Mehr Offenheit bitte, lieber BJV-Vorstand!

Aktueller Nachtrag vom Dienstagabend: An diesem Mittwoch stellt der BJV seinen Mitgliedern jetzt doch den Etat bereit. Das Passwort kommt per Mail.

Aus gegebenem Anlass muss ich heute dem Vorstand meines Berufsverbandes ins Gewissen reden, in dem ich mich in den vergangenen 36 Jahren in verschiedensten Funktion engagiert habe. Ja, es geht um den Bayerischen Journalisten-Verband, der mir sehr am Herzen liegt und der leider schwere Zeiten durchmacht. Da unser Berufsstand bekanntermaßen schrumpft, ist es eine logische Folge, dass sich auch der BJV – so wohlgenährt er angesichts eines erzsoliden, über die Jahrzehnte angesparten finanziellen Fettpolsters auch sein mag – einem Downsizing stellen muss.

Das Wie ist allerdings eine Herausforderung, und zwar eine, der man mit der in unseren Funktionärsreihen noch immer zu oft gepflegten Attitüde „Ehrenamt macht Spaß“ nicht gerecht werden kann, wenn nicht eine ordentliche Portion an Willen hinzukommt, immer wieder auch Dinge zu tun, die niemandem Spaß machen. Wir haben aufgrund der Tatsache, dass man sich seine Funktionäre meist nicht aussuchen kann – es sei denn, man rafft sich selbst zu einer Kandidatur auf und lässt sich wählen – beide Spezies in unseren Reihen. Es gibt immer ein paar idealistische Workoholics, die was stemmen und die ich echt cool finde, aber nie genug von ihnen für alle zu besetzenden Ämter. Dafür gibt es viel zu viele Absagen von klugen Leuten, die alle supergute Ausreden Gründe dafür finden, dass sie leider keine „Zeit“ haben. Denn sie ahnen, dass sie am Ende die Dummen wären, wenn sie anderen die gemeinwohlige Arbeit abnähmen. Solange es eine oder einen gibt, der freiwillig den Job übernimmt, lässt man gerne Fünfe gerade sein. In diesem Umfeld kommen Vertreter der Spaßfraktion erstaunlich weit, und wenn es gut geht, werden die Hedonisten bei Bedarf von der Workoholic-Fraktion zum Jagen getragen.

Erster Etat nach der Beitragserhöhung

In dieser Situation begibt es sich also jetzt, dass sich unser ehrenamtlicher, seit Ende Mai 2019 amtierender Landesvorstand im Vorfeld der anstehenden Mitgliederversammlung in Geheimniskrämerei ergeht. Am Samstag muss sich die Crew im Pullacher Bürgerhaus – erstmals in der jetzigen Formation – der vereinsrechtlichen Entlastung stellen, und sie wird den ersten Jahresetat zur Abstimmung stellen, in dem sich die voriges Jahr im Hauruckverfahren durchgezogene Beitragserhöhung voll auswirkt.
Kein Witz: Über was genau wir da entscheiden sollen, wissen wir nicht. Der Geschäftsführende Vorstand und sein angestellter Geschäftsführer haben nicht etwa vergessen, uns zu informieren, sondern lassen uns bewusst bis zum letzten Moment  im Ungewissen:
Screenshot von der Seite https://www.bjv.de/bjv20
Ich würde jetzt gerne behaupten können, das sei ja bestimmt nett gemeint und die Führungsfrauschaft mit dem Alpha-Hahn im Korb spanne uns nur auf die Folter, damit es eine gelungene Überraschung für uns wird, um uns dann in unsere entzückten Gesichter zu blicken ob all der tollen Ideen, die sie nun mit unserem schönen Geld realisieren können. 

Neu in diesem Theater: Herrschaftswissen

In meiner Eigenschaft als notorischer „Querdenker“ vom Dienst (der Titel wurde mir vor Jahren von unserem Chefhedonisten verliehen) gehöre ich allerdings zu denen, die gerne selbst denken und Zahlen auch mal nachrechnen, vor allem wenn ich dabei mitbezahle. Das war in den ersten dreieinhalb Jahrzehnten meiner BJV-Mitgliedschaft auch nie ein Problem. Immer stellten Schatzmeister und Geschäftsführer die Jahresabrechnung und den Finanzplan beizeiten zur Lektüre bereit, so dass man sich gewissenhaft und ganz in Ruhe auf die Haushaltsberatung vorbereiten konnte. Seit vorigem Jahr werden die Finanzen von den gewählten Primi und Primae inter pares wie Herrschaftswissen behandelt – wobei dieser Anspruch auf dem Missverständnis beruht, dass ein Berufsverband wie wir, der sich schon immer zugleich als Gewerkschaft verstand, keine Herrschaft von Funktionären kennt. Der Souverän ist die Mitgliederversammlung, zu der jedes Mitglied Zutritt und auf der es volles Stimmrecht hat. 

Unangebrachte Zurückhaltung

Jedenfalls kann man die Chose vergleichen mit der Etatdebatte im Bundestag, bei der ein neuer Finanzminister den Abgeordneten erklären muss, zu welchen Wohltaten die 15-prozentige Steuererhöhung denn nun führen wird. Ein Olaf Scholz kann den Parlamentariern den Bundeshaushalt nicht erst beim Betreten des Plenarsaals aushändigen lassen. 
Deshalb möchte ich, und nicht nur ich, hier und jetzt und sofort den Etat 2020 einsehen können. Ich weiß ja, dass er inhaltlich fertig ist, das kann schon aus logistischen Gründen gar nicht anders sein, weil er in fünf Tagen gedruckt vorliegen muss und sich der Postversand von der Druckerei manchmal ein bisschen hinzieht. Ich schätze, spätestens am Mittwoch werden die zum Einleger gefalzten A-3-Bögen in der Geschäftsstelle liegen. Und dann würde ich gerne hören, was die MitarbeiterInnen einem Mitglied sagen, das persönlich vorbeikommt und um ein Exemplar bittet.

Bitte sagt mir: Warum?

Warum mein Verband mir und anderen die Informationen vorenthält, die ich für eine qualifizierte Einschätzung unserer Einnahmen und Ausgaben benötige, konnte mir noch niemand erklären. Zuerst war es noch nicht soweit. Vorige Woche habe ich Mitglieder des Landesvorstands, dem ich selbst lange genug angehörte, gefragt, ob denn wenigstens ihnen aufgrund ihrer Funktion der Haushalt vorliege. Denn so kenne ich das von früher: Bevor die Zahlen veröffentlicht wurden, präsentierte sie der Schatzmeister uns Vorständlern zur wohlwollenden Prüfung.
Aber Fehlanzeige. Selbst wer im BJV einer Fachgruppe oder einem Bezirksverband vorsteht, kennt die Zahlen, über die wir alle am Samstag beraten und abstimmen sollen, offenbar bis heute nicht. Auf die für diesen Montag avisierte Antwort eines Mitglieds des Geschäftsführenden Vorstands warte ich noch. Und aus herrschaftswissenstechnischer Hinsicht bin ich nicht irgendwer: Formal bin ich immer noch stellvertretendes Vorstandsmitglied dieses Vereins. Doch auch ich musste mich mit der Vorab-Auskunft begnügen: „Wir haben beschlossen, dass der Etat VOR der Mitgliederversammlung bekanntgemacht wird.“ Streng genommen steht die Geheimniskrämerei nicht im Widerspruch dazu: Fünf Minuten vor der MV ist immer noch davor und nicht danach.
Aber der Haare sind genug gespalten. Als Wirtschaftsjournalist kenne ich solches Mauern, Abblocken und Zeitschinden von Pressestellen von Konzernen, die unangenehme Wahrheiten vor der Öffentlichkeit verbergen wollen. Ich hoffe sehr, dass dem Geschäftsführenden Vorstand eine gute Erklärung dafür einfällt, weshalb wir Beitragszahler nicht einmal über einen passwortgeschützten Zugang in Ruhe anschauen können, wofür unser Geld verplant ist.

VG Wort: Hier wird nichts verschenkt

So schön es ist, dass mehr Kollegen das Urheberrecht für sich entdeckt haben, so schade ist es, dass manche von ihnen zu „meinem“ Thema fantasievolle Beiträge leisten, für deren Lektüre man – freundlich formuliert – einen robusten Humor braucht.

Wer männlich und 60plus (ein paar Monate) ist und keinen Migrationshintergrund hat, der ist was? Richtig, ein alter weißer Mann (AWM™). Wo dieses Stereotyp auftaucht, ist gemeint: Da ist jemand, der zum alten Eisen gehört und am besten die Schnauze hält, weil er – wenn auch unverschuldet – drei Eigenschaften in sich vereint, die ihn zumindest in dieser Kombination disqualifizieren. Das war anfangs durchaus lustig, weil ein paar meiner Altersgenossen durch ihre altväterlichen, arroganten, machohaften Sprüche intelligenten jungen Frauen (mit oder ohne dunkleren Teint) gute Gründe für den Stoßseufzer geliefert hatten. Franz Josef Wagner ist quasi der Prototyp des AWM, denn er bedient das Klischee des Kerls, der nicht mehr lernt und nicht mehr lernen will, in welcher Welt wir leben, ständig aufs Neue.

Rein formal bin ich natürlich auch ein AWM. Aber noch nie hat mich eine junge Frau so genannt. Bis zum Rentenalter (siehe Screenshot) muss ich noch fünfeinhalb Jahre arbeiten. Ich denke auch nicht, mich wagnerhaft benommen zu haben. Deshalb war ich in jeder Hinsicht überrascht, als mich neulich mein Kollege und Zeitgenosse Peter W. öffentlich so titulierte. Glaubt man seinen Tweets, bin ich nicht nur ein AWM, sondern sogar einer, der „das Geld der Autoren“ – meines, seines, Ihres? – den Verlegern schenkt und sich eine Zensur des Internets herbeiwünscht. Dass er mich nicht als Masochisten darstellt, der sich wie ein Flagellant täglich die Geißel über den Rücken zieht, ist alles.

Um das bemerkenswerte Kommunikationsverhalten des Kollegen W. einordnen zu können, sollte man wissen, dass er ein weißer Mann ist, aber noch nicht alt. Erst nächstes Jahr stößt er an die unsichtbare Grenze, die Alt von Jung trennt, diese Schallmauer mit der großen 60 drauf. Vielleicht will er das Stereotyp unbedingt noch benutzen, solange es für ihn noch nicht zu spät dafür ist. Kraft meiner frisch erworbenen Altersweisheit und eingedenk der weiteren Umstände tendiere ich indes zu der Einschätzung, dass W. ein verkannter Witzbold ist, einer mit Hang zur Selbstironie und skurrilem Humor. Otto Waalkes hat ja einst auch Ostfriesenwitze gerissen. „VG Wort: Hier wird nichts verschenkt“ weiterlesen

BJV: Money for Nothing

In einer idealen Welt, in der alle Menschen fair und respektvoll miteinander umgehen, wären Berufsverbände und Gewerkschaften überflüssig. Alle Selbständigen und Angestellten würden mit ihrer Arbeit genug Geld verdienen, um einer Familie einen angemessenen Lebensstandard zu bieten. Leistung würde adäquat honoriert, niemand über den Tisch gezogen. Keiner würde die Macht des Stärkeren ausspielen. Wer sagt, dass das leider eine Utopie bleiben wird, ist kein Pessimist, sondern Realist.

Ergo können wir auf Berufsverbände und Gewerkschaften nicht verzichten. Wir brauchen sie, und sie müssen stark sein. So stark, dass sie als Lobby der im jeweiligen Beruf Tätigen ernst genommen werden. So stark, dass sie sich genügend Hauptamtliche leisten können, die ihren Mitglieder Service bieten, die sie juristisch beraten und vertreten. So stark, dass sie, wenn gar nichts anderes hilft, auch mal einen Streik durchstehen, an dem sich dann aber auch alle (!) Mitglieder beteiligen.

Und was heißt stark? Nicht nur finanzstark, sondern auch mitgliederstark. Alles steht und fällt mit dem Organisationsgrad. Egal, ob Berufsverband oder Gewerkschaft: Wer den Anspruch aufgibt, als legitimer Vertreter und Sprecher aller Angehörigen des Berufs anerkannt zu werden, gibt sich selbst auf und kann eigentlich zusperren.

Und was ergibt sich daraus wiederum zwingend? Dass sich alle, die in diesem Beruf ihren Lebensunterhalt verdienen oder ihn erlernen, die Mitgliedschaft auch leisten können müssen.

Bayerischer Beitrag galoppiert dem Preisindex davon

Wer mich kennt, weiß, wem ich hier predige – schließlich lautet der Untertitel meiner Wortpresse „Journalismus unter Druck“ – aber vielleicht nicht, warum gerade jetzt. Ein paar Dutzend meiner lieben Kolleginnen und Kollegen im Bayerischen Journalisten-Verband haben vor einer Woche entschieden, dass unser Mitgliedsbeitrag um 54 Euro pro Jahr steigen soll, auf dann 408 Euro. „BJV: Money for Nothing“ weiterlesen

Ist das noch mein BJV?

Liebe Kolleginnen und Kollegen im BJV,

die Vorstandsmitglieder wissen es zwar, die meisten Mitglieder wahrscheinlich noch nicht: Der Bayerische Journalistentag 2019 findet ohne mich statt. Am kommenden Samstag, dem 25. Mai, bin ich nicht in Pullach beim BJV, sondern in München im Künstlerhaus bei der VG Wort.

Es ist nicht so, dass ich keine Lust hätte, teilzunehmen. Immerhin bin ich direkt gewähltes Vorstandsmitglied des BJV, für den ich mich in den vergangenen 35 Jahren in diversen Ehrenämtern engagiert habe (plus fünf Jahre als honorierter Blattmacher des BJVreports). Da schwänzt man nicht leichtfertig die Mitgliederversammlung, erst recht keine, auf der Vorstandswahlen und eine drastische Beitragserhöhung anstehen. Dass ich keine Chance habe, meine Stimme für Anne Webert abzugeben, die für den Geschäftsführenden Vorstand kandidiert, schmerzt.

Immerhin kann ich meine Kritik, die eigentlich auf den Journalistentag gehört hätte, auf diesem Weg vorab äußern (und zwar hier). Leicht fällt es mir nicht, das aufzuschreiben statt dass wir miteinander reden. Es ist die Ultima ratio. „Ist das noch mein BJV?“ weiterlesen

BJV: Ein Warnruf zum Abschied

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in ein paar Tagen endet meine Zeit als Aktiver im Bayerischen Journalisten-Verband. Wenn man Jahrzehnte lang ehrenamtlich unterwegs war, würde man gerne diese Lebensphase in guter Stimmung und voller Optimismus ausklingen lassen. Vielleicht bekäme man auch das eine oder andere nette Wort zu hören oder ein Dankeschön. Bei der VG Wort, in deren Verwaltungsrat ich die letzten 16 Jahre für Sie und Euch gesessen habe, ist das tatsächlich so. Die Worte der Wertschätzung und Anerkennung, die mich im Vorfeld meiner letzten Mitgliederversammlung als Ratsmitglied erreichten, haben mich sehr gefreut, vielen Dank dafür!

Leider klingt meine Mitarbeit im BJV, die bis ins Jahr 1984 zurückreicht, nicht so harmonisch aus. Wenn am 25. Mai meine Amtszeit als Mitglied des Landesvorstands endet, werden mindestens drei bis vier der fünf geschäftsführenden Vorstandsmitglieder sowie der Eine oder die Andere aus dem erweiterten Landesvorstand aufatmen. Und sie werden froh sein, dass ich – in Ermangelung des Talents, mich an zwei Orten gleichzeitig aufzuhalten – nicht im Saal bin, wenn sie versuchen, eine drastische Beitragserhöhung durchzuboxen und (in vier Fällen) wiedergewählt zu werden. Denn ich gelte ihnen als „Querdenker“, den man doch „auch“ brauche (aber wozu, wenn man ihm nicht zuhört?). Das Wort war bei ihnen eh nie freundlich gemeint, sondern als allzu durchsichtiger Euphemismus für den unbequemen Quertreiber, der sie fordert, herausfordert, kritisiert, Finger in Wunden legt, widerspricht und die Konfrontation nicht scheut, wenn es um die Zukunft des BJV und des DJV geht. „BJV: Ein Warnruf zum Abschied“ weiterlesen