Bhakdi bei Kopp, Schwarze Listen und das Impfchippen 1.0 von 2009

Wer dachte, der Irrsinn müsse so langsam mal seinen Zenith überschritten haben, dürfte sich getäuscht haben. Deshalb heute zwar nur drei kurze Kapitelchen, aber die haben es in sich:

1. Der frühere Journalist und heutige Fulltime-Truther – also Multiplikator abstrusester Gerüchte – Gerhard Wisnewski weist seine viel zu vielen Telegram-Follower auf einen „Kongress“ des Weltuntergangs-Fachverlags Kopp hin. Als „Experten“ bieten die Veranstalter zwei Mitglieder des Vereins MWGFD auf, und zwar den Vorsitzenden Sucharit Bhakdi und den Consultingunternehmer Stefan Hockertz (erwähnte ich schon, liebe Impfgegner, dass die Klientel seiner Unternehmensberaterei die böse Pharma-Mafia ist?). Mit von der Partie sind auch der „bürgerliche Revolutionär“ Markus Krall, seines Zeichen leitend angestellter Edelmetallverkäufer (Degussa) und AfD-naher Sympathisant der Idee, Beziehern von Sozialleistungen das Wahlrecht abzuerkennen, das börsianische Fernsehgesicht Dirk Müller sowie die Konspiratologen und früheren Politiker Andreas von Bülow und Willy Wimmer.

2. Auf Twitter treibt ein Mensch sein Unwesen, der sich „Rational Authority“ nennt, die Handle „kinderpsych“ verwendet und sich als Ärztin ausgibt, die Mitglied im CHD sei, dem amerikanischen Verein des auf Abwege geratenen Präsidentenneffen und demagogischen Impfhassers Robert F. Kennedy jr. „Bhakdi bei Kopp, Schwarze Listen und das Impfchippen 1.0 von 2009“ weiterlesen

Covid-19: Was wir über „Corona“ wissen und was nicht

Klopapier gibt’s wieder, sogar meine Marke. Hefe liegt auch wieder im Kühlschrank. Nur Hirn ist offenbar aus. Zumindest hat der Herr schon lange keines mehr vom Himmel geworfen. Wenn aber schon der liebe Gott mit Lieferengpässen zu kämpfen hat, müssen wir hier unten improvisieren und unseren Grips anstrengen. Dazu braucht man einen Überblick über Fakten und Fakes. Deshalb sortiere ich hier mal das, was im Netz und in den Medien über die Covi-Seuche 19 an Informationen, Halbwissen und gezielten Desimpformationen* grassiert.

Wie überträgt sich das Virus SARS-CoV2?

Was wir wissen: Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Tröpfchen, die Viren enthalten können, verlassen unseren Mund und unsere Nase nicht nur beim Niesen (da sieht man sie zum Teil sogar) und beim Husten, sondern auch beim Sprechen, beim Singen und sogar beim ganz normalen Ausatmen. Die Größe der Tröpfchen ist jedoch sehr unterschiedlich. Sehr kleine Tröpfchen, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann, halten sich länger in der Luft, bilden also eine Art dünnen Nebel, während dickere Tröpfchen quasi abregnen. Sie fallen zu Boden, so dass die Gefahr gebannt ist, sie einzuatmen. Man sollte sich dann aber, salopp gesagt, noch mehr als sonst davor hüten, auf die Schnauze zu fallen. Denn solange die Viren feucht sind, ist davon auszugehen, dass sie noch aktiv sind. Schmierinfektionen sind aber nach allem, was man weiß, eher die Ausnahme. Klar ist, dass man sich nicht ins Gesicht fassen sollte, wenn man einen Türgriff oder den Griff eines Einkaufswagens angefasst hat. Erst mal Hände mit Seife waschen (s.u.)!

Was wir nicht wissen: Es gibt noch keine verlässlichen Informationen dazu, welche quantitative Rolle die nebelartigen Kleinsttröpfchen spielen. Da es ernst zu nehmende Hinweise darauf gibt, dass ihre Bedeutung bisher unterschätzt wurde, ist dieses Nichtwissen ein Grund zur Vorsicht. Auch die Forschung zur Bedeutung von Schmierübertragungen ist nicht abgeschlossen.

Spielt es eine Rolle, ob ich mich im Freien oder in geschlossenen Räumen aufhalte?

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Boomer’s Revenge oder Ok, Digital Naives

Das Jahr 2019 markiert eine Trendwende im zwischenunmenschlichen Umgang deutscher Social-Media-Nutzer miteinander. Irgendwann im Sommer wurde die Pauschalverunglimpfung „alter weißer Männer“ seltener, um so mehr verbreitete sich die auch auf weibliche User anwendbare Floskel „Ok Boomer“. Angeblich ist damit eine Haltung gemeint. In Wirklichkeit verrät die Chiffre mehr über die „Haltung“ derer, die sie verwenden. Und die ist bedenklich. Ein fälliger Rant.

Die soziodemographische Schublade, in der ich qua Geburt in einem der so genannten Wirtschaftswunderjahre verortet bin, heißt auf gut Amtsdeutsch „geburtenstarke Jahrgänge“. Wir waren diejenigen, die mit 39 Mitschülern in eine Klasse gestopft wurden, weil es weder so viele Lehrer noch so viele Klassenzimmer gab, um uns unter äußeren Umständen zu unterrichten, die heute als pädagogische Minimalanforderung gelten. Meine „Generation“ geht zurück bis 1955, ihre Zeit endete 1969 mit dem Pillenknick, der pharmazietechnisch früher hätte eintreten können, aber statistisch erst richtig signifikant wurde, als unsere 68er Wichtigeres im Kopf hatten, als Familien zu gründen.

Was wir NIE waren: Babyboomer. Während unsereins nicht älter ist als 64 (Ulf+3) und nicht jünger als 50 (Ulf+11), sind die ersten echten Boomer bereits Mitte 70 und die letzten 55. (Baby)Boomer ist ein Terminus technicus aus den USA, der sich auf die dort (und in einzelnen anderen Staaten wie der Schweiz) übliche Alterskohorte bezieht. Selbst wenn man das marketinggetriebene Konzept willkürlich zugeschnittener Generationenschubladen alias Zielgruppen grundsätzlich anwendbar findet, ist es hochgradig schwachsinnig, einen 1969 geborenen mitteleuropäischen Menschen mit einem 25 Jahre älteren amerikanischen in eine dieser Schubladen zu zwängen. Eine Kindheit oder Jugend im McCarthy-Amerika und eine im Brandt-Deutschland könnten nicht unterschiedlicher verlaufen sein. Mit Ausnahme des Umstands, dass wohl alle Lassie, Flipper und Bonanza geschaut haben, sind diese Sozialisationen wirklich nicht vergleichbar. 25 Jahre sind ein echter, ein biologischer Generationenabstand.

Im Sommer 2019 tauchte aber nun plötzlich das uraltbekannte Wort „Boomer“ in Deutschland auf – meist verbunden mit dem Präfix Ok, das man wohl „Ou-kéeee??!“ aussprechen muss, während „Boomer!“ im geistigen Ohr den Sound eines Verständnislosigkeit ausdrückenden Seufzers erzeugen soll. In atemberaubender Geschwindigkeit verdrängte „Ok Boomer“ den „Alten Weißen Mann“ aus dem Netz,  „Boomer’s Revenge oder Ok, Digital Naives“ weiterlesen

Rezo oder die Zerstörung der Blauhaarfrisur – Teil IV und Schluss

Lieber Yannick*,

Du hast Dich kürzlich bei Deinen Youtuber-Freunden Fabian und Steven hämisch über zwei Themen ausgelassen, die mich beruflich wie demografisch leider triggern: Printmedien und ältere Mitbürger.

Dazu kommt hier der Levitenlesung 4. Teil:

Nicht zerstören, sondern ändern und aufbauen!

Lieber Yannick*,

Dir verdankt die deutsche Sprache den Neologismus „Zerstörungsvideo“. Das kann kein Grund sein, stolz zu sein. Die Welt braucht konstruktive Kritik, nicht Destruktion und Disruption. Oder wenn, dann bedarf es der „schöpferischen Zerstörung“ nach Joseph Schumpeter, also der Verdrängung des (vermeintlich) Guten durch das Bessere. Was gut ist, besser und am besten, ist in der Tat eine Frage, die vor allem Deine Generation betrifft, die zugleich die meiner Kinder ist. Wer heute unter 40 ist, muss sich darauf einstellen, die Folgen kurzsichtiger, mutloser und populistischer Umwelt-, Klima-, Entwicklungs- und Migrationspolitik noch mitzuerleben. Wer eine Karriereentscheidung trifft, die auf ein Weiterso hinausläuft, wer sich hedonistisch verhält und ausblendet, welchen Schaden sein Lifestyle oder der Geschäftszweck seiner Firma den Menschen anderswo auf der Erde zufügt, kann die Schuld nicht den Alten in die Schuhe schieben.

Wir Medienmenschen, alte wie ich und junge wie Du, können die Welt zwar nicht retten. Aber wir können das Unsere tun, Informationen zu finden und in verständlicher Form weiterzuverbreiten, mit deren Hilfe das Leben auf diesem Planeten für die Menschheit einigermaßen erträglich bleibt. Wir können Anwälte der Vernunft sein.

In dem Sinne: Du hast es geschafft, die Aufmerksamkeit von Millionen zu wecken. Verspiele dieses Kapital nicht, indem Du Dich sinnlos an der BILD-Zeitung abarbeitest und sagst, „mimimi, die FAZ stellt mir keine gescheiten Fragen“! Zeig, was Du drauf hast, dass Du mehr bewirkst als wir traditionellen Medienheinis!

Falls Du darauf keinen Bock hast: Halt einfach die Klappe.

* Yannick F. aus A., bekannt unter seinem Künstlernamen Rezo

 

Asoziale Medien oder: Schweinereien im Internet of Fury

Ein Virus geht um. Es ist eine Art Computervirus, denn er verbreitet sich epidemisch über das Netz, aber er befällt nicht den Rechner, sondern das Gehirn nicht immunisierter User. Warum warnt die BZgA nicht „Twitter und Facebook schaden Ihrer geistigen Gesundheit, Teilnahme erst ab 80 Jahren“?

Es ist unmöglich, nicht sarkastisch zu werden*: In den vergangenen Tagen hat das wütende Gegeifer in den Asozialen Medien eine so dumme Brutalität, eine so brutale Dummheit angenommen, dass man sich regelrecht einen sofortigen Blackout der großen Serverfarmen wünscht. Wir erleben nicht – wie uns versprochen ward – das Internet of Things oder das Internet of Money, sondern das Internet of Fury (IoF), das Internet der blinden Wut. Man müsste dieses Netz wohl komplett abschalten, damit seine Insassen wieder zur Besinnung kommen. Und anschließend würde es nur für diejenigen peu à peu wieder freigeschaltet, die eine kleine Prüfung in den Fächern „Logisches Denken“ und „Non-brachiale Kommunikation“ mindestens mit „ausreichend“ bestanden haben. Die anderen müssten – wie ein Autofahrer, der im Delirium am Steuer erwischt wurde – so lange immer wieder zur MPU antreten, bis sie beweisen, dass sie nun eigenverantwortlich denken können.

* Im Original: Es ist schwierig, keine Satire zu schreiben

Ja, es gab zum Glück jeden Tag vernünftige Stimmen zu hören. Aber ich hatte den Eindruck, dass die rassistischen, chauvinistischen, reaktionären und protofaschistischen Brülltrolle überall das Letzte Wort haben mussten – und dass es sich nicht um Bots handelte, sondern um real existierende Zeitgenossen. Sie geben erst auf, wenn die Vernünftigen und Denkenden endlich still sind. So erschreckend es ist: Es muss auch außerhalb der AfD-Filterblase bereits viele Menschen geben, die sich ähnlich beängstigend radikalisiert haben wie ein eingeknasteter Dinslakener Salafist und die den braunen Mist, den sie in die Tastatur kippen, selbst glauben.

Besonders betroffen macht mich, dass ausgerechnet ein Journalistenkollege, der wie ich die Deutsche Journalistenschule besucht hat, den Verbalhyänen den zum Himmel stinkenden Gammelfleischbrocken, der ihre niedersten Instinkte weckte, wie einen Köder hingeworfen hat. Sie wissen, was ich meine: das angebliche Schweinefleisch-und-Gummibärchen-Verbot an zwei Leipziger Kindergärten. Bitte denken Sie nicht, dass man das, was sich Timo Lokoschat, Absolvent der 39. Lehrredaktion und heute Mitglied der Chefredaktion der BILD, geleistet hat, an der DJS lernen würde. Als langjähriges Mitglied des DJS-Förderkreises kann ich die Schule nur in Schutz nehmen: Man lernt an dieser Schule nicht, Bagatellen künstlich aufzubauschen. Man lernt nicht, Mitbürgerinnen „Asoziale Medien oder: Schweinereien im Internet of Fury“ weiterlesen