Call-by-Call abzuschaffen ist Verbraucherschutz

Wer mal wieder Lust auf eine richtig scheinheilige PR-Nachricht hat, sollte mal hier zu Tele 2 klicken. Oder hier.

Das ist ein Anbieter so genannter Sparvorwahlen, mit denen Menschen, die sich in der Telekommunikation nicht so gut auskennen, mit etwas Glück ein bisschen weniger, oft aber sehr viel mehr fürs Telefonieren bezahlen als beim Magenta-Riesen. Zeh-nTele 2, das sind die mit der hirn zehenamputierten Werbung: Null Zeh’n am linken Fuß, drei Zeh’n am rechten. Man möchte fast schon vor dem Beschreiten der Eselsbrücke laut i-aaah schreien, weil einem der Phantomschmerz in die Zehn, äh, Zehen schießt.

Das Unternehmen, in den Frühtagen der Liberalisierung des Telefoniemarkts von der schwedischen Kinnevik-Gruppe gegründet, hat jetzt Angst, dass es seine Vorwahl 01013 bald nicht mehr nutzen darf, die man Gespräch für Gespräch („Call-by-Call“) vor der eigentlichen Rufnummer wählen kann, sofern man Telekom-Kunde ist. Die böse Kommission in Brüssel ist schuld. Sie rät den Mitgliedsstaaten der EU, die Vorwahl vor der Vorwahl abzuschaffen. Und die Bundesnetzagentur wäre sehr gut beraten, dem Rat zu folgen. „Call-by-Call abzuschaffen ist Verbraucherschutz“ weiterlesen

Kommunalwahl: Durchstreichen erlaubt

Liebe Kauferinger Mit-Wähler,

eine kommunalpolitisch interessierte Mitbürgerin hat angeregt, dass ich hier auf eine nicht allgemein bekannte Besonderheit des bayerischen Wahlrechts hinweise:

Wir dürfen nicht nur häufeln und listenübergreifend Stimmen vergeben, wir dürfen sogar bei Listenwahl Personen durchstreichen, die wir nicht im Gemeinderat sehen wollen.

Das funktioniert in einem konstruierten Fall so: Wer etwa vom Altbürgermeister genug hat, aber den Wahlvorschlag der Kauferinger Mitte ansonsten gut findet, kann die Liste ankreuzen, aber den Namen Klaus Bühler (oder auch Norbert Sepp) durchstreichen. „Kommunalwahl: Durchstreichen erlaubt“ weiterlesen

In Memoriam Dieter Eckbauer

Ecki1996Habe ich ihm je gesagt, wieviel ich von ihm hielt? Nein, natürlich nicht. Einem Dieter Eckbauer seine Wertschätzung zu zeigen, war allenfalls indirekt möglich, sei es durch die Art mit ihm zu reden, sei es indem man Dritten gegenüber durchblicken ließ, dass man seine Meinung teilte oder von ihm einiges gelernt hatte (was diese Dritten ihm dann vielleicht steckten). Ihm im direkten Gespräch platterdings Recht zu geben, hätte bedeutet, sich selbst zum Jasager zu degradieren, der sich anbiedern will und in Wahrheit nichts verstanden hat. Wer den Respekt des Meisters wollte, musste ihm geradezu widersprechen – was nicht ganz einfach war, wenn man mit ihm kompatibel war. Wer mit ihm nicht kompatibel war, hatte es allerdings noch viel schwerer mit ihm. Aber er war auch nie ein Mensch, der es anderen leicht machen wollte.

Lob über Bande, Anerkennung auf Umwegen: So war Dieter Eckbauer, mein Chef von 1984 bis 1989. War er nicht zufrieden, konnte er es direkt sagen, auch brutal direkt. Fand er meine Arbeit gut, erfuhr ich das bestenfalls von anderen. Eher merkte ich es daran, dass er mir Freiräume und Freiheiten gab, mich an längerer Leine führte, bestimmte Aufgaben mir anvertraute. Die Dosis an Motivationspillen, die man bei ihm ergattern konnte, reichte nie, um davon übermütig zu werden. Von daher hätte er, der Wiener Berliner oder Berliner Wiener mit Wohnsitz München, eigentlich Schwabe sein müssen: Nicht geschimpft ist im Ländle bekanntlich genug gelobt. Das maximale Kompliment entfuhr ihm in den frühen Neunzigern, als ich längst als Freiberufler tätig war. Eckbauer echauffierte sich furchtbar vor Kollegen über mich, weil ich es gewagt hatte, für das Konkurrenzblatt Computerzeitung zu schreiben, deren Chefredaktion ein anderer Ex-CW-Redakteur übernommen hatte, Gerhard Schmid. Exklusivität erwartete Eckbauer nur von Autoren, die ihm nicht egal waren. Auch Schmids Wechsel zur CZ – einem bis dahin unbedeutenden Blatt, dessen Verleger ausgerechnet Eckbauers früheren Vize Manfred Hasenbeck als Berater engagiert hatte – empfand er als Affront.

Heute kann und will ich Dieter Eckbauer loben. Das ist fair, weil er es verdient hat, und zugleich unfair, denn er kann sich nicht mehr dagegen wehren. „In Memoriam Dieter Eckbauer“ weiterlesen

Zum „Bild machen“ gehört mehr als ein Foto

Tobias „Tobi“ Bühler, Kandidat Nummer 6 auf der Liste der Kauferinger Mitte, hat sich auf Facebook zu Wort gemeldet (siehe gestern). Leider war seine Wortmeldung insoweit unergiebig, als nichts dabei herauskam, was mir helfen würde, ihn differenzierter zu sehen und nicht nur als „den Sohn von“.

Auf der Website der Mitte werden wir Wähler ja sogar aufgefordert, uns ein Bild von den Kandidaten zu machen. Tu‘ ich gerne. Da fehlt aber noch etwas. Ein Bild ist für mich mehr als ein Foto. Ich bin nämlich kein Listenwähler, sondern ein Persönlichkeitswähler. Ich kumuliere und panaschiere. Die Mitte-Leute, die ich gut genug kenne, um sie in die engere Wahl zu nehmen, kann ich an den Fingern einer Hand abzählen, und ich brauche nicht einmal den Daumen dazu. Vielleicht verkenne ich ja politische Talente. Aber die müssen sich dann auch mal trauen, als Konkurrenten ihrer eigenen Listengenossen aufzutreten. Sie SIND qua Wahlrecht Rivalen, auch wenn sie noch so geschlossen auftreten.

Aber bis zur Wahl ist ja noch Zeit, aus dem Schatten des Idols und der faktischen Anonymität herauszutreten. (Nur die Briefwähler kriegen Sie nicht mehr alle.)

P.S. vom 1. März:

Den Schuh mit den unzureichenden Informationen über die Kandidaten muss sich auch die Konkurrenz anziehen. Bei der SPD zum Beispiel ist nur besser, dass man zu jedem Kopf sofort den Namen sieht, weil dieser halt nicht von einem Vorschau-Streifen aus Thumbnail-Bildern verdeckt ist. Aber das Interesse an den Personen wird auch hier nicht befriedigt, obwohl im Web genug Platz wäre. Man blickt in 24 Gesichter, von denen man die meisten nicht kennt – oder allenfalls aus der Kassenschlange im Supermarkt.* So läuft das darauf hinaus, das jeder sich vorsichtshalber die Kandidaten zusammensucht, die er privat kennt. Das mag ja zu einer Auslese zugunsten von Netzwerker-Typen, also sozial aktiven Menschen, führen. Aber zu einer guten Mischung gehören auch stille Charaktere, die ihren Mangel an Extrovertiertheit durch Kompetenz und Fleiß ausgleichen. Zum Beispiel sollte in jedem Team jemand sein, der freiwillig dröge Zahlenwerke und Rechtsvorschriften durcharbeitet und versteht. Der braucht kein geselliger Mensch zu sein, um sich nützlich zu machen. 

Darum meine Bitte an alle Parteien und Wählergruppierungen: Lasst jede Kandidatin, jeden Kandidaten zwei Absätze über sich selbst schreiben, die man lesen kann, wenn man das Porträt anklickt. Absatz 1: Was sind meine Ziele und Schwerpunkte? Absatz 2: Was sind meine Stärken, die mich dafür qualifizieren, dieses Amt gut auszufüllen?

Bei den Um-die-20-Jährigen würde mich als Wähler auch die mittelfristige Lebensplanung interessieren, denn in dem Alter sind sechs Jahre eine lange Zeit, und viele zieht es hinaus in die Welt. Bei den Über-70-Jährigen sollte die Frage erlaubt sein, wie lange sie sich gesundheitlich das Ehrenamt noch zutrauen. Um bei Seniorenthemen Bescheid zu wissen, braucht man nicht am Ende der Wahlperiode kurz vor seinem 90. Geburtstag zu stehen.

* Auch die Grünen scheinen zu glauben, dass man sie alle kennt, oder dass man googlet oder im Telefonbuch nachsieht und die Leute anruft. Bei der UBV erfährt man zumindest etwas über Hobbys und Vereinsmitgliedschaften. Am meisten verraten noch die CSU-Bewerber über sich, aber es ist manchmal auch nur ein Satz.

 

Liebe Kandidaten der Kauferinger Mitte, …

…langsam, aber sicher bedaure ich Euch/Sie. Ich weiß ja, was zumindest den einen oder die andere von Euch bewogen hat, in dieser namensmäßig recycleten Wählervereinigung mitzumachen: Wenn man das Gedankenspiel wagt, die Politik Klaus Bühlers von seiner Person zu trennen, kann man ja durchaus zu dem Schluss kommen, es sei genug Substanz übrig für ein sinnvolles Engagement im Gemeinderat. Natürlich ist eine Idee oder ein Konzept nicht dadurch verbrannt, dass die falsche Person sie gut findet.

Ein Problem ist es aber, wenn eine Person dermaßen große Schatten auf die politischen Inhalte wirft, dass man letztere kaum noch wahrnimmt. Und Bühler fehlt jegliches Talent, sich auf seine alten Tage noch jene Qualitäten, Fähigkeiten und Eigenschaften anzueignen, die jetzt gefragt sind, als da wären: Selbstkritik, Bescheidenheit, Reue, Demut, Respekt. Angesichts der rechthaberischen Art, in der er der keineswegs überzogenen Berichterstattung und Kommentierung in den lokalen Printmedien begegnet, spuckt mein Gehirn zwei Namen aus: Wolfgang Wöller und Jakob Kreidl„Liebe Kandidaten der Kauferinger Mitte, …“ weiterlesen