Laienreporter langweilen

Da schau her: Der Nachwuchs an meiner Alma mater hat den Bild-Leserreporter erforscht. Alles halb so wild. Vielleicht braucht’s ja doch Profis.

WAZ-Co-Boss: Rundfunkgebühr an Freie ausschütten

Kabarettistischer Vorschlag von WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus: Alle, die journalistisch hochwertige Angebote online stellen, sollen etwas von der Rundfunkgebühr abbekommen. Dass er damit die Verlage, deutsche Verlage und nichts als Verlage meint, kann man ihm zwar unterstellen, gesagt hat er’s nicht. Darum deute ich ihn so, dass er Altruist ist und uns Freien etwas Gutes tun will. Nienhaus zu Ende gedacht heißt: Wir brauchen die Verlage nicht mehr und er macht Lobbyarbeit dafür, dass wir trotzdem Geld bekommen. DANKE!

Neues aus der Werbe-Anstalt

Das Zweite Deutsche Fernsehen ist bekanntlich eine Anstalt mit einem bemerkenswert schmerzfreien Umgang mit Dingen, die anderswo „Werbung“ heißen würden. Oder, niedlich bagatellisiert, „Schleich“-Werbung. Da gibt es schon mal eine Kooperation mit der Gartencenter-Firma Kölle, in deren Rahmen nicht nur die Unternehmerin Angelika Kölle gebührensparend als Expertin eingesetzt wird, die sich ihr Kommen etwas kosten lässt statt Honorar zu verlangen, sondern auch noch Win-win-Zeitungsannoncen geschaltet werden mit den Logos von Pflanzen Kölle und dem ZDF-Fernsehgarten:

„Angelika Kölle zu Gast im ZDF-Fernsehgarten.“ Diese unverhüllte Co-Branding geschah, nachdem Fernsehgärtnerin Andrea „Kiwi“ Kiewel dafür schon öffentlich gesteinigt worden war, obwohl sie doch nur die kleine Verkäuferin ist und nicht der Geschäftsführer des Ladens; der heißt Markus Schächter. Wenn schon draufhauen, prügle man doch bitte den Richtigen!

Dass die nette Kiwi nicht an allem schuld ist, was das 2DF für die Wirtschaft tut, beweist die Sendung „Küchenschlacht“, in der die Weightwatcherin wirklich keine Rolle spielt. Da wirbt das 2weite ohne jeden Hinweis darauf, dass jetzt die Mainzelmännchen kommen, für Dienstleistungen des US-Unternehmers Marc Zuckerberg. „Neues aus der Werbe-Anstalt“ weiterlesen

Diplom-Gezwitscher

Wer mal richtig staunen will über den Anspruch, den deutsche Kommunikationsforscher an ihre Studis stellen, kann sich durch diese Umfrage klicken. Eine wirklich nicht unsympathische Diplomandin vom Institut für Kommunikations- und Medienforschung der Deutschen Sport(!)hochschule Köln hat sich ein paar Fragen zu, nun ja, ausgewählten Aspekten der Twitter-Nutzung durch Journalisten ausgedacht.

Hochspannend ist sicherlich, ob der "spezielle Mehrwert von Twitter, verglichen mit traditionellen Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung", mehr im "beidseitigen Dialog" oder in der "großen Bandbreite" besteht. Betriebsblind, wie ich bin, dachte ich ja bisher, dass zum Twittern eine minimale Bandbreite ausreicht, und die Existenz von einseitigen Dialogen, derer es bedarf, um beidseitige von ihnen abzugrenzen, war mir auch nicht bewusst. Ich kannte nur den "Monolog" als Antonym.

Vielleicht sollte ich erwähnen, dass Kollegen, die selbst noch nicht oder nicht mehr twittern oder dies aus gutem Grund nie wollten, nicht weit kommen werden, ohne schamlos zu lügen. Ausschließlich "aktive Microblogger" unter den "sehr geehrten Journalistinnen und Journalisten" sind nämlich eingeladen, mitzumachen, und das sieht man den Fragen an. Allen, die wissen wollen, was in unserem Bildungssystem so alles möglich ist unter der Rubrik "Sozialwissenschaften", rate ich, trotzdem mitzumachen, einfach munter drauflos irgendwelchen Blödsinn anzuklicken und kurz vor Schluss abzubrechen. Man glaubt es nämlich nur, wenn man es selbst gelesen hat.

Jetzt wollen wir mal strengstens hoffen, dass nicht irgendwelche Blogger und Witzbolde, die gar nicht in den Medien arbeiten, auf den Link klicken und den Fragebogen beantworten. Das dürfen die doch gar nicht!   🙂

BILD putzt Ihre Zähne

Lieber Mathias Döpfner,

Ihre Axel Springer AG ist für das Volk, was Ferrero für Kinder ist. Oder vielmehr umgekehrt, ich bin schon ganz durcheinander. Das Volk ist für Springer, was kinder für Ferrero sind – Marke und Zielgruppe in einem. Wer kinder liest, kleingeschrieben mit schwarzem k und rotem inder , weiß, dass er es mit dem nutella -Fabrikanten zu tun hat. Wer Volks- liest, mit weißem Volk auf rotem Grund, also BILD-Logo-mäßig koloriert, der weiß, dass Ihre Leute die Finger drin haben. Die Volks-Produkte seien Ervolks „Erfolgsgaranten“, heißt es auf der Springer-Website. Gemeint ist nicht der Erfolg der Leser, versteht sich, sondern jener der Werbekunden.

Nach Volks-Arznei, -Bibel, -Computer, -DSL, -Empfänger -Laufschuh und -Wagen -T-Shirt bringen SIe jetzt also die Volks-Zahnbürste unter dasselbe. Leider stiften Sie dabei gemeinsam mit Ihrem Werbepartner ordentlich Verwirrung.

Da kaufe ich also gestern beim Elektrohändler meines Vertrauens eine Packung Aufsteckbürsten Typ „Precision Clean“ für meinen Elektroantrieb der Marke „Braun Oral B Professional Care“ aus dem Hause Gillette. Weil der Laden keinen Achter- oder Doppelviererpack anbietet, entscheide ich mich — Zahlenfüchse aufgepasst! — für eine „volksgünstige“ 7+1-Packung zum Preis von etwa 1,6 Exemplaren der üblichen (volksungünstigen?) 4+1-Packs.

Und was steht drauf?

„Empfohlen von der Volks-Zahnbürste“

Verschärftes Nachdenken fördert folgende Erkenntnisse zu Tage:

1. Die Bürsten, die ich gekauft habe, sind gar keine Volks-Zahnbürsten, „BILD putzt Ihre Zähne“ weiterlesen