2006: Das große Fernseh-Spiel

Das Handelsblatt hat im Moment ein großes Thema: Apples vermuteten Einstieg ins Fernsehgeschäft. Eigentlich ist es erstaunlich, dass das alles noch Zukunftsmusik ist und nicht längst Gegenwart. Den folgenden Beitrag habe ich vor fünf Jahren geschrieben – im BJVreport anlässlich der Münchner Medientage 2006. Die Illustration mit der Apple-Front-Row-Fernbedienung sollte symbolisieren, dass TV-Fernbedienungen, die wie Computertastaturen anmuten, eigentlich ausgedient haben.

Ob Computer und Fernseher zusammenwachsen, ist auch eine Frage der Ergonomie. Computertastaturen sind wenigstens genormt und beschriftet. Mit einer „Universal-Fernbedienung“ bewältigt der Zuschauer indes nur die Grundfunktionen von Fernseher und Recorder. Am radikalsten ist der Ansatz, gleich alle Funktionen in die Software zu verlagern: Die knopfarme Fernbedienung links gehört zu einem Multimedia-Computer.

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Lauffs Leviten lesen!

Es ist viiiieeelll Text, den Werner Lauff uns zum Jahreswechsel zumutet, aber jeder Medienmensch sollte sich die Zeit für seinen medienjährlichen Rück- und Ausblick nehmen – vor allem die Führungskräfte der Branche. Lauff hat buchstäblich alles, was in der Medienwelt derzeit abgeht, analysiert, sortiert, strukturiert, in den Zusammenhang gestellt. Die Einzelfakten kennt man, aber hier wird das große Bild sichtbar.

Pflichtlektüre! (bei Kress.de)

„Die Verantwortung spüren

…Ein Ereignis wird binnen Stunden zum dominierenden Thema. Danach bleibt es wochenlang in den Schlagzeilen, wobei jede Sekundärmeldung – eine These, eine Forderung, ein Gerücht – recht zu sein scheint. Von einem Tag auf den anderen verschwindet das Thema dann wieder in der Versenkung, als sei der Fortgang der Angelegenheit kein Wort mehr wert…

…Der Wettbewerb um Nachrichten ist so groß, dass zum Nachdenken kaum Zeit bleibt. Die meisten Redaktionen sind mit zu vielen Themen befasst und können weder Erfahrung noch Expertenwissen abrufen. … Journalisten werden permanent zum Verdichten animiert. Doch viele Hochrechnungen auf tiefere Absichten oder gar Strategien, die auf diesem Weg zustande kommen, liegen weit neben der Sache. Die häufigsten Probleme sind assoziative Fehlschlüsse, Fehlgewichtungen von Anlass oder Äußerungsmodus sowie elementare Unkenntnis über die Historie, die Zusammenhänge und die Interessen der handelnden Personen. …

Viele dieser oberflächlich zustande gekommenen Artikel in Nachricht-Kommentar-Feature-Mischform können fatale Auswirkungen haben. Sie können blutige Reaktionen hervorrufen. Sie können Wirtschaft und Währung in Gefahr bringen. …“

Eine Lanze für den Leserbriefredakteur

Wenn in einer großen Zeitungsredaktion jemand einen wirklich undankbaren Job hatte, war es der Leserbriefredakteur. Er fischte aus dem Eingangskorb die Texte heraus, die interessante Gedanken enthielten, und filterte Hassreden, Wichtigtuerei und dummes Zeug weg. Er kürzte bei Bedarf Redundantes und verdichtete die Pro- und Contra-Äußerungen auf verdauliche Länge. Dafür hassten ihn alle, die sich nicht 1:1 (oder gar nicht) im Blatt wiederfanden, und auch sein Sozialprestige innerhalb der Redaktion war meist eher bescheiden.

Wie wertvoll die Arbeit eines Gatekeepers bei Leserbriefen war/ist, erkennt man, wenn man den Fehler macht, im falschen Online-Forum seine Meinung abzugeben – etwa bei welt.de, einer Website, die für solche Zwecke den Dienst disqus nutzt.

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DJS-Förderkreis: Sind fünf Euro im Monat zuviel?

Ich war‘s, ich bin schuld. Ich habe den „weitergehenden Antrag“ gestellt, den die Mehrheit der anwesenden Mitglieder des Förderkreises der Deutschen Journalistenschule (DJS) gut fand. Deshalb liegt der Mindestbeitrag, den wir Förderer (mit Ausnahme der Berufseinsteiger*) jetzt berappen müssen, nicht mehr bei 2,50 Euro pro Monat (wie bisher) oder bei vier Komma eins sechs Periode (4,166666…) Euro (Beschlussvorlage des Vorstands), sondern bei glatten fünf Euro. Die finanzielle Mehrbelastung für Förderkreisler, die ich zu verantworten habe, beträgt also zehn Euro im Jahr, gut 83 Cent pro Monat, 2,7 Cent am Tag. Früher hätten wir „fünf Pfennig“ gesagt. Der Vorstand nimmt einen Groschen auf seine Kappe.

Es ehrt den Vorstand, dass er Rücksicht hatte nehmen wollen auf diejenigen unter uns, die unter der suboptimalen wirtschaftlichen Lage der Medienbranche leiden. Eins kommt ja zum anderen, Kleinvieh macht auch Mist, irgendwo sind Grenzen, die wenigsten können das Geld mit vollen Händen rauswerfen, auch nicht für gute Zwecke „DJS-Förderkreis: Sind fünf Euro im Monat zuviel?“ weiterlesen

Weniger Pathos, mehr Tacheles!

„Mein“ Verband, der Bayerische Journalisten-Verband (BJV), und sein gesamtdeutscher Dachverband DJV haben eine seltsame Angewohnheit. Von Zeit zu Zeit nutzen sie ihre „innerverbandlichen“ Versammlungen zur Verabschiedung mehr oder weniger pathetischer Deklarationen, die den gesammelten Frust der Delegierten über alle halbwegs relevanten Missstände des Medienwesens auf einem Blatt Papier konzentrieren und von den Adressaten zuverlässigst ignoriert werden.

Diese gut gemeinten Statements, denen man gemeinhin aus falscher Höflichkeit zustimmt, kommen zumeist als nach dem Tagungsort benannte Erklärungen daher. Da der diesjährige DJV-Verbandstag in Würzburg zusammentrat, also auf dem Hoheitsgebiet des BJV, bescherte uns der Verband also diesmal auf maßgebliches Betreiben des BJV eine „Würzburger Erklärung“.

Ich weiß, dass ich mir jetzt wieder Feinde mache, aber mir ist diese Deklaration peinlich.

Sie ist mir peinlich, weil sie – nicht zum ersten Mal – offenbart, wie unproduktiv und wie wenig kreativ diese ritualisierten Hauptversammlungen sind. Wenn der Verbandstag ein Berg ist, dann kam er in Würzburg mit einem rhetorischen Mäuslein nieder. Bestenfalls erwecken wir mit diesem Text Mitleid. Man muss sich das vorstellen: Wir Journalisten appellieren an den Gesetzgeber, dass er bitte für anständige Arbeitsmöglichkeiten in/bei anständigen Medienunternehmen sorgen möge!?!?! Wie naiv ist das denn?

Machen Sie sich, macht Euch einfach selbst ein Bild davon, wie die größte Journalistenvereinigung im Land zum x-ten Mal über längst bekannte Entwicklungen lamentiert, statt konkrete und realistische Forderungen an diejenigen zu richten, die etwas ändern könnten.

Hier noch mal der Link zum Original – und wenn Sie mein Senf dazu interessiert, gibt’s hier noch mehr zum Thema: „Weniger Pathos, mehr Tacheles!“ weiterlesen