„Nette“ Ebayern (3)

Manche eBay-Käufer scheinen derart gebrannte Kinder zu sein, dass sie immer sofort von der Schlechtigkeit der Welt ausgehen. Das merkt man als Verkäufer: Mein Sohn braucht in seinem Alter keine Legos mehr und Star-Wars-Lego-Bausätze sind gefragt. Also hat er sie zusammengebaut, ich habe sie versteigert, meine Frau hat sie verpackt und Herr Filius konnte das Geld in seinen neuen PC investieren.

Bei einem Jedi-Flieger hat der junge Mann offenbar zwei oder drei konstruktiv unwichtige 08/15-Legosteinchen vergessen. Der Käufer fragte aber nicht einfach nach, ob es sein könnte, dass da noch ein bisschen was fehlt. Nein, er drohte sofort schriftlich mit negativer Bewertung. Er hätte anrufen können, und wir hätten ihm die Teile auch so geschickt. Aber nach meinen Erfahrungen mit den „netten“ Ebayern 1 und 2, die streng genommen schon mindestens Nr. 4 und 5 waren, kann ich diesen Vater auch irgendwie verstehen.

„Nette“ Ebayern (2)

Wer heranwachsende Kinder hat, lernt eBay als Jugendboutique zu schätzen. Die Kids wachsen schneller aus den Sachen heraus, als sie sie verschleißen können. Neulich hat meine Frau eine – leider nur laut Foto – schöne hellblaue Daunenjacke ersteigert, deren Farbe meiner Tochter gefallen hätte. Was statt dessen ankam, war ein mitternachtsblaues Exemplar, das zudem auch noch zehn Zentimeter weiter war als angegeben (und total verwaschen, obwohl man es laut Etikett überhaupt nicht hätten waschen dürfen). Das Bild war eine fotografische Lüge, mindestens drei Blenden überbelichtet, bis zum entgegengesetzten Ende der Skala der Blautöne. Der Zustand? Erbärmlich.

So etwas kommt davon, wenn man sich auf Privatverkäufer einlässt (Disclaimer: bin selbst einer). Dann hat man es mit einer bestimmten Quote an Leuten zu tun, die eBay-Käufer für unbedarfte Lumpensammler halten. Eine Rückgabe müssen sie nicht fürchten: Wer gibt schon 4,90 Euro fürs Porto aus, um einen Kaufpreis von unter fünf Euro zurückzufordern? Das Porto erstatten solche Halunken nämlich selbst dann nicht, wenn sie scheinheilig eine Rücknahme anbieten, um keinen roten Bewertungspunkt einstecken zu müssen.

„Nette“ Ebayern (1)

Seien Sie vorsichtig, wenn Sie bei der nächsten Online-Auktion über einen Verkäufer stolpern, dessen Name an Flatulenz erinnert! Es gibt da einen hinterfotzigen Menschen, der hat tatsächlich ein Synonym für Furz als zweite Silbe seines Nicknames gewählt. Die Ware, die ich bei ihm scheinbar günstig ersteigert habe, stinkt denn auch zum Himmel – eine „neuwertige“ WLAN-Karte, die mit modernen Computern (jünger als zwei Jahre) nicht verwendbar ist. Dass es dazu keine Treiber für Windows 7 gibt (welches meine Kinder nutzen, nur ich habe hier einen Mac), hat Herr …furz wohlweislich verschwiegen. Ich habe also diesem Schurken noch Geld dafür bezahlt, dass ich an seiner Stelle seinen „neuwertigen“ Elektronikschrott zum Wertstoffhof bringen darf. Sagt man diesem Stinkstiefel, was man von diesen Methoden hält, wird er auch noch ausfallend und raunzt, man könne ja Mails an den Verkäufer schicken, wenn etwas nicht klar sei. Käuferschutz nützt auch nix, der feine Herr bot nämlich kein Paypal an.

Also, liebe Windows 7-User, was lernen wir daraus? Jedes Produkt, in dessen Beschreibung Ihr Betriebssystem nicht ausdrücklich erwähnt wird, funktioniert nicht an Ihrem PC. Finger weg. Und nie bei Leuten mit so komisch riechenden Namen kaufen!

Eine Lanze für den Leserbriefredakteur

Wenn in einer großen Zeitungsredaktion jemand einen wirklich undankbaren Job hatte, war es der Leserbriefredakteur. Er fischte aus dem Eingangskorb die Texte heraus, die interessante Gedanken enthielten, und filterte Hassreden, Wichtigtuerei und dummes Zeug weg. Er kürzte bei Bedarf Redundantes und verdichtete die Pro- und Contra-Äußerungen auf verdauliche Länge. Dafür hassten ihn alle, die sich nicht 1:1 (oder gar nicht) im Blatt wiederfanden, und auch sein Sozialprestige innerhalb der Redaktion war meist eher bescheiden.

Wie wertvoll die Arbeit eines Gatekeepers bei Leserbriefen war/ist, erkennt man, wenn man den Fehler macht, im falschen Online-Forum seine Meinung abzugeben – etwa bei welt.de, einer Website, die für solche Zwecke den Dienst disqus nutzt.

„Eine Lanze für den Leserbriefredakteur“ weiterlesen

Was ist eine Freundschaft wert? 0,075 €!

Heute auf eBay gefunden - nicht von mir, sondern von jemand anderem, der aber keinen Wert darauf legt, für die Entdeckung namentlich gewürdigt zu werden.