Der Zucht-Perlentaucher oder: Kontrollieren Verleger wirklich die VG Wort?

Es ist an der Zeit, sich mal wieder über das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Autoren und Verlegern zu unterhalten – ganz im Allgemeinen, aber auch über konkrete Vertreter beider Berufe: den Urheber Martin Vogel und den Rechteverwerter Thierry Chervel, Gründer der Online-Verlags Perlentaucher GmbH, der das Kulturportal perlentaucher.de betreibt.

Nein, möchte ich nicht.

Wer sich ein wenig mit dem Schmuck-Markt auskennt, weiß, dass es drei Sorten von Perlen gibt: natürlich gewachsene Perlen, Zuchtperlen und Kunstperlen. Das zur Metapher gewordene Wort Perlentaucher, also die gediegene Alternative zum leicht anrüchigen Trüffelschwein, bezeichnet jene Menschen, die uns die erste und ursprüngliche Variante bescherten. Sie tauchten hinab zu den Muschelbänken und holten die Austern an die Oberfläche, um an die verborgenen Schätze  zu gelangen. Sie taten aber nichts dafür, dass die Perlen wuchsen. Sie ernteten, was sie nicht gesät hatten. Sie investierten nichts weiter als ihre Arbeitszeit, nahmen aber ein großes Risiko auf sich, zu ertrinken oder zur Beute für Haie zu werden.

In der Wikipedia finden wir diesen fast ausgestorbenen Beruf nicht einmal auf einer „disambiguation„-Seite, auf der Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung auseinandersortiert werden. Der Suchbegriff „Perlentaucher“ führt exklusiv zum gleichnamigen Online-Kulturportal  des französischen Berliners Thierry Chervel, während die Namensgeber unter „Perlenfischer“ zu finden sind, als hätte die Tätigkeit irgendetwas mit Fischen zu tun, mit Netzen und Angelruten. „Der Zucht-Perlentaucher oder: Kontrollieren Verleger wirklich die VG Wort?“ weiterlesen

Der Hälfte ist es egal, wer Bürgermeister ist

Peinlich, peinlich: Bei der Stichwahl zum Amt des Bürgermeisters in Kaufering gaben nur 52,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Damit genügten 2205 von 8128 möglichen Stimmen der parteilosen* Kandidatin Bärbel Wagener-Bühler, um in die Fußstapfen ihres Vaters Klaus zu treten, der bis zur vorletzten Amtsperiode den Posten innehatte. Das sind gerade einmal 27 Prozent. Ihr Gegenkandidat Thomas Salzberger von der SPD kam auf 25 Prozent. 48 Prozent der Bürger war es schnurzpiepegal, wer die Gemeinde in den nächsten sechs Jahren führt. Lediglich 27 Wähler äußerten ihr politisches Interesse bei gleichzeitigem Missfallen mit der verbliebenen Auswahl per Abgabe ungültiger Stimmzettel.

Da fällt mir echt nichts mehr ein.

* Kandidatin der Wählervereinigung „Kauferinger Mitte“.

Wer will ein grabesruhiges Schlafdorf?

Drei Kandidatinnen und zwei Kandidaten treten morgen zur Bürgermeisterwahl in Kaufering an. Wenn ich mir in der Lokalpresse die Leserbriefe zu unserem Aufregerthema Verkehrsberuhigung anschaue, muss ich sagen: Die Qual der Wahl hätte schlimmer kommen können. Dann nämlich, wenn wir nicht zwischen mehreren vernunftbegabten Menschen wählen könnten, sondern nur solche Leute anträten, die ausweislich ihrer veröffentlichten Prosa am liebsten in einer (Wagen-)Burg leben würden, auf der sie sich vor lästigen (PS-)Reitern und (Benzin-)Kutschern aus der Umgebung abschotten könnten. Leute, die es stört, dass Autofahrer aus dem Norden ungehindert in unseren Ort hinein und im Süden auch wieder hinaus fahren können. Leute, die Ahnung von Softwarecode haben mögen, aber sonst eher ins Mittelalter passen. Leute, die Kaufering am liebsten zu einem verschnarchten Schlafdorf zurückentwickeln möchten, in dem Grabesruhe herrscht und geschäftiges/geschäftliches Treiben verpönt ist. Leute, die zwar selber Geld verdienen möchten, aber am liebsten ohne die Wirtschaft.

Bei der Lektüre der Burg-und-Reiter-Parabel im LT ging mir auf, dass es dem Verfasser – der sicherlich nicht nur für sich allein spricht – nicht nur darum geht, uns zu Fußgängern und Radschiebern umzuerziehen und den ohnehin bescheidenen öffentlichen Nahverkehr vollends unattraktiv zu machen, indem man ihn zur Stop-and-Go-Veranstaltung degradiert. Zwischen den Zeilen steht sehr deutlich, dass Auswärtige bitteschön einen großen Bogen um unsere Gemeinde machen mögen. Das mag ja beim Durchgangsverkehr noch ein nachvollziehbarer Wunsch sein. Ökologisch sinnvoll ist es nicht.  „Wer will ein grabesruhiges Schlafdorf?“ weiterlesen

Versteckte Schilder als „Service“ für Bürger

Doch noch ein Nachklapp zur Bürgermeisterwahl: Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Erich Püttner wird sich zu allererst darum kümmern müssen, dass die Verwaltung wieder lernt, dass sie für die Bürger da ist. Im Rathaus hat sich, wie ich schon gehört hatte und jetzt im Landsberger Tagblatt schwarz auf weiß lesen durfte, eine zynisch-sarkastische Art eingeschlichen. Eine Mitarbeiterin, die ich eigentlich noch als sympathisch in Erinnerung habe,  nennt das Versteckspiel mit den Warntafeln „Vorfahrt geändert“ laut LT einen „Service der Gemeinde“, der die Verkehrsteilnehmer für die Neuregelung „sensibilisieren“ solle.

Was hier abhanden gekommen ist, sind die Sensibilität dafür, wie derart kaltschnäuziges Neusprech auf die Bürger wirkt, und vor allem jegliches Verantwortungsbewusstsein.

– Die Verwaltung hatte keinerlei Plan für die Einführung der 30er-Zone, denn sonst wäre die logische Reihenfolge gewesen, zuerst im Mitteilungsblatt, im Web und über die Presse bekanntzugeben, wann es losgeht und wen es betrifft, um dann, wenn alle informiert sind, das Vorhaben umzusetzen. „Versteckte Schilder als „Service“ für Bürger“ weiterlesen

Wie ich in die Zeitung kam


Vor acht Tagen hatte ich mich hier und auf Facebook mit dem Landsberger Tagblatt angelegt. Heute lesen Sie mein Update – geschrieben nach einem längeren Gespräch, zu dem mich Lokalchefin Alexandra Lutzenberger vorige Woche in die Redaktion eingeladen hatte. Die Kollegen in Landsberg weisen zwar meinen Vorwurf zurück, sie drückten sich um ihre Aufgabe, kritisch zu berichten, und verpennten Themen. Sie geben aber zu, dass etwas gründlich schief gelaufen ist, sowohl mit dem Foto, das gerade nicht das zeigte, was das Thema ist (Warntafeln sind hinter Bäumen versteckt, Bürger wurden nicht informiert, bevor ihre Straßen über Nacht in ein weiträumiges Rechts-vor-links-Gebiet einbezogen wurden), als auch mit der Headline und der Unterzeile, die suggerierten, irgendwelche Querulanten gingen wieder mal gegen ganz normales Bürokratenhandeln auf die Barrikaden. „Wie ich in die Zeitung kam“ weiterlesen