Um Himmels Willen: Ancker geht von Bord!

Wer den Namen Ancker trägt, kann sich vor Wortspielen kaum retten, vor allem wenn er/sie soviel mit uns, nun ja, Kreativen zu hat wie Frauke Ancker. Die langjährige Geschäftsführerin des Bayerischen Journalisten-Verbandes hat die Einfälle „ihrer“ Journalisten immer gut ertragen – egal, ob jemand, dem etwas nicht passte, vor Ancker ging oder ein Scherzkeks drohte, Ancker zu werfen. Ab August ist die Geschäftsstelle des BJV kein Anckerplatz mehr: Nach 35 Jahren legt die Oberbayerin mit niederländischem Migrationshintergrund ab und steuert in Richtung Privatleben.

Das Ancker-Lichten zelebrierte der Verband mit einem Empfang vor großer Kulisse, nämlich den Panoramafenstern im 3. Stock des Literaturhauses München, die der Theatinerkirche zugewandt sind. ARD-Zuschauern ist der Anblick auf das gelbe Gotteshaus vertraut: Die Location dient der TV-Produktionsfirma ndF seit Jahren als Set für Szenen im Büro der erzkatholischen Spekulantin und Fußballnärrin Dr. Dr. Elisabeth Reuter (Rosel Zech), Schwester Oberin des Ordens, dem das marode Kloster von Kaltenthal gehört, einer Kreisstadt, die wie Landshut aussieht und von der Amigo-Bürgermeister-Karikatur Wolfgang Wöller (Fritz Wepper) regiert wird.

Um Himmels Willen!, stoßseufzen passenderweise nun viele Weggefährten von Frauke Ancker, für die diese Frau nicht weniger war als der personifizierte BJV, quasi die Schwester Hanna der bayerischen Journalisten. „Um Himmels Willen: Ancker geht von Bord!“ weiterlesen

Gemobbt in Berlin

Manchmal ist mir mein Beruf regelrecht peinlich. Journalist zu sein, ohne sich dafür zu genieren, war schon erheblich leichter als anno 2010. Im Moment schäme ich mich noch mehr dafür, einer Untergliederung desselben Verbandes anzugehören wie ein paar Tausend teils leidensfähige, teils sadistische Kolleginnen und Kollegen in der und rund um die Bundeshauptstadt, nämlich des DJV. Diverse Aktive der Landesverbände in Berlin und Brandenburg geben sich allergrößte Mühe, den Deutschen Journalistenverband von innen heraus zu zerstören, weil die Dinge nicht in ihrem Sinne laufen. Gegen das, was im Verband derzeit gruppendynamisch abgeht, sind die Aufführungen auf der CSU-FDP-Gurkentruppen-Wildsau-Bühne der reinste Kuschelrock. Leider erlauben das Vereinsrecht und die Satzung des Bundes-DJV nicht, ganze Landesverbände wegen permanent verbandsschädigenden Verhaltens ihrer Vorstände auszuschließen. Wir haben das 2004 in einer Art Notwehrsituation versucht – was heute passiert, hat eine lange Vorgeschichte – aber Juristen sagten "geht nicht". Nicht einmal mit einer Dreiviertelmehrheit. (Es klappt allerdings auch nicht, in so einem Fall einen Alternativ-Verein hochzuziehen. Nicht in Berlin.)

Nur ein Gutes hat die Show, die unsere neupreußischen Mitmenschen da abziehen: Sie zeigt, dass die Print- und Fernsehjournalisten endgültig im Internet-Zeitalter angekommen sind. Die Kombattanten liefern sich Flamewars nach allen Regeln dieser schmutzigen Kunst. „Gemobbt in Berlin“ weiterlesen

Das, äh, die Grauen im Bayerischen Rundfunkrat

"In Bayern scheinen die Uhren immer noch anders zu gehen als im Rest der Republik."

"Amtsmüde Parteisprecher aller Couleurs dürfen sich jetzt wieder Hoffnungen machen, dass sie eines Tages mit lukrativen Posten bei öffentlich-rechtlichen Sendern belohnt werden."

epd

Der aktuelle BJVreport befasst sich mit dem bevorstehenden Wechsel von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm auf den Intendantenposten beim BR und auch mit der Rolle von Dr. Wolfgang Stöckel, dem 1. Vorsitzenden des BJV und stellvertretenden Vorsitzenden des Fernsehausschusses im Rundfunkrat. Einige Informationen daraus sind durchaus diskussionswürdig. Immerhin brachte Stöckel…

"Im BR-Rundfunkrat hätten die unabhängigen Mitglieder gar keine Chance, einen Kandidaten durchzusetzen, der nicht CSU-nah sei, sagte Rundfunkratsmitglied Wolfgang Stöckel dem epd."

epd

…etwas Transparenz in die Funktionsweise bayerischer Hinterzimmerdiplomatie. Der Redakteurin offenbarte er, im Rundfunkrat Mitglied eines Zirkels um den emeritierten Professor Hans Georg Lößl gewesen zu sein, der am Rosenmontag (also am 15. Februar 2010) im Münchner Bahnhofshotel seinen Favoriten Wilhelm beschnuppert (und dann dessen Wahl forciert) habe. „Das, äh, die Grauen im Bayerischen Rundfunkrat“ weiterlesen

BJVreport: Covers ab 2002

60 Jahre und kein bisschen weise

1949, vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, erlebte Deutschland eine Gründungswelle. Nicht nur die Bundesrepublik feierte daher dieses Jahr ihr 60-jähriges Bestehen, sondern auch eine ganze Reihe von gesellschaftlich mehr oder minder relevanten Institutionen und Organisationen – und unter ihnen auch die Deutsche Journalistenschule und der Deutsche Journalisten-Verband, kurz: DJS und DJV.

Welch ein Kontrast: Das DJS-Jubiläum war ein rauschendes Sommerfest im Münchner Prinzregententheater, die Festrede zelebrierte Angela Merkel höchstselbst mit sichtlichem Vergnügen, abends conferencierte Günther Jauch die Tombola. Die Fete war eigentümlich heiter, wenn man bedenkt, welche Berufsaussichten die Absolventen von heute haben.

Der DJV dagegen beging seinen Geburtstag, einen Monat verfrüht, im grauen November, und der Rest vom Fest passte zur Jahreszeit: Unprätentiöser Jubelakt Jubiläumsakt im Kongresstrakt einer städtebaulichen Missgeburt anonymen 90er-Jahre-Bettenburg in Neukölln, deren Adresse "Sonnenallee" der einzige Farbtupfer war – und mit dem für Kulturgedöns fragen zuständigen Staatsminister Bernd Neumann (einem jener Politiker, die man nur unter Androhung von Waffengewalt lächelnd aufs Foto bekommt) als Gesandtem der Obrigkeit. „60 Jahre und kein bisschen weise“ weiterlesen