SZ verschenkt Medienseite

„Auch diese Themenseite wird wieder ganz sinnlos sein.“

Wunderbar wahrer Einstiegssatz des Beitrags „Im Land der verseuchten Begriffe“ von Tobias Kniebe auf der heutigen Medienseite der Süddeutschen Zeitung.

SZ-Medienredakteur Christopher Keil hatte sich in den Kopf gesetzt, mittels fünf Texten – verfasst von ihm selbst, dem Kollegen Kniebe, Heyse-Tochter Katharina Riehl, Martin Zips und Roger Willemsen – zu ergründen, warum das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht besser ist. Dabei hat er lediglich gezeigt, wie unterschiedlich die Erwartungen an das Fernsehen sind. Die Autoren sind sich selbst nicht darin einig, was Qualität, Kultur und Unterhaltung überhaupt sind. Ergebnis: Eine ganze Zeitungsseite ohne neue Erkenntnis, ohne Perspektive, ohne Sinn.

Falschbuchung bei der Süddeutschen

Eine gute Zeitung ist klar strukturiert. Sie besteht aus mehreren „Büchern“, so der Fachausdruck: Man kann den Politik-, Kultur-, Wirtschafts-, Sport- und Lokalteil mit einem Griff herausnehmen. Der Mann zieht sich mit dem Sportteil aufs  Örtchen zurück, während seine Frau die politischen Seiten liest.

Bislang konnte man sich, wenn nicht gerade Streik war, auch bei der Süddeutschen Zeitung auf diese Ordnung verlassen. Heute morgen war das anders: Wo sonst die Wirtschaft beginnt, also auf der ersten Seite des dritten Buchs, sprang den Lesern ein ganzseitiges Inserat von Microsoft ins Auge. Hatte die SZ die Aufmacherseite an den Werbekunden verscherbelt? Im Ergebnis ja, „Falschbuchung bei der Süddeutschen“ weiterlesen

Google: Für alles die passende Anzeige.

...oder auch nicht. Wie man's nimmt und "passend" definiert. 😉

Ja, aber, Kollege Schumacher

Die hier wiedergegebenen Thesen sind zwar nicht namentlich von V.i.S.d.P.-Herausgeber Hajo Schumacher gezeichnet, dürften aber seine Meinung sein. Ein bisschen Einspruch muss sein:

1. Recht auf Internet

Wer nicht online ist, nimmt nicht am öffentlichen Leben teil und kann sich nicht demokratisch eine Meinung bilden – so einfach ist das heute. Zugangserschwerungsgesetz? Internet sperren? Das ist so absurd wie Zeitungs- oder Fernsehverbot.

Nein, so einfach ist das nicht. Nonliner nehmen sich zwar selbst etwas weg, aber mit guten Printmedien und den richtigen Radio- und Fernsehsendungen kann man sich weitaus besser informieren, als ginge man immer nur auf niveaulose oder agitatorische Websites. In der Lokalpolitik gibt es ohnehin nur eins: selber hingehen. „Ja, aber, Kollege Schumacher“ weiterlesen

Gutjahr steht zu Amazon und Telekom

Richard Gutjahr, Nachrichten-Anchorman im Bayerischen Fernsehen und Blogger, empfiehlt „gerne und guten Gewissens“ zwei „G!Friends“, also Sponsoren. Er findet diese direkte Finanzierung durch nur zwei Geldgeber offenbar nicht nur lukrativer, sondern auch irgendwie besser oder sauberer als durch Googles computergesteuerten Werbedienst, der ihm mal einen Epostbrief-kritischen Blogpost mit einer Epost-Anzeige der DHLBundespost garnierte.

Um zu lesen, dass Scout24 eine Telekom-Tochter ist und Audible Amazon gehört, muss man freilich recht weit runterscrollen.

Also nicht Apple.

Deshalb erinnert der Blogpost, in dem Richard G! seine Friends vorstellt, an einen typischen PR-Waschzettel. Kursiv steht am unteren Ende zum Beispiel dies:

…Als starker Partner unterstützt Scout24 seine Kunden bei wichtigen Entscheidungen, insbesondere in den Lebensbereichen Wohnen, Mobilität, Partnerschaft und Finanzen. Die Scout24-Gruppe ist Teil des Deutsche Telekom Konzerns…

Da bin ich jetzt mal gespannt, ob und wie der Hausherr schreibt, wenn es eines Tages gilt, die Mütter seiner beiden starken Partner  zu kritisieren.

Übrigens: Am linken Rand der G!-Seite bannerte vorhin der Werbevermarkter Groupon herum. Also ein Unternehmen, das auch verdient hätte, mal sehr kritisch betrachtet zu werden.