Kamera-Teams großer Fernsehsender zur Verfügung stand. Unruhige Hand und kein Stativ dabei? Macht nichts. „Digital Video: Fernsehstudio im Handgepäck“ weiterlesen

Flatrate: Pauschale für Profis

Mit den neuen Flatrate-Tarifen können Viel-Surfer den Gebührenzähler vergessen. Acht Angebote unter 100 Mark im Monat im Überblick – ihre Stärken, ihre Schwächen.

 

Abends bei Jens Schröder anzurufen, ist zwecklos. über Stunden ist seine Telefonleitung blockiert. Inzwischen klingeln Freunde den 28-jährigen Redakteur aus Heidelberg gleich auf dem Handy an und bitten ihn, nein, nicht endlich den Hörer aufzulegen, sondern mal kurz T-Offline zu gehen. Denn Schröder ist einer der ersten Abonnenten des neuen Internet-Pauschaltarifs T-Online flat. Für ein Fixum von 79 Mark im Monat, im Branchenjargon Flatrate genannt, lässt ihn die Telekom seit Juni so oft und so lange im Web surfen, wie er mag. Und Schröder mag oft und lange. Als erstes hat der Kinofan einen „Star Wars“-Film-Trailer heruntergeladen. Die Zeit, die sein Modem damit beschäftigt war, hätte lässig gereicht, eine ungekürzte Episode der Skywalker-Saga auf der Leinwand zu betrachten: Wenn sich 30 Megabytes durchs Telefonkabel quälen, sind zwei Stunden weg wie nichts. „Ist doch egal“, findet Schröder, „dann lässt man den Computer eben die ganze Nacht laufen.“

Genau diesen Effekt hatten Europas Telefongesellschaften jahrelang erfolgreich zu verhindern versucht. Dann, vor wenigen Wochen, die überraschung: Für nicht einmal 80 Mark pro Monat machen Telekom, AOl sowie drei andere bundesweite Anbieter den Weg frei. Regionale Netzbetreiber mit eigenen Leitungen zu den Endkunden schaffen es sogar für rund 50 Mark. „Flatrate: Pauschale für Profis“ weiterlesen

Unified Messaging: Immer und überall auf Draht

E-Mail aufs Telefon, Fax auf den PC, SMS als Fax – Unified Messaging Service macht’s möglich. Die besten Anbieter, die Funktionen, die Preise.

 

Der Begriff ist ein Monstrum: Unified Messaging Service (UMS). Wörtlich übersetzt bedeutet er: vereinigte Benachrichtigungsdienste. Geprägt hat ihn ausgerechnet ein deutscher USA-Auswanderer, der ehemalige Ostberliner Rap-Musiker Jens Müller. Heute begeistert die UMS-Technik weltweit die Multimediageneration: Telefongespräch, Fax, E-Mail, SMS-Nachricht – alles ist untereinander kompatibel.

Der Clou für die Nutzer: Wer sich bei einem UMS-Dienst angemeldet hat, ist von Paderborn bis Punta Cana von allen üblichen Kommunikationsgeräten aus erreichbar. Um Nachrichten zu erhalten, reichen ein Handy, ein Faxgerät im Hotel oder ein Computer in einem Internet-Cafe aus. Die UMS-Anbieter leiten zum Beispiel E-Mails auf jedes beliebige Faxgerät weiter oder lesen sie mithilfe eines Sprachroboters am Telefon vor. Sie schicken eine SMS-Botschaft auf das Handy-Display des Kunden, um ein Fax anzukündigen. Und bei Bedarf verwandeln sie Nachrichten auf dem Anrufbeantworter in Sound-Dateien, hängen sie an eine E-Mail und senden sie rund um die Welt. Dann können die Nutzer ihre Voicemails jederzeit und überall mit einem Mausklick über die Sound-Karte eines PC abhören.

UMS kann aber auch für die totale Ruhe sorgen: Wer nicht erreichbar sein will, lässt E-Mails automatisch beantworten oder direkt löschen, was von ungeliebten Absendern kommt. „Unified Messaging: Immer und überall auf Draht“ weiterlesen

Porträt: Netter Haifisch

John Thomas Chambers ist der gierigste Verkäufer der New Economy – und der netteste Prophet des Internet-Zeitalters. Sein Unternehmen Cisco Systems zählt zu den wertvollsten der Welt.

 

Wie der Premierminister von Russland heißt? Solche Namen merkt sich John Thomas Chambers erst gar nicht – die Personalfluktuation im Kreml ist viel zu groß. Al Gore? Das sei ein wichtiger Mann, Vizepräsident der USA, demnächst womöglich Präsident. Zwar in der falschen Partei, aber ein Freund des Internets. Damals, Anfang 1998, außerdem politischer Türöffner in Russland. Solche Leute zählen für den Manager Chambers. Schließlich verfolgt er ein ehrgeiziges Ziel: Im Global Networked Business des 21. Jahrhunderts soll seine Firma Cisco Systems ganz oben stehen.

In gewisser Weise tut sie das bereits. Ohne die Produkte von Cisco, die Aberbillionen von Datenpäckchen sicher durch das weltumspannende Kabelgewirr der digitalen Netze manövrieren, wäre das Internet schon vor Jahren in sich zusammengebrochen. „Porträt: Netter Haifisch“ weiterlesen