Verpackungen: Ideen im 6er-Pack

Nach Jahrzehnten sorglosen Umgangs mit Blistern, Folien und Schachteln entdeckt die Industrie den Kostenfaktor Verpackung. Neue Konzepte reduzieren nicht nur den Müllberg, sondern verbessern oft auch die Rendite.

 

Top Business 9/1992

Vor den Werbebotschaften des amerikanischen Markenartikels Procter & Gamble (P & G) gibt es kein Entrinnen. Egal, ob in Funk oder Fernsehen, mit Produkten wie Ariel und Pampers, Valensina und Blendamed, Meister Proper und Wick präsentiert sich der Waschmittel- und Fruchtsaftmulti auf allen Kanälen in Überlebensgröße.

Im Handel allerdings macht sich der 30-Milliarden-Dollar-Konzern zusehends dünn. Erst wurden die meterlangen Regale mit seinem Weichspüler Lenor immer kürzer. Dann schrumpfte der Platz in den Supermärkten, den P&Gs Waschpulverpaletten ausfüllten, um mehr als ein Drittel zusammen. Schließlich war sogar beim bekanntesten Produkt des Hauses, den Pampers-Windeln, buchstäblich die Luft raus: Plötzlich stapelten sich die Windelpakete in den Drogeriemärkten nicht mehr an der ganzen Schaufensterfront bis unter die Decke, sondern ducken sich unauffällig in eine Ecke.

Hinter dieser neuen Bescheidenheit an der Verkaufsfront verbirgt sich aber nicht etwa ein Umsatzrückgang des Konsumgütergiganten aus Cincinnati/Ohio auf dem deutschen Markt. Im Gegenteil – „Verpackungen: Ideen im 6er-Pack“ weiterlesen

Heikle Mission

Sage niemand was gegen die gute alte Bundesbahn: 1992 investierte der Staatskonzern in einen hochmodernen, also computergesteuerten Container-Umschlagbahnhof, der die Münchner Innenstadt von viel Güterverkehr entlastete. Was alles dazugehörte, dieses Projekt ans Laufen zu bringen, steht in meinem Bericht für das WiWo-Ressort Technik+Innovation (erschienen in der Ausgabe 36/1992). Bebildert ist der Text übrigens – was bei der WiWo sehr selten vorkommt – mit einem Foto, das der schreibende Reporter selbst aufgenommen hat. 🙂

Containerumschlag München-Riem: Im Minutentakt

Die Bundesbahn testet ein neues Logistikkonzept. Schnelle Abfertigung soll mehr Fracht auf die Schiene locken.

Wenn irgendwann in diesem Spätsommer ein paar hochspezialisierte Informatiker vom hessischen Sulzbach an den Bodensee fahren, dann geht es ihnen nicht um einen harmlosen Segeltörn. Das Team hat eine heikle Mission zu erfüllen. Drei Tage haben die Experten Zeit, mit den fiesesten Tricks eine Software zum Absturz zu bringen, auf die die Deutsche Bundesbahn große Hoffnungen setzt: Das Terminal-Informationssystem, kurz TIS genannt, soll die Spediteure animieren, mehr Fracht auf die Schiene zu schicken.

Einsatzort der berufsmäßigen Hacker aus dem Taunus, die alle im Sold des Computerkonzerns Unisys Deutschland GmbH stehen, ist die Abteilung Planungsberatung der Dornier GmbH in Friedrichshafen. „Heikle Mission“ weiterlesen

AUFTRAGSFORSCHUNG: Innovation als Dienstleistung

„Forschung und Entwicklung“ war das Motto des highTech-Specials in der WiWo 31/1992, das – wie damals alle diese Specials – extern vom Münchner Redaktionsbüro „Editor Network“ produziert wurde. Dessen Inhaber waren die vormaligen Chefredakteure des Magazins highTech, Fritz Bräuninger und Manfred Hasenbeck – und das Netzwerk dieser Editoren waren wir, die früheren Redakteure und Autoren von highTech. Mein Beitrag zum Thema F&E: die Rolle der „Fraunhoferei“ in der industriellen Forschung.

WirtschaftsWoche 31/1992

 

Im Hintertreffen

Vielen Unternehmen reichen die eigenen F&E-Kapazitäten nicht aus. Selbst Weltkonzerne kaufen Kompetenz von außen.

Gemessen an dem elitären Image, das sein Imperium in weiten Teilen der Wirtschaft genießt, klingt Max Syrbes Selbsteinschätzung überraschend nüchtern. „Wir verstehen uns primär als Dienstleister, als ein Unternehmen, das sich nach der Nachfrage aus dem Markt ausrichtet“, reiht der Münchner Manager seinen bundesweit tätigen Konzern bescheiden zwischen Zeitarbeitsfirmen, Steuerkanzleien und Gebäudereinigern ein. Ganz so alltäglich ist dessen Serviceangebot freilich nicht: Syrbe ist Professor und Präsident der gemeinnützigen Fraunhofer-Gesellschaft (FhG). Die Produkte, die erunterdie Leute bringen will, heißen Technologie, Innovation und Fortschritt.

Die Tiefstapelei des FhG-Chefs entspringt keineswegs einem Hang zur Koketterie. Im Gegenteil: Der Forschungsmanager, Chef von 46 über ganz Deutschland verstreuten Instituten der verschiedensten Fachrichtungen, bemüht sich seit jeher, bei seiner Zielgruppe Berührungsängste abzubauen. Wenn die Geschäftsführer vieler kleiner Unternehmen angesichts der Namen prominenter Fraunhofer-Professoren wie Günter Spur, Hans-Jürgen Warnecke oder Ingolf Ruge immer noch in Ehrfurcht erstarren, ist das gewiß nicht Syrbes Absicht. Denn gerade für Mittelständler mit mageren Forschungs- und Entwicklungsetats, so sein Credo, sei die Nutzung externer Kapazitäten „überlebenswichtig“.

Eine große Auswahl an dafür geeigneten Instituten steht den kooperationswilligen Unternehmern in Deutschland allerdings nicht zur Verfügung. Die Fraunhoferei, wie der halbstaatliche technologische Gemischtwarenladen im internen Sprachgebrauch flapsig genannt wird, bietet ihren Kunden nämlich unter dem Strich so günstige Konditionen, daß sich privatwirtschaftlich organisierte Institute fast nur in Nischen etablieren konnten – etwa in der klinischen Pharmaforschung. „AUFTRAGSFORSCHUNG: Innovation als Dienstleistung“ weiterlesen

In Zukunft nur noch parallel

Supercomputer auf dem Weg zum Teraflops-Rechner

Eine verwirrende Vielfalt technischer Konzepte behindert noch den Markt für Höchstleistungsrechner. Aber eines ist bereits sicher: Massiv-parallele Systeme machen bald den traditionellen Supercomputern den Garaus. Deren paar CPUs haben kaum eine Chance gegen den Ansturm Tausender von Prozessoren.

Vielleicht hätte Seymour Cray aufhören sollen, als es am schönsten war. Alle Welt verehrte ihn, der in den siebziger Jahren den angesehenen EDV-Konzern Control Data verlassen hatte, um auf eigene Faust den schnellsten Computer der Welt zu bauen, als Genie. Er war das Aushängeschild der amerikanischen High-Tech-Industrie. Als die cleveren jungen Burschen aus dem Silicon Valley mit ihren PCs immer öfter Schlagzeilen machten, war Cray längst eine Institution. Der Rechnerkonstrukteur hatte seinen Namen zum Markenartikel für mathematische Höchstleistung gemacht: Wenn die Cray-1 eine Rechenaufgabe nicht lösen konnte, dann schaffte das kein Computer. Für diese Hardwarekategorie gab es deshalb auch nur einen angemessenen Namen: „Supercomputer“.

Heute steht Seymour Cray mit dem Rücken zur Wand. Weil er seine technischen Visionen gegen den Geschäftsführer seiner Firma Cray Research Inc., John Rollwagen, nicht durchsetzen konnte, verließ er grollend das Untemehmen und gründete die Cray Computer Corporation. Vier Jahre lang mühte sich der Erfinder des Supercomputers, sein ehrgeiziges Projekt „Cray-3“ fertigzustellen, dann kam kurz vor Weihnachten 1991 das endgültige Aus: Sein einziger Kunde, die Fusionsenergie-Abteilung des kalifornischen Lawrence Livermore National Laboratory, stornierte den 30-Millionen-Dollar-Auftrag und kauft demnächst bei Rollwagen.

Am Schicksal des armen Seymour Cray zeigt sich exemplarisch, vor welcher dramatischen Trendwende die informationstechnische Industrie steht. „Die klassischen Supercomputer nähern sich ihrer technologischen Sättigungsgrenze“, bestätigt Jürgen Middel, Leiter des Bereichs Technisches Rechnen der IBM Deutschland GmbH in Stuttgart, „die Zykluszeit liegt bei den neuesten Maschinen bei zweieinhalb Nanosekunden, viel weiter runter geht’s wegen der Signallaufzeit nicht.“ Die superschnellen Vektorrechner à la Cray, so scheint es, rasen mit Vollgas in die Sackgasse.

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Amerika investiert, Europa diskutiert

Damit es keine Mißverständnisse gibt: Den Nobelpreis hat Professor Carlo Rubbia sicherlich nicht unverdient bekommen. Auch gehört der italienische Kernphysiker, dessen wissenschaftliche Arbeit am Genfer Hochenergieforschungszentrum CERN in der Fachwelt hohes Ansehen genießt, ganz gewiß zu den versiertesten Anwendern von Höchstleistungscomputern.

Das Problem besteht darin, daß ihn die Kommission der Europäischen Gemeinschaft vor einiger Zeit mit einem bedeutenden Projekt betraut hat, bei dem ökonomische Kompetenz wesentlich wichtiger wäre als naturwissenschaftlicher Genius. So sitzt der Renommierwissenschaftler seit zwei Jahren an der Spitze eines Gremiums, dessen Arbeitsergebnisse im wesentlichen darüber entscheiden werden, ob es zur Jahrtausendwende noch eine eigenständige europäische Computerindustrie gibt – die internationale „Rubbia-Kommission“ soll die europäische Antwort auf das milliardenschwere High Performance Computing and Communications (HPCC) Program der amerikanischen Regierung formulieren. Bis heute freilich ist außer der Produktion von immer neuen Papieren, die nicht einmal einen Minimalkonsens aller Teilnehmer wiedergeben, nicht dabei herausgekommen.

Vordergründig geht es beim laufenden amerikanischen wie beim geplanten europäischen Förderprogramm darum, einen Ausweg aus der technologischen Sackgasse zu finden, in die die klassische Datenverarbeitung geraten ist. In Wirklichkeit geht es darum, ob Europa seine endgültig letzte Chance verpaßt, in der DV-Technik Standards zu setzen, nachdem die Großen der Branche wie Siemens-Nixdorf oder Bull längst zu bloßen Technologie-Importeuren verkümmert sind. Europas Chance liegt in der Innovationskraft
von kleinen Chip- und Hardwareherstellern wie Inmos und Parsytec.

Hier kommt das Problem Rubbia ins Spiel. Als Wortführer der Liga von Allwendern, denen es um nichts als reine PS-Stärke der Computer geht, egal ob amerikanischen oder japanischen Ursprungs, kümmert ihn die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Produzenten wenig. Er will nur endlich gute parallele Software, mit der er schnell seine physikalischen Berechnungen durchziehen kann. Andere Mitglieder seiner Kommission, die weiter denken, suchen inzwischen Verbündete in der Politik, um das Schlimmste zu verhindern. So warnt Hans-Martin Wacker von der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR), die HPCC-Initiative drohe die noch vor kurzem sehr leistungsfähige europäische Parallelrechnerindustrie völlig auszurotten. Er versucht nun im Schulterschluß mit dem BMFT „das Ruder herumzureißen, bevor wir von der amerikanischen Walze plattgemacht werden“.

Und daß heißt: Solange die US-Regierung Hersteller wie Thinking Machines und Intel durch massive Investitionsbeihilfen für Anwender subventioniert, dürfen ähnliche Hilfen für die Handvoll europäischer Produzenten nicht tabu sein.

EDITORIAL FÜR EDV ASPEKTE JULI 1992