Einen Schlag ins Gesicht…

…versetzte einer Kress-Nachricht zufolge G+J-Manager Bernd B., der in dieser Kampfsportart langsam Routine zu bekommen scheint, diesmal den Kollegen vom stern:

"In Sachen iPhone-Apps kündigte Buchholz zudem kostenpflichtige Anwendungen der FTD an. Eine enstrechende Freemium-Strategie hatte der Verlag bereits zum Start der kostenlosen Basis-App in Aussicht gestellt (kress.de vom 1. Februar 2010 ). Die Inhalte des stern seien dagegen nicht "unique" genug, um eine Bezahlung zu rechtfertigen – die App bleibt kostenlos."

Aus einer kress.de-Meldung zur Ankündigung einer elektronischen Ausgabe des stern für das We-Pad im Rahmen der Bilanz-PK

Hoffentlich spricht sich diese Einschätzung nicht bis zu den Inserenten Abonnenten rum. Lady Patricia bedankt sich herzlich – und Sir Henri rotiert im Grab.

Pirative Wortistik

Spätes manuelles Backtracking: Die jüngste Selbstgugelung führte mich zu meinem alten Kollegen und Wortisten Detlef Gürtler. Wie es scheint, sind wir beide nicht nur selber anarchisch-sprachschöpferisch tätig, sondern wissen Wortspiele auch bei Kollegen zu würdigen.

Falls es jemanden interessieren sollte: Hier ist die Referenzstelle meiner Wortpresse.

Journalisten sind das Letzte…

…für manche Leserbriefschreiber, die dank der Erfindung des zeitungseigenen Onlineforums jetzt endlich anonym ihr Gift verspritzen können.

Beim "Standard" in Wien tobt sich eine dieser feigen Intelligenzbestien unter dem ach so lustigen Nickname "Papst Benedikt" aus. Was er durch die Wahl dieses Anonyms – „Journalisten sind das Letzte…“ weiterlesen

Von Luft & Liebe leben

Als Chefredakteur des Guardian bekommt Alan Rusbridger jeden Monat ein Gehalt, vermutlich auch kein ganz schlechtes. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man auf der Website des Wiener Standard in einem Interview diese Äußerung des Briten zum Thema Gratiskultur und Onlinejournalismus liest (Grammatik- und Interpunktionskorrektur von mir):

"Den Der schlimmsten Fehler, den man derzeit machen kann, ist, paralysiert zu sein vom Gedanken, woher das Geld dafür kommen soll, und darum zu versuchen, t, finanzielle Barrieren für die Leser durchzusetzen, die einen abschneiden von der Welt."

Ja klar, Paralyse ist immer schlecht, noch schlechter als diese Übersetzung aus dem Englischen*. Aber vor allem ist der Gedanke, ein Leser sei abgeschnitten von der Welt, wenn er fürs Lesen wieder – wie jahrhundertelang – ein bisschen Geld bezahlen sollte, noch pathologischer als jeder Paid-Content-Aktionismus à la Springer. Es geht nicht darum, Barrieren oder Schranken aufzubauen, sondern Kassenhäuschen. Im Kino und Theater muss man da sogar Schlange stehen, und niemand regt sich deshalb auf, sondern man zahlt gerne zwölffuffzich für einmal "Avatar" in 3D. Wir wäre es denn mal mit einem Ziel für unsere Zunft: Nicht "Content" verscherbeln (also irgendwelchen Inhalt, egal was, damit der Container voll wird), sondern großes Kino veranstalten! Journalistische Blockbuster, die den Beckmessern und Kurzsehern, die alle Massenmedien am liebsten sofort abschaffen würden, mal beweisen, dass wir’s drauf haben…

* Wen schneiden Leser von der Welt ab? 😉

Milch im Fluss

Der Leimener Kommunikationsberater Markus Collalti beschreibt im Rheinischen Merkur das Verbreiten wertvoller Texte via Internet mit dem Bild der Milch, die ein Bauer in den Fluss schüttet*. So wie sich der Kuhsaft irreversibel mit dem Brackwasser vermischt, wird auch der Qualitätscontent unweigerlich zum Teil des nun einmal kostenlosen Informationsflusses im Web. Nicht mal der Landwirt mit den dicksten Kartoffeln würde annehmen, dass er damit Geld verdienen kann.

Interessanter Gedanke zu den Reizthemen "Paid Content" und "Leistungsschutzrecht für Verleger". Allerdings gebe ich Collalti nur bedingt recht. Sicher, auf die bisherigen Versuche der Zeitschriften- und Zeitungsverleger passt das Bild. Aber wer sich in den Foren und Kommentarspalten umtut, wird auch Leser entdecken, denen schlichtweg eine komfortable und nicht zu teure Möglichkeit fehlt, gute journalistische Lektüre im Netz einzukaufen. „Milch im Fluss“ weiterlesen