Facebook als Urheberunrechtshehler?

Endlich mal ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich das angelsächsische Copyright vom kontinentaleuropäischen Urheberrecht unterscheidet: Die Daily Mail weist für dieses Foto eines Londoner Plünderers, der seine Beute stolz im Internet zeigt, ein Copyright von Facebook aus – so, als habe das Social Network ein Bild, das ihm nicht gehört (Facebook hat sich lediglich die Nutzungsrechte gesichert), an die Zeitung verkauft.

Bei einer deutschen Zeitung stünde da „Foto: privat/oh“ – oh wie „ohne Honorar“.

Black Berry macht Gefangene

„Blackberry kündigt an, Londoner Plünderer auszuliefern“

 auf Netzpolitik.org 

Demnach hätte eine Handy-Marke des kanadischen Herstellers Research In Motion (RIM) Straftäter in Gewahrsam genommen. Nur jemand, der Gefangene gemacht hat, kann schließlich welche ausliefern. Das ist selbstverständlich höherer Unsinn. Selbst wenn man dem Autor dichterische Freiheit zugesteht, gibt allerdings die Quelle nicht einmal im übertragenen Sinne das her, was er hier insinuiert. Hier das Zitat der britischen Blackberry-Vertriebsniederlassung:

„We have engaged with the authorities to assist in any way we can.“

Zu Deutsch: „Wir haben den Behörden angeboten, ihnen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen.“ Die Fragen von Twiterranern, was mit dieser PR-Floskel wohl konkret gemeint sei, blieben unbeantwortet.

Unterirdische Krisen-PR entschuldigt aber nicht, Locken auf der Glatze zu drehen. Auch – und gerade – wenn man netzpolitik.org heißt.

www.jubiläum.org

Wie alt ist das Internet, wie alt ist das Web? Die Frage kommt hoch, weil Menschen „20 Jahre Web“ bejubeln wollen.

Ehrlich gesagt: Ich habe die Geburt des WWW seinerzeit nicht mitgekriegt; vor 20 Jahren kannte ich nur Btx und seine Geschwister in anderen Ländern. Auf meinem Radar erschien das Web erst mit Marc Andreessens Netscape Navigator. Gut, dass es die c’t gibt.

dpa auf den Pfaden der Viagra-Dealer

Newsaktuell ist, wie wir wissen, ein Ableger der Deutschen Presse-Agentur, der gegen gutes Geld der PR-Industrie zu Diensten ist.

Wer mitverfolgen möchte, welche Teile des Nachrichtencontents, den die Webportale der Verlage verbreiten, in Wirklichkeit umetikettierte PR sind, muss den Online Ticker Original-Text-Service* (ots) von Newsaktuell abonnieren.

Heute kam nun viagra ots eine PR-Meldung reingetickert, wie man sie bisher nur von V!4GR4- und C1AL!5-Spammern kannte: 

Umfrage enthüllt: Vorspiel, Intimrasur, Penislänge – was denkt SIE wirklich?

Auftraggeber der dpa-PR-Tochter war eine kanadische Firma namens AshleyMadison, die ein „Fremdgeh-Portal“ betreibt und mit dem Schwanzlängenvergleich für den „Seitensprung via iPhone“ wirbt. „dpa auf den Pfaden der Viagra-Dealer“ weiterlesen

Abgezockt mit PR-Brief und Tarifsiegel

Über den dpa-Ableger News aktuell segelt mir soeben eine Pressemitteilung ins Haus, die hoffentlich keine Redaktion verwurstet.

Verbreitet wurde der digitale Waschzettel im Auftrag einer von starken Schrumpftumsraten geprägten schwedischen Telefongesellschaft, die mir schon wiederholt unangenehm aufgefallen ist – nicht nur, weil ihren Werbeheinis keine sozialverträglichere Eselsbrücke zum Memorieren ihrer Call-by-call-Vorwahl eingefallen war als ein Unfallopfer, dem an einem Fuß sämtliche Zeh’n und am anderen Fuß zwei Zeh’n amputiert worden waren.

Diese Null-Zehen-drei-Zehen-Firma brüstet sich also nun damit, sie sei mit einem Tarifsiegel ausgezeichnet worden:

Bestnote „sehr gut“ für die 0 10 13
Tariftipp vergibt Tarifsiegel an die Sparvorwahl „Abgezockt mit PR-Brief und Tarifsiegel“ weiterlesen