„Die Arbeitskraft von Journalisten und ihren Techniker-Kollegen wird heute in einer Weise ausgeplündert wie nie zuvor. … Ich sehe mit Schrecken die Meldungen von den Ausdünnungen der Redaktionen. Ich sehe aber nirgendwo, dass unter den Spitzenkräften unserer eigenen Profession und des Medien-Managements Solidarität gezeigt wird, um unseren für die Demokratie so wichtigen Berufsstand zu retten. Ich sehe mit Zorn, welche Einkommensgrößen in den führenden Positionen der Medienkonzerne erreicht werden, während zugleich die Redakteure mehr und mehr schuften müssen und die Honorare gesenkt wurden. Das gilt auch für die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die von Steuergeldern gefüttert werden und sich unglaubliche technische und administrative Apparate leisten – aber an den Honoraren für junge und freie Journalisten sparen. Das darf man sich einfach nicht gefallen lassen.“
Klaus Harpprecht im Medium Magazin (Interview: Annette Milz)
Fehlt nur Jüngeren Geld für Recherche?
Jetzt ist es schon so weit gekommen, dass besserverdienende Redakteure ihren Kollegen die Recherchen subventionieren müssen, um die Versäumnisse der Verleger wenigstens ein bisschen auszugleichen.
Selbstverständlich kann sich ein Stifter wie Dirk Kurbjuweit aussuchen, welchem Personenkreis er sein Recherchestipendium gewähren möchte. Und natürlich gibt es viele jüngere Kollegen, die es gar nicht mehr kennen, dass ihnen aufwendige Recherchen bezahlt werden.
Dennoch ein Einwurf:
Dass die Empfänger höchstens 35 Jahre alt sein dürfen, ist ein völlig willkürliches Kriterium. Es ist nämlich leider nicht so, dass sich, sobald man diese Altersgrenze überschritten hat, plötzlich überall die Tresortüren öffnen und die Auftraggeber Geld für zeit- oder kostenintensive Recherchen rausrücken. Ältere haben nur mehr Erfahrung und recherchieren vielleicht ein bisschen effizienter.
Wirklich toll wäre also etwas anderes – wenn man Alt & Jung zusammenspannen würde, in einer Art Recherchementoring, bei der das Stipendium fair aufgeteilt wird.
Die Werber vom Trittbrett gestoßen
Die taz macht die Reklame auf Sportfotos unkenntlich und legt damit den Trittbrettfahrern aus der Werbeindustrie das Handwerk. Motto: Wer werben will, soll zahlen. Wäre schön, wenn die öffentlich-rechtlichen Anstalten das bei ihren Fußballdauerwerbesendungen auch so hielten.
Leider gibt es Kollegen, die die Ausrede akzeptieren oder gar weiterverbreiten, Werbung gehöre zu unserem Alltag, unserer Umwelt, unserem Leben. Werbung ist kein Selbstzweck – und dass wir sie anschauen nicht unsere Bürgerpflicht. Wer sie treiben will, muss dafür eine Gegenleistung erbringen. Und wenn diese auch nur darin besteht, uns intelligent zu unterhalten. Wer uns damit nervt und quält, darf sich über eine Abwehrhaltung nicht wundern.
via kress
Helau, Handelsblatt!
Lieber Kollege Steingart,
schön, dass Sie die berühmten elf Freunde dermaßen deutlich getoppt haben. Dennoch hätte von Ihnen soviel Selbstbewusstsein erwartet, dass Sie sich zutrauen, bis zum 11.11.11 auf 111.111 Freunde zu kommen.
Dumpingpläne aufgeschoben
Das Tarifdumping bei den Einstiegsgehältern für Zeitungsredakteure ist vom Tisch – fürs erste. Und die festen Freien bekommen ein paar Cent mehr für ihre Artikel, was sich offiziell so liest, dass sie prozentual mehr draufgelegt bekommen als die Redakteure.
Dass die grundlegenden Probleme der Zunft damit nicht gelöst sind, wie Christian Jakubetz schreibt, ist allerdings wahr.
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