Psychopathenfaktor ≥ 50 Prozent

Ich weiß nicht, ob ich dem Mann widersprechen soll, der da den „Psychopathenfaktor“ im Web erklärt.

„Mindestens die Hälfte aller Leute, die sich im Internet zu Wort melden, sind frustrierte, gelangweilte, zu verbaler Gewalt neigende Soziopathen, die vereinsamt sind und einfach nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen.“

Henryk M. Broder auf Detektor.FM

„Ich finde, so etwas muss man doch dokumentieren. Das sind teilweise wirklich extrem aggressive, wirklich soziopathische/psychopathische Äußerungen – aber auch von einer wahnsinningen Originalität.“

ebenda

Klebewohl, schlechter Journalismus!

Tom Scott, britischer Digital Native, brauchte keinen Murdoch-Skandal, um zu merken, was in der Presse des Landes nicht stimmt. Er dachte sich Aufkleber aus, mit denen subversive Leser die Käseblätter verzieren und heimlich wieder ins Zeitungsregal zurücklegen können (Scott ging es ursprünglich wohl um Zeitungen, die in der U-Bahn herumliegen).

Seit Oktober 2010 gibt’s eine deutsche österreichische deutschsprachige Version, die ich leider heute erst entdeckte (via Markus Kirchmair). Leider sind die zehn verschiedenen Sticker alle gleich häufig auf der Druckvorlage. Von mir aus könnten es von diesen beiden gerne ein paar mehr sein (bei manchen Texten wären ja auch Mehrfachnennungen angezeigt):

WARNUNG
Dem Journalisten mangelte es an Fachkenntnis zu diesem Thema. 

WARNUNG
Dieser Artikel ist eigentlich eine abgeschriebene Pressemitteilung.

Diesen Aufkleber gibt es in mehreren Sprachen

Ausgespreddert

Spredder spreddert nicht mehr. „Ab sofort“ verweisen Hajo Schumacher und Sebastian Esser die Kundschaft ihres Textportals an „Die Redaktion“, also das Konkurrenzangebot der Post. Dort ist aber auch nichts los. Wer gestern eingestellte Texte sucht, bekommt eine Trefferliste mit sieben (in Ziffern: 7) Beiträgen angeboten, für vorgestern sind es fünf (5). Bei näherem Hinsehen waren es gestern aber nur vier (4), denn drei der sieben sind altes Zeug:

 

Worte sind wertvoll

So nennen Augsburger Kollegen ihre ProteXtaktion gegen die Entwertung und Herabwürdigung ihrer Arbeit. Ich glaube zwar nicht, dass Graffiti auf einer Mauer am Landsberger Stauwehr viel dazu beitragen, dass die Menschen sich Journalismus wieder mehr kosten lassen. Aber besser so etwas als völlig sinnlose Sprüche.

Neun Cent pro Zeile?

Wer denkt, Milchbauern würden von den Discountern ausgebeutet, sollte mal lesen, was Daniel Drepper von einem Kollegen erzählt, der mal versehentlich etwas für den Lokalteil geschrieben hat, ohne vorher nach dem Honorar zu fragen.

„Der Freund arbeitet seit vielen Jahren für den regionalen und überregionalen Sport einer Zeitung. Er schreibt und fotografiert in der ersten und zweiten Bundesliga; für annehmbare Tagessätze. Vor einigen Wochen hat er eine schöne Geschichte für den Lokalteil aufgeschnappt. Er hat geliefert, ein großer Text, mehrere Fotos. Sein Honorar: neun Cent pro Zeile, zehn Euro pro Foto.

Er wird nie wieder für den Lokalteil schreiben.

Dass die Honorare für hauptberuflich freie Journalisten besonders bei Regionalzeitungen häufig skandalös sind, ist bekannt. Ich habe mit Leuten gesprochen, die für 50 bis 60 Euro am Tag gearbeitet haben – nach ihrer Ausbildung.

Das ist extrem entwürdigend. Wer seine Mitarbeiter so schlecht bezahlt, braucht sich nicht wundern, wenn er bald keine Leser mehr hat.

Ich versuche mittlerweile überall im Vorfeld eine Pauschale abzusprechen. Die Bezahlung nach Zeilen halte ich ohnehin für völlig unsinnig.“

via freischreiber.de