Auf der Isar gibt es keine Matrosen, nur Flößer

Ich kenne Tobias Schwarz nicht persönlich, stelle ihn mir aber aus mehreren gegebenen Anlässen als äußerst unangenehmen Zeitgenossen vor, der mir mal im Mondschein begegnen kann.

An dieser Einschätzung ist der Herr von der Spree, der sich als bekennender Nicht-Pirat seltsamerweise „Isarmatrose“ nennt – vielleicht weil er in München studiert, kurz bei einer sehr katholischen CSU-Politikerin gejobbt und ein Praktikum in Horst Seehofers Hauptstadt-Dependance absolviert hat – natürlich selbst schuld. Zur Ehrenrettung der CSU sei vorsorglich gesagt, dass es nicht mehr ihr Problem ist, wenn Schwarz sich daneben benimmt, haut er doch mittlerweile als Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Netzpolitik der Grünen Berlin um sich (es gibt neben ihm auch noch eine Sprecherin).

Zu seiner Auffassung von politischer Kultur und Netiquette zählt es zum Beispiel, einen ihm wohl noch nicht näher bekannten Urheberrechtsaktivisten als „Idiot“ zu titulieren: „Auf der Isar gibt es keine Matrosen, nur Flößer“ weiterlesen

Staatsanwälte als Verfassungsfeinde

Das ist ja der Hammer! Künftig werden Pressefotografen auf Demos wohl vorsorglich verprügelt oder ihre Kameras zerstört. Sie gelten dann ja als potenzielles Auge des Gesetzes, äh, Auge der gesetzlosen Verfassungsfeinde im Staatsdienst, die sich für Juristen halten, aber weder das Grundgesetz kennen noch denken können.

Kress meldet heute:

Zeitungsverleger kritisieren Polizeieinsatz:
Razzien bei Pressefotografen „völlig inakzeptabel“

Zehn Monate nach der Attacke auf einen Polizisten bei der Blockupy-Demonstration in Frankfurt sind an diesem Mittwoch bundesweit Pressefotografen-Wohnungen durchsucht worden. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ist nach eigenen Angaben auf der Suche nach Beweismaterial gegen die unbekannten Angreifer. Je eine Wohnung in Frankfurt, Baden-Württemberg, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sowie sechs Wohnungen in Berlin wurden durchsucht. Die betroffenen Fotografen habe man dabei als unverdächtig eingestuft, sie könnten aber eine Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Einsatzkräften im Bild festgehalten haben.

Akkordcontent

Werden Studentenjobs auch heute noch in Papierform ans Schwarze Brett gepinnt? Scheint so. Und der Stundenlohn ist kaufkraftbereinigt auch bestenfalls frühe Achtziger: 8 Euro.

Moment mal: Stundenlohn? Stimmt gar nicht. Es ist ja ein Stücklohn für Leute, die es schaffen, Stunde für Stunde 300 Wörter rauszuwürgen. Mit Cut&Paste geht deutlich mehr, ohne Cut&Paste ist das unmöglich, jedenfalls wenn man selbst recherchieren und diesen Ausstoß kontinuierlich erbringen muss, um auf das avisierte studentische Zubrot von 400 Euro zu kommen.

Natürlich geht es nicht um Journalismus, nur um Content-Massenproduktion im Akkord. Leider verstopft der Infomüll, der bei so prekären Produktionsbedingungen zwangsläufig entsteht, die Suchmaschinen, und er verführt die Dumpfnasen, die auf solche Jobangebote hereinfallen, dazu, sich das Zeug im Web zusammenzuklauen, vielleicht bei Bloggern, womöglich auch bei Profi-Journalistinnen.

Das Gute ist: Man braucht den Jungunternehmer, der sich mit so einer antisozialen Geschäftsidee unter dem poststalinistischen Namen „Kombinat für digitale Medien UG“ selbständig gemacht hat… „Akkordcontent“ weiterlesen

Nicht nett, diese Blogware

Gemein: Das WordPress-Template des neuen impulse-Inhabers Nikolaus Förster hält mich für gedankenlos.

Nein, ich mag keine künstliche Intelligenz! 😉gedankenlos

Wehe, wenn die Kommentatoren losgelassen

„So mancher Leserkommentar lässt eher einen Rückschritt weit vor das Zeitalter der Aufklärung befürchten, und erste Blogger schließen aus diesem Grund sogar die Kommentarfunktion.“

Christoph Kappes in seinem Blog-Essay „Blogkultur als Antwort auf die Komplexität der Gesellschaft und die Krise ihrer Institutionen“ 

Weit vor das Zeitalter der Aufklärung… Jawohl, sehr weit. Bei manchem, was man als Urheber heute in Foren (etwa bei Heise) von Kim Schmitz.com-Fans um die Ohren bekommt, fühlt man sich in vorzivilisatorische Epochen zurückversetzt. Die Leute glauben einen moralischen Anspruch darauf zu haben, alles umsonst zu bekommen, und wenn sie es nicht kriegen, ein Recht auf Selbstjustiz. Lauter verbale Egoshooter. Ich würde die gern mal heimlich im Berufsleben beobachten…