Déjà-vu im Web

Bernd Graff hat schon vor mehr als vier Jahren beobachtet, was heute unübersehbar ist.:

„Das Internet verkommt zu einem Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten.“

Suchmaschinen-Fernsehen

„Es wird wohl irgendwann Suchmaschinen-TV geben, und auch die ARD könnte darauf vorbereitet sein.“

Christopher Keil, Süddeutsche Zeitung, Medienseite vom 20.2.2012

Kollege Keil hat Ex-Regierungssprecher Ulrich Wilhelm besucht, der seit einem Jahr Intendant des Bayerischen Rundfunks ist. Jetzt frage ich mich, was Suchmaschinen-TV ist. Die Google-Tochter Youtube kann er nicht meinen, die gibt es ja schon. Wahrscheinlich kenne ich mich einfach mit Internet- und Medienthemen  nicht aus.

Ja, das muss es sein.

Gewinner der Woche bei ViSdP…

ist…

„Ansgar Heveling

weil es dem bislang unbekannten Bundestags-Hinterbänkler gelungen ist, mit ein paar absichtsvoll unbedarften Äußerungen im Handelsblatt den stets empörungsbereiten Teil der Online-Öffentlichkeit zu aktivieren. Jetzt hat er seinen Shitstorm und ist berühmt. So geht das heute.“

V.iS.d.P. vom 3.2.2012

Das Traurige ist, dass es unter diesen Empörungsbereiten (das „bereit“ erinnert mich an die „Gewaltbereiten“, die ich eher als „gewaltwillig“ bis „gewalttätig“ ansehe) jede Couleur von selbstmitleidigen Dummköpfen gibt, die unfreiwillig den Abgeordneten Heveling in seiner Polemik bestätigen. Wer’s nicht glaubt: einfach oben den Handelsblatt-Link anklicken und zu den  Leserkommentaren wechseln!

Lauffs Leviten lesen!

Es ist viiiieeelll Text, den Werner Lauff uns zum Jahreswechsel zumutet, aber jeder Medienmensch sollte sich die Zeit für seinen medienjährlichen Rück- und Ausblick nehmen – vor allem die Führungskräfte der Branche. Lauff hat buchstäblich alles, was in der Medienwelt derzeit abgeht, analysiert, sortiert, strukturiert, in den Zusammenhang gestellt. Die Einzelfakten kennt man, aber hier wird das große Bild sichtbar.

Pflichtlektüre! (bei Kress.de)

„Die Verantwortung spüren

…Ein Ereignis wird binnen Stunden zum dominierenden Thema. Danach bleibt es wochenlang in den Schlagzeilen, wobei jede Sekundärmeldung – eine These, eine Forderung, ein Gerücht – recht zu sein scheint. Von einem Tag auf den anderen verschwindet das Thema dann wieder in der Versenkung, als sei der Fortgang der Angelegenheit kein Wort mehr wert…

…Der Wettbewerb um Nachrichten ist so groß, dass zum Nachdenken kaum Zeit bleibt. Die meisten Redaktionen sind mit zu vielen Themen befasst und können weder Erfahrung noch Expertenwissen abrufen. … Journalisten werden permanent zum Verdichten animiert. Doch viele Hochrechnungen auf tiefere Absichten oder gar Strategien, die auf diesem Weg zustande kommen, liegen weit neben der Sache. Die häufigsten Probleme sind assoziative Fehlschlüsse, Fehlgewichtungen von Anlass oder Äußerungsmodus sowie elementare Unkenntnis über die Historie, die Zusammenhänge und die Interessen der handelnden Personen. …

Viele dieser oberflächlich zustande gekommenen Artikel in Nachricht-Kommentar-Feature-Mischform können fatale Auswirkungen haben. Sie können blutige Reaktionen hervorrufen. Sie können Wirtschaft und Währung in Gefahr bringen. …“

Kundenjagd im World Wide Web

Mit keinem anderen Medium lassen sich potenzielle Kunden besser aufspüren und Werbebotschaften treffsicherer platzieren als per Internet. Online-Marketing ergänzt TV- und Printwerbung, statt sie zu verdrängen – noch.

Für zerstreute Zeitgenossen können die Tricks der modernen Online-Werber recht praktisch sein. Wer zum Beispiel beim Stöbern in einer Billigflugbörse gestört wurde und den PC heruntergefahren hat, kann heute fast darauf warten, dass ihn das Gerät am nächsten Tag an sein Vorhaben erinnert. Auf einer ganz anderen Website, die er womöglich noch nie besucht hatte, springt ihn dann ein blinkendes Werbebanner an. Und das wirbt nicht etwa abstrakt für irgendeine Fluggesellschaft, sondern ganz konkret für Sonderangebote auf der zuletzt ausgewählten Strecke: „München–Düsseldorf ab 49 €“. Ein Klick genügt, und man steht wieder mittendrin im virtuellen Reisebüro. Beim Shopping passiert das Gleiche. Hat man sich in einem Onlineladen nach einer Kamera oder nach Sportschuhen umgeschaut, stolpert man plötzlich überall im Netz über Reklame für Fotoapparate oder Sneakers, und natürlich sind es exakt die Marken, die der Noch-nicht-Kunde schon in der engeren Wahl hatte.

Dass der Computer zu wissen scheint, was seinen User interessiert oder wonach dieser sucht, ist weder Einbildung noch Zufall. Die zuvor besuchten Server haben ihm diese Informationen eingetrichtert, ohne den PC-Besitzer um Erlaubnis zu fragen. „Kundenjagd im World Wide Web“ weiterlesen