Versteckte Schilder als „Service“ für Bürger

Doch noch ein Nachklapp zur Bürgermeisterwahl: Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Erich Püttner wird sich zu allererst darum kümmern müssen, dass die Verwaltung wieder lernt, dass sie für die Bürger da ist. Im Rathaus hat sich, wie ich schon gehört hatte und jetzt im Landsberger Tagblatt schwarz auf weiß lesen durfte, eine zynisch-sarkastische Art eingeschlichen. Eine Mitarbeiterin, die ich eigentlich noch als sympathisch in Erinnerung habe,  nennt das Versteckspiel mit den Warntafeln „Vorfahrt geändert“ laut LT einen „Service der Gemeinde“, der die Verkehrsteilnehmer für die Neuregelung „sensibilisieren“ solle.

Was hier abhanden gekommen ist, sind die Sensibilität dafür, wie derart kaltschnäuziges Neusprech auf die Bürger wirkt, und vor allem jegliches Verantwortungsbewusstsein.

– Die Verwaltung hatte keinerlei Plan für die Einführung der 30er-Zone, denn sonst wäre die logische Reihenfolge gewesen, zuerst im Mitteilungsblatt, im Web und über die Presse bekanntzugeben, wann es losgeht und wen es betrifft, um dann, wenn alle informiert sind, das Vorhaben umzusetzen. „Versteckte Schilder als „Service“ für Bürger“ weiterlesen

Wie ich in die Zeitung kam


Vor acht Tagen hatte ich mich hier und auf Facebook mit dem Landsberger Tagblatt angelegt. Heute lesen Sie mein Update – geschrieben nach einem längeren Gespräch, zu dem mich Lokalchefin Alexandra Lutzenberger vorige Woche in die Redaktion eingeladen hatte. Die Kollegen in Landsberg weisen zwar meinen Vorwurf zurück, sie drückten sich um ihre Aufgabe, kritisch zu berichten, und verpennten Themen. Sie geben aber zu, dass etwas gründlich schief gelaufen ist, sowohl mit dem Foto, das gerade nicht das zeigte, was das Thema ist (Warntafeln sind hinter Bäumen versteckt, Bürger wurden nicht informiert, bevor ihre Straßen über Nacht in ein weiträumiges Rechts-vor-links-Gebiet einbezogen wurden), als auch mit der Headline und der Unterzeile, die suggerierten, irgendwelche Querulanten gingen wieder mal gegen ganz normales Bürokratenhandeln auf die Barrikaden. „Wie ich in die Zeitung kam“ weiterlesen

Unsere Türklinke blitzt…

…denn gestern hat uns auch noch die Bürgermeisterkandidatin der Kauferinger Mitte einen (kurzfristig angekündigten) Hausbesuch abgestattet. Bis dahin kannten wir Bärbel Wagener-Bühler, die noch in München wohnt und arbeitet, nur von der großen Kandidatenschau des LT in der Lechau-Halle. Warum also möchte die Tochter von Altbürgermeister Klaus Bühler in die breiten Fußstapfen ihres Vaters treten, in denen Erich Püttner nie so richtig Halt fand?

Bärbel Wagener-Bühler (Kauferinger Mitte)

Wagener-Bühler kennt natürlich das Problem, dass sie für eine Marionette gehalten wird. Wer die Volljuristin für naiv hält, ist es selber. Wer sie unterschätzt, tut dies vielleicht auch, weil er (wie auch ich bis gestern) meint, sie trete unter ihrem Kosenamen an. Klaus Bühlers Söhne Nicki und Tobi heißen bekanntlich Nicolas und Tobias. Aber Bärbel heißt nicht Barbara. Sie ist wirklich auf den Namen getauft.

Im persönlichen Gespräch verströmt Wagener-Bühler den Ehrgeiz, es zu schaffen, obwohl sie Klaus Bühlers Tochter ist. „Unsere Türklinke blitzt…“ weiterlesen

Fair bleiben beim Kandidatencheck

Wer kann‘s am besten? LT-Redakteur Dominic Wimmer (links) fragt die Kandidaten ab

Manche Mitbürger wundern sich, dass ich mich mit Äußerungen zur Bürgermeisterwahl so zurückhalte, während ich beim Thema Rechts-vor-links kein Blatt vor den Mund nehme. Es stimmt auch, dass ich bei der vorigen Wahl keinen Hehl aus meiner Skepsis gemacht habe. Wie diesmal auch, hatten sich fünf Kandidaten auf großem Podium vorgestellt, und ich hatte zu allen eine ordentliche Distanz. Es sprang kein Funke über, vielleicht auch, weil alles so schnell gehen musste, dass niemand in seiner Lebensplanung hatte, 2012 das Bürgermeisteramt in Kaufering zu übernehmen. Zugleich lag der Phantomschmerz eines Klaus Bühler in der Luft, der nach dem Verlust seiner Macht nicht fassen konnte, dass es auch für ihn Grenzen gab. Da fällt das Lästern und Finger-in-die-Wunde-Legen leicht.

Diesmal sieht es ein wenig anders aus. Die Wahl kam nicht aus heiterem Himmel auf uns zu, Bewerber konnten sich darauf einstellen. Ein wenig überraschend war allenfalls, dass Bürgermeister Erich Püttner keine Wiederwahl anstrebt. Wer die Kandidatinnen und Kandidaten sind und warum sie sich für geeignet halten, hat aber Dominic Wimmer vom LT bereits in einer Serie ausführlich und fair dargestellt. Da konnte man sich schon ganz gut ein Bild machen. Nun bin ich ja auch kein Lokaljournalist und das hier ist kein Kaufering-Blog, sondern nur mein persönliches Fenster zum Netz, aus dem ich meist meinen Kollegen, manchmal auch meinen Mitbürgern hier am Ort etwas zurufe. Da ich viel um die Ohren hatte, hielt sich mein Bedürfnis, auch noch zur Wahl meinen Senf dazuzugeben, in Grenzen. „Fair bleiben beim Kandidatencheck“ weiterlesen

Nachtrag zur märchenhaften Verbands-AG DFJV

Kürzlich hatte ich an dieser Stelle über ein Fake-Jubiläum geschrieben, darüber, dass es vor 20 Jahren mitnichten einen Deutschen Fachjournalisten-Verband gab und heute nur eine Aktiengesellschaft, die sich erstaunlicherweise so nennen darf.

Diese Firma beruft sich ja seit jeher darauf, Rechtsnachfolgerin des Vereins zu sein, der von 1999 bis 2006 unter diesem Namen auftrat. Dies sei sie im Wege der Singularsukzession geworden, sprich: der Einzelrechtsnachfolge.

Das klingt oberflächlich betrachtet gut, bei näherem Hinsehen abenteuerlich.  Erstens ist die Singularsukzession per definitionem ein Vorgang, der sich nur auf ein einziges Rechtsverhältnis bezieht; typische Fälle finden sich im Erbrecht. Wenn der alte DFJV e.V. beispielsweise drei Angestellte hatte, die danach für die DFJV AG tätig wurden, gab es drei Singularsukzessionen. Also quasi Sukzession im Plural. Der Mietvertrag für die Geschäftsstelle war dementsprechend eine weitere Singularsukzession.

Interessant wird es bei Tausenden von Vereinsmitgliedern: Wenn wir mal der Einlassung folgen, es sei überhaupt möglich, die Rechtspflichten eines Vereins gegenüber einem Mitglied 1:1 auf eine Kapitalgesellschaft zu übertragen, hätte es sich hier um Tausende Singularsukzessionen gehandelt. Wo es aber nicht einen einzelnen Vorgang gab, muss auch jeder Einzelfall getrennt betrachtet werden. Damit bricht die öffentliche Darstellung des vermeintlichen Rechtsformwandels wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Wie aber soll, bitteschön, ein Apfel – d.h. die Vereinsmitgliedschaft – per Singularsukzession überhaupt zur Birne (oder besser zum Pullover oder Wienerschnitzel oder was auch immer) – d.h. zum Kundenverhältnis – werden können?  „Nachtrag zur märchenhaften Verbands-AG DFJV“ weiterlesen