Google muss noch viel lernen

Ich weiß ja nicht, warum diese Veranstaltungen des zuständigen DJV-Fachausschusses immer „Besser Online“ heißen. Das ist zumindest missverständlich, denn es klingt wie: „Hätte er besser jemanden gefragt, der sich damit auskennt!“ Also besser online als offline. Eigentlich ist es aber wohl ein Postulat: Im Online-Segment des Journalismus und auch der PR gibt es Vieles, das verbesserungswürdig wäre.

Zum Beispiel die Pressearbeit des angeblich allwissenden, laut Volks- und Medienmeinung buchstäblich alles unter Kontrolle habenden Konzerns Google. Die ließ bisher so schwer zu wünschen übrig, dass ich eher von Presseuntätigkeit oder Heimlichkeitsarbeit reden würde „Google muss noch viel lernen“ weiterlesen

GM stopfen? Nein, FGM stoppen!

Bin gerade bei Twittwoch gestrandet, bei einer Seite zum Deutschen Social Media Preis 2010.

René Heymann, Chef der Berliner Werbeagentur HBDG AG (Heymann, Brandt, de Gelmini) promotet dort seine bereits anderweitig preisgekrönte Kampagne gegen weibliche Genitalverstümmelung. Auf gut Englisch heißt dieses Delikt Female Genital Mutilation oder kurz FGM. Darum nennt sich die Kampagne: „Stop FGM Now!“

Tja, bei Facebook liest sich das leider so:

http://www.facebook.com/stopfgmnow

Da mir die Abk. FGM noch vollk. unbek. war, habe ich natürl. gelesen: „Stopf GM now“. Dass General Motors ein löchriger Socken sei, war sicherlich keine beabsichtigte Assoziation. Vielleicht sollten Werber, die sich für Cracks der „Sozialen Medien“ halten, mal etwas weniger über schickes Design der Websites nachdenken als darüber, wie man möglichst viele Menschen erreicht, die nicht in fremdsprachigen Akronymen denken. Zwei Bindestriche wie in der Web-Domain

www.stop-fgm-now.com

wären ein Anfang. Die Leute wüssten zwar immer noch nicht, wofür FGM steht, aber sie wüssten, dass sie etwas stoppen sollen, und würden vielleicht neugierig. Noch besser wäre natürlich, man würde sich die Arbeit machen, statt einer einzigen internationalen Kampagne viele machen, die die Sprachen der Adressaten sprechen.

Vom Mendelweg in Düsseldorf…

…gibt es jetzt schon eine Streetview ohne Google, weil die Anwohner kein Google Streetview dulden wollen. Auch Thomas Knüwer wundert sich.

Flacher Abbruch

Was das ist, ein flacher Abbruch? Na, ist doch klar: die deutsche Übersetzung von „plane crash“. So etwas kommt heraus, wenn man der Weichware von World Lingo das Oversetting overlets. Flugzeugabsturz heißt nämlich für die Programmierer dieses Scherzartikels nicht „plane crash“, sondern „aircraft crash“. (Never ever read or heard that stilted expression!)

Hier eine Kostprobe der Fähigkeiten maschineller Dolmetscher anhand eines wikipädischen Artikels über den früh verstorbenen, ähem, „Evangelium- und Felsen „n“ – rollen Sie Sänger Keith Grün“. „Flacher Abbruch“ weiterlesen

Presserat: Warum denn gleich rügen?

Die Initiative „Qualität im Journalismus“ meldet, der Deutsche Presserat setze auf Mediation, also auf Vermittlungsgespräche zwischen Redaktion/en und Leser/inne/n, die sich beschweren. Genau: Wenn schon nicht der wirklichen, so doch der gefühlten Qualität der Zeitungen wird es bestimmt gut tun, wenn die Chefredakteure sich hinter den Kulissen bei den Beschwerdeführern entschuldigen, statt in unbarmherziger Selbstkasteiung jene Rügen abzudrucken, die auszusprechen insbesondere die Verlegervertreter ohnehin eher selten übers Herz bringen.